Ärger für Philatelisten Die Post verunstaltet Briefmarken

Wenn Briefpost von der automatischen Frankiermaschine nicht abgestempelt wird, entwertet der Briefträger die Marke mit einem Kugelschreiber. Dumm nur: Für Sammler wird die Marke damit wertlos.


Manchmal erhält Roland Theiler aus Rothenburg (LU) einen Brief von seiner Tante. Diese ist Philatelistin und klebt ausgesuchte, alte Sondermarken auf das Couvert. In letzter Zeit erhielt Theiler verschiedentlich Briefe, auf denen die Marken nicht abgestempelt waren.

Stattdessen wurden sie vom Briefträger mit einem Kreuz markiert und so entwertet. Damit verlieren sie für den Empfänger den Wert. Roland Theiler ärgert sich: «Die Post verunstaltet auf diese Weise ihre schönen Kunstwerke gleich selbst.»

Der gute Sammler achte besonders auf einen schönen Stempelabdruck, sagt Hans Schwarz, Chefredaktor der Briefmarkenzeitung und Präsident des Verbandes Schweizerischer Philatelisten-Vereine: «Wenn eine Marke mit Kugelschreiber durchgestrichen ist, kann man sie gleich im Abfallkübel entsorgen!»

Schöner Stempel nur am Schalter garantiert

Im 19. Jahrhundert sei die Tintenentwertung auf den Briefmarken noch üblich gewesen, sagt Briefmarkenspezialist Schwarz. Sein Ratschlag: «Wenn man eine Briefmarke schön gestempelt haben will, geht man am besten persönlich zum Postschalter und verlangt dort eine entsprechende Abstempelung.»

Wer einen Brief als Massenware per Briefkasten aufgibt, habe tatsächlich keine Garantie auf einen schönen Stempel, sagt Post-Sprecher Oliver Flüeler.

Auch er rät briefmarkensammelnden Kunden den Gang zum Postschalter: «Die Schweizer Post gestaltet jedes Jahr 40 neue Briefmarken. Briefmarken sind für uns Kulturgut und Imageträger. Selbstverständlich gehen wir auf die Wünsche der Sammler ein.» Allerdings nur, wenn diese am Schalter deponiert würden.
Roland Theiler erhielt von der Post Gratis-Briefmarken im Wert von sechs Franken, als Entschädigung für seinen Ärger. Viel lieber hätte er jedoch das Couvert seiner Tante als Sammelobjekt behalten.

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