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Kassensturz-Tests Bluetooth-Kopfhörer im Test: Die meisten haben noch Mankos

Musik hören ohne Kabelsalat: Das machen Bluetooth-Kopfhörer möglich. Sie verbinden sich per Funk mit dem Handy. «Kassensturz» hat elf der meistverkauften Modelle getestet. Nur Vier Modelle sind gut. Vier andere fallen im Klangtest durch. Akkulaufzeit und Bedienung sind unterschiedlich gut

Legende: Video Bluetooth-Kopfhörer im Test: Das ist der beste Sound fürs Ohr abspielen. Laufzeit 8:08 Minuten.
Aus Kassensturz vom 22.11.2016.

Die meisten Bluetooth-Kopfhörer kommen nach wie vor nicht ganz ohne Kabel aus: Die beiden Ohrhörer sind mit einem kurzen Kabel verbunden, das beim Gebrauch über dem Nacken liegt. Kabelsalat gibt es damit aber nicht mehr. «Kassensturz» und die Konsumentenzeitschrift «Saldo» haben zehn der meistverkauften Bluetooth-Ohrhörer im Labor prüfen lassen.

Batterielaufzeit: 4,5 Stunden sind nicht genug

Die fehlende Kabelverbindung zum Handy bringt auch einen Nachteil mit sich: Bluetooth-Ohrstecker brauchen eine eigene Stromversorgung. Die eingebauten Akkus müssen regelmässig aufgeladen werden.

Im Labortest zeigt sich: Die Akku-Laufzeiten sind mit viereinhalb bis zehn Stunden sehr unterschiedlich. Vier Stunden sind zum Joggen zwar genug. Ist man aber auf einer längeren Reise und will telefonieren, Musik hören und vielleicht einen Film schauen, kommt man damit nicht weit.

Ungenügender Bass häufigster Kritikpunkt

Wer Musik hört, will mindestens eine passable Musikqualität. Natürlich kann man von In-Ear-Kopfhörern – mit oder ohne Kabel – keine Hifi-Qualität erwarten. Zwei Kopfhörer erreichen im Test eine insgesamt ungenügende Wertung: Ready2music Titan BT 4.1 und Vivanco Air Bluetooth Sportkopfhörer. Beide fallen sowohl im Klangtest wie auch bei der Batterielaufzeit durch.

Zum Abschneiden des Titan BT 4.1 schreibt Verkäufer Fust: «Der Titan ist ein klassisches Einsteiger-Modell. Bei der Bewertung des Klangs ist zwingend zwischen qualitativ hochwertigen Produkten und Einsteiger-Modellen zu unterscheiden.» Auch der Importeur des Vivanco argumentiert ähnlich. «Die Qualität der gewählten Lautsprecher hängt natürlich auch von der Preisklasse ab». Es geht aber auch besser: Der ähnlich teure Monster iSport zeigt im Test einen deutlich besseren Klang.

Drei erfahrene Klangexperten vom spezialisierten Labor Müller-BBM bewerteten die Klangqualität mit Musik aus den drei Genres Rock, Jazz und Klassik. Die häufigsten Kritikpunkte im Test waren ein schwacher, ein dominierender oder ein dumpfer Bass, unklare hohe Töne oder dann solche, die schrill und spitz sind. Rauschen war selten ein Problem, Kabelgeräusche hingegen schon. Bei kabelgebundenen Kopfhörern können Kabelgeräusche generell noch stärker stören.

Preis-Leistungs-Sieger ohne Adapter

Drei Personen am Tisch prüfen die Klangqualität der Ohrhörer.
Legende: Drei Tester prüfen die Klangqualität der Ohrhörer. SRF

Testsieger ist das Modell Powerbeats 2 der Marke Beats. Er kostet 149 Franken und zeigt in allen Kriterien kaum Schwächen. Der zweitplatzierte Plantronics Backbeat fit erhält fast die gleich gute Bewertung, ist mit einem Preis von 99.– Franken aber deutlich günstiger.

Bernd Mönninger von Müller-BBM sieht bei dem Modell aber einen wichtigen Nachteil: «Er bietet keine Adapter zur individuellen Anpassung an das Ohr. Bei manchen Personen kann der Sitz im Ohr so schlecht sein und damit auch die Klangqualität.»

Schwierigkeit: Passform im Ohr

Ein guter Sitz im Ohr ist bei allen Ohrhörern wichtig, sonst leidet die Klangqualität. Wie gut die Kopfhörer ins Ohr passen, wurde nicht getestet. Da die Ohrform sehr individuell ist, hätte eine Bewertung nur mit sehr vielen Probanden Sinn gemacht.

Um das Problem mit der Passform zu entschärfen, liefern die meisten Hersteller – aber nicht alle – verschieden grosse Kunststoffaufsätze mit. Damit ist aber nicht garantiert, dass die Ohrstecker auch wirklich gut sitzen.

