Frust: Roamingkosten trotz ausgeschalteter Daten

Trotz ausgeschaltetem Datenroaming können im Ausland Gebühren anfallen. Das beweisen mehrere Fälle, die Radio SRF vorliegen. Die Mobilfunkanbieter sprechen von einem Fehler. Dieser komme nur bei gewissen Handymarken vor. Eine abschliessende Lösung ist nicht in Sicht.

Swisscom-Kunde Hanspeter Schoop machte im Juni 2016 eine Rundreise von Polen bis Finnland. Da er teure Roamingkosten vermeiden wollte, hatte er bei seinem Handy den mobilen Datentransfer konsequent ausgeschaltet. Im Ausland surft er jeweils ausschliesslich mit WLAN-Verbindung.

Elf Franken fürs Roaming im Ausland

Umso erstaunter war der Prepaid-Kunde, als er während der Reise von der Swisscom ein SMS mit der Mitteilung erhielt, fürs Surfen im Ausland seien ihm 6.50 Franken abgebucht worden. Das Datenpaket von 10 Megabyte sei nun 30 Tage gültig, hiess es weiter.

Und nur wenige Tage später, bei einem Grenzübertritt, passierte es erneut – diesmal wurden Hanspeter Schoop fürs Roaming im Ausland 4.50 Franken abgebucht. Dies trotz ausgeschalteter mobiler Datenverbindung.

Swisscom sagte erst: «Kein Fehler»

Hanspeter Schoop versteht die Welt nicht mehr: «Ich finde es unlauter, etwas verrechnet zu kriegen, das ich nie bestellt habe. Und das gleich zwei Mal.» Dabei geht es dem Swisscom-Kunden weniger ums Geld, sondern ums Prinzip: «Es kommt mir vor wie vor 50 Jahren, als der Hausierer vorbeikam und einem Dinge aufs Auge drückte, die man nicht wollte.»

Als Schoop den Fehler nach den Ferien bei der Swisscom-Hotline meldete, hat man für sein Anliegen jedoch kein Musikgehör. Er sei an den Kosten selber Schuld, hiess es, man könne ihm diese nicht rückerstatten.

«Das dürfte nicht passieren»

Anders hingegen fällt die Antwort aus, als das SRF-Konsumentenmagazin «Espresso» die Swisscom mit dem Fall konfrontiert. Man könne den Ärger des Kunden gut nachvollziehen, heisst es, so etwas dürfte tatsächlich nicht passieren.

Ursache ist nicht erkannt

Der Swisscom ist dieses «Geister-Roaming-Phänomen» schon länger bekannt. Solche Fälle kämen extrem selten vor, und nur bei gewissen Handymarken, sagt Swisscom-Sprecherin Sabrina Hubacher: «In ganz seltenen Fällen wird offenbar eine kleine Menge an Datenverkehr übertragen, auch wenn der Kunde die mobilen Daten ausgeschaltet hat. Das darf nicht passieren!»

Die Swisscom sei deshalb mit den Geräteherstellern im Gespräch und suche nach einer Lösung. «Es könnte ein Fehler im Gerät oder in einzelnen Gerät-Komponenten sein oder aber im Zusammenspiel zwischen Gerät und Mobilfunknetz», so Hubacher. «Wir kennen die Ursache nicht.»

Welche Handymarken sind betroffen?

Welche Geräte neben dem Sony Xperia von Hanspeter Schoop noch von diesem Phänomen betroffen sind, kann die Swisscom ebenfalls nicht sagen. Sprecherin Sabrina Hubacher: «Es sind mehrere Geräte betroffen. Wir gehen derzeit davon aus, dass es nur 4G-fähige Mobiltelefone sind.»

Sony, Samsung, iPhone?

Dass nicht nur die Marke Sony betroffen ist, zeigt der Blick ins Internet, wo das Problem bereits seit fünf Jahren auftaucht, unter anderem auch bei iPhones. Zudem liegt dem SRF-Konsumentenmagazin «Espresso» ein identischer Fall eines Salt-Kunden mit einem Samsung-Gerät vor.

Swisscom und Sunrise haben bereits gehandelt

Für Abokunden hat die Swisscom im Herbst 2015 mittels technischem Kniff eine Zwischenlösung gefunden. Für Prepaidkunden funktioniere dieser Kniff jedoch nicht, so die Sprecherin. Swisscom-Prepaidkunden können das Problem jedoch indirekt angehen, in dem sie in den Einstellungen im Swisscom Cockpit die Option «Basistarif aktivieren» ausschalten.

Swisscom Grafik

Bildlegende: Swisscom

Und so funktioniert's:
Wenn ein Prepaid Kunde im Swisscom Cockpit den Basistarif deaktiviert hat (Häkchen), wird kein Datenverkehr verrechnet (siehe Bild). Der Nachteil: Möchte man trotzdem einmal ein spezielles Datenpaket lösen, muss das Häkchen wieder zurückgesetzt werden.