Firmen prellen Sparer mit Geldanlagen

Hochglanz-Prospekte und gewiefte Berater werben für Investitionen in viel versprechende Geschäftsfelder wie erneuerbare Energien oder Luxusautos. Doch hinter der eleganten Fassade stecken oft schamlose Finanzgauner. Normale Anleger verlieren Zehntausende von Franken.

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26.02.13: Geldanlagen: Dubiose Firmen prellen Sparer

11 min, aus Kassensturz vom 26.2.2013

Mühsam erspartes Geld löst sich in Luft aus. Das musste auch der pensionierte Chemiker Rudolf Amman erfahren. Gewiefte Aktienverkäufer brachten ihn in mehreren Telefonaten dazu, über 100‘000 Franken zu investieren. Er kaufte Aktien der «Pre Cars AG».

Heute ist Ammann überzeugt: Die Aktien sind wertlos. Er ist empört: «Das ist einfach eine Gaunerei, eine Frechheit anständigen Bürgern gegenüber». Er sei auf raffinierteste Art und Weise hintergangen worden.

Der Fall «Pre Cars AG»

Die «Pre Cars AG» wirbt damit, dass sie Luxusautos günstig aus dem Ausland importiere und sie dann teurer in der Schweiz verkaufe. Es sei ein lukratives Geschäft, trotz Wirtschaftskrise. Auf den ersten Blick wirkt die Firma professionell.

Auf der Webseite und auf der Facebook Seite der Firma sind einige teure Autos zu sehen. Mit Tricks machen Drahtzieher die Firma interessant: Sie berichten von einer möglichen Beteiligung einer anderen Firma an Pre Cars. Zudem streuen sie in den Medien das Gerücht, dass die Firma bald an die Börse komme.

Die Masche mit dem angeblichen Börsengang

Auch die Aktienverkäufer am Telefon erzählen Ammann, dass die «Pre Cars AG» bald in Frankfurt an die Börse gehe. Die Aktien würden deshalb massiv an Wert gewinnen, wie bei Börsengängen üblich. Bei diesem Geschäft könne nichts schiefgehen. Die Telefonverkäufer arbeiten bei einer Firma namens «SEH AG», Schweizer Emmissionshaus. Doch der versprochene Börsengang der «Pre Cars AG» verzögert sich immer wieder und hat bis heute nicht stattgefunden.

Die Masche mit dem angeblichen Börsengang ist nicht neu: «Kassensturz» berichtete schon mehrfach über Firmen, die Anleger damit locken, dass ihre Firma bald an die Börse komme und der Wert der Aktien dann stark steigen würde (siehe Beitrag vom 02.03.2010).

Ein Augenschein von «Kassensturz» am Geschäftssitz der «Pre Cars AG» in Baar zeigt: Das Namensschild der Pre Cars ist am Briefkasten einer Büro-Service-Firma befestigt. Im Gebäude gibt es viele Briefkastenfirmen. Von Drittpersonen erfährt «Kassensturz»: Die «Pre Cars» besitze hier ein Büro, der Geschäftsführer sei nicht da. Einige Land Rover, die hinter dem Haus stehen, würden der Firma gehören.

Strafverfahren läuft

Die «Pre Cars AG» hat nur einen einzigen Verwaltungsrat: Den Zuger Anwalt Andreas Rohrer. Gemäss Rohrer amtet Adnan Karahanci als Geschäftsführer. Wie die Zuger Strafverfolgungsbehörden gegenüber «Kassensturz» bestätigen, läuft gegen die «Pre Cars AG» ein Strafverfahren wegen Betrugs.

Adnan Karahanci wird auch vorgeworfen, für die «SEH AG» Aktien der «Pre Cars» zu einem massiv überhöhten Preis verkauft zu haben. Gegenüber «Kassensturz» erklärte Karahanci, keine Aktien für die «SEH AG» verkauft zu haben.

In einer Stellungnahme schreibt die «Pre Cars AG», dass sich der der Börsengang wegen neuen Vorschriften der Frankfurter Börse verzögert habe. Weiter schreibt die Firma.

«Die «Pre Cars AG» ist sehr gut aufgestellt und verfolgt seit Gründung einen Expansionskurs. In jedem Geschäftsjahr wurden zweistellige Zuwachsraten in Umsatz und Gewinn verbucht.» Die Aktien seien ihr Geld wert.

«Börsengang unrealistisch»

Daran bestehen allergrösste Zweifel. Anleger bezahlten für eine Aktie 3 Franken – das 300fache des Nennwerts von 1 Rappen. Zeitweise waren 30 Millionen solcher Aktien ausstehend, was einem Wert der Pre Cars AG von 90 Millionen Franken entsprechen würde. Etwas viel für eine Firma, die gemäss eigenen, nicht überprüfbaren Angaben letztes Jahr 62 Luxusfahrzeuge verkauft hat.