Vor dem Kauf von In-Ear-Kopfhörern sollte man sich also mit dem Verkäufer darauf einigen, dass man die Ohrhörer gleich probieren kann. Oder ein Rückgaberecht vereinbaren. Sonst riskiert man, viel Geld für einen ungeeigneten Ohrhörer auszugeben.

Ärgernis schlechte Bedienung

Bewertet wurde im Test auch die Handhabung der Ohrhörer: Ein- und Ausschalten, Verstellen der Lautstärke, Kontaktaufnahme mit verschiedenen Smartphones oder Tablet. Wegen der geringen Grösse aller Teile kommt es hier zu beträchtlichen Unterschieden.

«Einige Modelle haben nur eine einzige Taste, mit der man alle Funktionen bedienen muss. Das ist sehr kompliziert und umständlich. Andere haben mehrere Tasten, was die Bedienung deutlich einfacher macht», so Bernd Mönninger. Eine schlechte Bedienung kann aber zum Ärgernis im Alltag werden.

Unterschiedliche Dämpfungseigenschaften

Schliesslich hat das Labor mittels Kunstkopf-Messungen ermittelt, wie gut die Kopfhörer den Umgebungslärm abschirmen. Je besser die Dämpfung, desto besser ist der Klang in lauter Umgebung wie etwa im Zug oder Bus.

Wer einen Ohrhörer mit guter Dämpfung beim Joggen oder gar auf dem Fahrrad braucht, muss sich aber der möglichen Gefahren bewusst sein, sagt Bern Mönninger: «Herannahende Fahrzeuge hört man so viel schlechter.»

Labor mit Kunstkopf für Geräuschmessungen.
Legende: Am Kunstkopf misst das Labor die Dämpfungseigenschaft der Ohrhörer. SRF

Im schalloten Raum wurde auch getestet, wie laut die Kopfhörer abstrahlen. Das dürfte dann zu einem Kaufkriterium werden, wenn man sich oft mit den gleichen Leuten in einem Raum aufhält. In der Regel schafft man sich mit lauten Kopfhörern keine Freunde.

Die Resultate

Musik bringt Leistung

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Wieso die Lieblings-Musik im Ohr wirklich zu mehr Leistung führt, erklärt ein Psychologe

Anprobieren verboten

Viele möchten In-Ear-Hörer vor dem Kauf anprobieren. Doch fast alle Shops verbieten dies. Ausser einer.

Alle Tests

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4 Kommentare

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  • Kommentar von MMA 1(SRF)
    Eine Bitte an die Testredaktion von Kassensturz und Saldo: Bitte zukünftig die neuesten Modelle testen und nicht solche welche schon viele andere getestet haben. Bestes Beispiel ist der Testsieger. Der Powerbeats2 war schon Testsieger in renommierten Zeitschriften wie Stiftung Warentest, Konsument oder auch Computer Bild. Warum wurde nicht der neue Powerbeats3 getestet? Es wäre doch relativ einfach bei den Herstellern der besten Produkte von anderen Tests zu prüfen, ob es einen Nachfolger gibt!
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    1. Antwort von Redaktion «Kassensturz»
      «Kassensturz» klärt vor jedem Test die Marktsituation ab. Im Prinzip kommen von den wichtigen Marken die meistverkauften Produkte in den Test. Da sind Testpublikationen vom Gesetz her (UWG) eingeschränkt. Bei aufwändigeren Labortests ist es zudem oft so, dass «Kassensturz» die Testprodukte schon zwei bis drei Monate vor der Publikation einkaufen muss. Zum Zeitpunkt der Abklärung war Powerbeats 3 in der Schweiz noch nicht erhältlich. Dazu kommt: Natürlich kennen längst nicht alle «Kassensturz»-Zuschauer die Resultate anderer Publikationen.
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  • Kommentar von Jürg Vögeli (zeus49)
    Ich benutze sowohl den dr.dre BT Kopfhörer wie auch den plantronics seit über zwei Jahren. So neu ist also die ganze Sache nicht. Völlig absurd war der Hinweis, man solle den Verkäufer bitten, die In-Ear Kopfhörer probieren zu dürfen. In jedem Ohr hat es Ohrenschmalz! Was macht der Verkäufer, wenn ein Kunde 4-5 Modelle probiert hat? Reinigt er sie? Muss er sie billiger verkaufen, weil gebraucht? Wie soll er die Kopfhörer wieder verpacken? Kann man Unterhosen auch probieren??
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    1. Antwort von Werner Caviezel (Angemeldet)
      Mann kann ja ein Probegerät pro Modell zur Verfügung stellen das dann gereinigt wird. Zumindest bei hochpreisigen Geräten durchaus zumutbar. Der Vergleich mit Unterhosen hinkt schon etwas.... .
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