Firma legt Kunden mit Reinigungsmasche rein

Mit viel Aufwand wirbt ein grosses Orientteppichgeschäft für Teppichreinigungen. Die Firma ködert mit einem Trick: Sie sagt, der Teppich sei äusserst wertvoll. Doch vorher müsse er für tausende Franken gereinigt werden. «Kassensturz» deckt auf: Die angeblichen Kostbarkeiten sind oft wertlos.

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Firma legt Kunden mit Reinigungsmasche rein

6:43 min, aus Kassensturz vom 9.11.2010

Viktor Eibert aus Hurden brachte seine Orientteppiche zum Reinigen. Allesamt handgeknüpft und alt. Total zwölf Stück. Der Teppichhändler S. schätzte den Wert der Teppiche auf 200'000 Franken. «Ich bin eigentlich ein kritischer Mensch», sagt Viktor Eibert, «aber in diesem Fall bin ich dem Teppichhändler auf den Leim gegangen, weil er so überzeugend war.»

Reinigung für 30'000 Franken

Der Rentner beauftragt Teppichhändler S. daraufhin, die Teppiche zu reinigen und einige davon zu restaurieren. Gesamtrechnung: über 30'000 Franken. Viktor Eibert will danach seine Teppiche verkaufen. Er schickt Fotos an das Auktionshaus Schuler in Zürich. Ein Experte begutachtet jedes einzelne Stück. Das Ergebnis: Keiner der Teppiche ist wertvoll. Die simplen Gebrauchsteppiche sind im besten Fall nur wenige hundert Franken wert.

Unsauberes Geschäftsgebaren

Viktor Eibert ist kein Einzelfall. Viele Kunden beschweren sich über das unsaubere Geschäftsgebaren von S.. Bei der Schweizerischen Interessengemeinschaft Orientteppiche Igot häufen sich die Klagen. «Wir haben wöchentlich zwei bis fünf Anrufe», sagt Bruno Meier, Präsidenten der Igot. «Die Leute haben ein ungutes Gefühl und denken, dass mit dem Reinigungspreis irgendetwas nicht in Ordnung sei.»

«Kassensturz» macht den Test mit einem alten persischen Teppich. Er ist schmutzig, überall abgewetzt und hat ein grosses Loch. Zwei Teppichexperten begutachten unabhängig voneinander den Teppich. Das übereinstimmende Urteil: Der Teppich ist verbraucht und wertlos. Der «Kassensturz»-Reporter gibt sich bei S. als Kunde aus und sagt, der Teppich sei ein Erbstück vom Götti.

Wertlos für 55'000 Franken

Der Geschäftsführer M.K. ist vom Teppich begeistert. Er vergleicht ihn mit einem Rembrandt oder Picasso und rühmt seine Schönheit. Der Teppich sei 55'000 Franken wert. Doch zuvor müsse er freilich noch gereinigt und restauriert werden. Sein Vorschlag: Die volle Behandlung mit Klarwäsche, Nachfetten und einer Vitaminzufuhr für 1716 Franken. Dringend notwendig auch: Eine Spezialbehandlung mit pflanzlicher Glanzwäsche für 1655 Franken. Allein für die Reinigung verlangt der Teppichhändler unglaubliche 3000 Franken – für einen wertlosen Teppich.

Er habe nie wertlose Teppiche gereinigt und restauriert und er werde dies auch nie tun, rechtfertigt sich der Teppichhändler M.K.. Auch der Teppich, den «Kassensturz» gebracht hat, sei nicht wertlos, behauptet er. Trotz Loch und abgewetzten Stellen sei er ein handgeknüpfter Bachtiar aus Persien. M.K.: «Wenn jemand sagt, dieser Teppich sei null wert, dann hat er Probleme.» M.K. bestreitet auch, den Wert der Teppiche von Viktor Eibert auf 200'000 Franken geschätzt zu haben. Grundsätzlich müsse man bei einer Schätzung auch den «emotionalen Wert» miteinbeziehen, sagt der Teppichhändler.