Finanzexperte Florian Schubiger von der Firma Vermögenspartner AG hat die vorhanden Unterlagen für «Kassensturz» überprüft. Er sagt, die Aktien der Pre Cars hätten viel weniger Wert als beim Kauf. Einen Börsengang hält er für unrealistisch. «Der Umsatz oder die Firma ist schlichtweg zu klein, um einen solchen Börsengang bewältigen zu können.»

Der Fall Invest «Energy Holding AG»

Die «Pre Cars AG» ist nicht die einzige Firma, bei der sich mühsam erspartes Geld in Luft aufgelöst hat. Die «Kassensturz»-Zuschauerin V. C. und Tochter legten insgesamt 28‘000 Franken in so genannte Energie-Zertifikate bei der Invest «Energy Holding AG» an. Diese wirbt mit Investitionen in erneuerbare Energien. Doch heute hat die Anlage von V. C. massiv an Wert verloren.

Anlage-Opfer

Bildlegende: Geprellte Anlegerinnen. SRF

Finanzberater Erich Schuler von der Firma der «RS Financial Solutions» hat ihnen die Anlage empfohlen. Die Investition sei sehr sicher, der jährliche Zins betrage 3,5 Prozent. V. C. sagt: «Ich habe voll vertraut, voll. Und gedacht: er ist vom Fach, er muss es wissen. Heute würde ich sagen: Das ist falsch gewesen.»

Die Finma greift ein

Die «Invest Energy Holding AG» hat ihren Sitz in Zug. Ein Besuch von «Kassensturz» vor Ort zeigt: Es ist eine Briefkastenfirma. Von der Invest Energy ist niemand zu sprechen. Gegen die Firma hat die Finanzmarktaufsicht Finma in Bern hat eine Untersuchung durchgeführt.

Gemäss Finma -Sprecher Tobias Lux haben insgesamt 180 Anleger über 4 Millionen Franken bei der Invest Energy investiert. Lux sagt gegenüber «Kassensturz»: «Wir haben festgestellt, dass die Gesellschaft nicht nur gegen das Bankengesetz verstossen hat, sondern auch noch überschuldet ist. Aus dem Grund mussten wir den Konkurs über die Gesellschaft verhängen.»

Ein Maserati als Firmenauto

Die Anleger dürften einen grossen Teil ihrer Anlagen verloren haben. Das zeigt der Untersuchungsbericht des Finma-Beauftragten, der «Kassensturz» zugespielt wurde. Gemäss dem Bericht müssen die Anleger mit einem Verlust von rund 60 Prozent ihrer Anlagen rechnen.

Rund 3,2 Millionen Franken sind aus der Firma abgeflossen. Der grösste Teil der Gelder wurde nicht in Energieprojekte investiert. Verwendet haben die Verantwortlichen das Geld gemäss dem Bericht unter anderem für ein Haus in Berlin-Wannsee (über 700‘000 Franken), in dem Invest Energy Geschäftsführer Heinz-Gerd Neuen ein lebenslanges.Nutzniessungsrecht besitzt.

Viel Geld kostetet auch das Firmenauto von Verwaltungsrat Albert Henry Thonen: Ein Maserati Quattroporte. Gemäss dem Bericht des Finma-Untersuchungsbeauftragten flossen an die Makler, welche die Anleihen der Energy Invest vermittelt haben, insgesamt 750‘000 Franken. Zuständig für die Maklerbetreuung war Daniel Widmer.

Die Zuger Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die Invest Energy Holding AG wegen Betrugs und ungetreuer Geschäftsbesorgung. Gegenüber «Kassensturz» weist die Firma die Vorwürfe zurück. Die Invest Energy sagt: Die Probleme seien erst durch die Intervention der Finma entstanden. Die Gelder der Anleger seien durch Investments in Windenergie abgesichert. Für alle erwähnten Firmen und Personen gilt die Unschuldsvermutung.

Schwierig zu kontrollieren

Der Sprecher der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht Finma, Tobias Lux, erklärt, wann die Kontrollbehörde gegen verdächtige Firmen vorgehen kann.

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Finma zur Intervention bei dubiosen Aktiengeschäften

0:38 min, vom 26.2.2013

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Eine Milliarde Franken: So viel haben Anlage-Betrüger in der Schweiz ergaunert. Mehr darüber in «DOK: Die Verführer» am Donnerstag, 28. Februar auf SRF1.

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