Verschollenes Fluggepäck Eine Schweizer Reisetasche auf griechisch-ägyptischer Odyssee

Fast 26 Millionen Gepäckstücke gingen 2016 auf Flughäfen weltweit verloren. Die Mehrheit der vermissten Koffer taucht innerhalb von 48 Stunden wieder auf. Definitiv nicht dazu gehört die Reisetasche eines Schweizers. Sie landete statt in Zürich auf einem ägyptischen Versorgungsschiff.

Karte

Bildlegende: Die Rückreise der Tasche ging von Milos über Athen dann ins südliche Kairo. SRF

Der passionierte Segler Hansjürg Willi flog Ende Juni von einer griechischen Insel über Athen mit Swiss nach Zürich zurück.

Dort fehlte nach der Landung sein Gepäck. Für den 64-jährigen IT-Unternehmer ein grosser Verlust: «Im Gepäck waren Geschenke für meine Frau, Bilder und Schmuck. Das kann man mit Geld nicht einfach wieder gutmachen.»

Als das Gepäck auch nach drei Tagen nicht zum Vorschein kam, übernahm das «Baggage Competence Center» der Swiss den Fall.

Gepäckstück «landet» auf Schiff

Zehn Tage lange war Hansjürg Willi im Unwissen, was mit dem vermissten Gepäckstück los war. Da meldete sich bei ihm telefonisch ein Mitarbeiter einer Firma, welche im Mittelmeer Ölplattformen betreibt. Die gesuchte Reisetasche befinde sich auf einem Schiff, welches regelmässig die Ölplattformen anfahre.

Tasche

Bildlegende: Die Tasche des Schweizers. SRF

Die Erleichterung von Hansjürg Willi war gross. Gross war auch seine Eigeninitiative, sein Gepäck nun möglichst rasch wiederzubekommen: «Ich schrieb viele Mails und hatte mit vielen Stellen Kontakt, damit mein Koffer möglichst rasch nach Kairo und vor dort zurück in die Schweiz gelangt.»

Bei dieser aufwendigen Organisationsarbeit wurde Hansjürg Willi nach und nach auch klar, warum sein Gepäck auf Abwegen kam.

Lose Etikette wird an falschem Gepäck angebracht

Hansjürg Willi brachte in Erfahrung, dass im Athener Flughafen fälschlicherweise eine Gepäcketikette der «Egypt Airways» mit Zielort Kairo an seine Tasche angebracht wurde. Diese lose Etikette gehörte zum Koffer eines anderen Reisenden, der auf der erwähnten Ölplattform arbeitet. Dieser Mann flog von Athen nach Kairo.

Kritik an «Swiss Baggage Competence Center»

Etikette

Bildlegende: Diese falsch aufgeklebte Etikette war Schuld für den falschen Weg der Tasche. SRF

Bis das aufgefundene Gepäck wieder zu Hansjürg Willi gelangte, dauerte es nochmals über eine Woche. Hansjürg Willi macht für diese Verzögerungen auch das «Baggage Competence Center» der Swiss verantwortlich: «Das Center versäumte es, den Swiss Schalter am Flughafen in Kairo genau zu instruieren.»

Das führte dazu, dass die Annahme des wiedergefundenen Gepäckstücks zuerst verweigert wurde, ist sich Hansjürg Willi sicher.

Mit diesen Vorwürfen konfrontiert, schreibt Swiss: «Zollformalitäten und behördliche Abklärungen haben weitere Zeit in Anspruch genommen, so dass der Vorgang der Rücksendung des Koffers dauerte.»

Was gilt, wenn das Fluggepäck nicht mehr auftaucht?

Dass Gepäckstücke gar nicht mehr gefunden werden, kommt nur sehr selten vor. In einem solchen Fall haben die Passagiere Anrecht auf eine Entschädigung. Die maximale Entschädigung liegt aktuell bei rund 1500 Franken pro verlorenem Gepäck. Dieser Betrag entspricht umgerechnet 1131 Sonderziehungsrechten, SDR (special drawing rights), diese Höhe ist im «Montrealer Abkommen» festgehalten. Verlorene Gepäckstücke gelten ab ca.einem Monat als endgültig verschollen, so beispielsweise bei der Fluggesellschaft Swiss.

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