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Geld Hohe Depotgebühren in Alters-und Pflegeheimen

Es kommt vor, dass der Eintritt ins Pflegeheim an der Depotgebühr scheitert. Ist ein Mensch auf Unterstützung wie Ergänzungsleistungen angewiesen, ist das Depot von mehreren tausend Franken eine unüberwindbare Hürde. In solchen Fällen springt Pro Senectute ein. Das wissen nur wenige.

Legende: Audio Hohe Depotgebühren in Alters-und Pflegeheimen abspielen. Laufzeit 4:47 Minuten.
4:47 min, aus Espresso vom 16.06.2015.

Eine Hörerin des Konsumentenmagazins «Espresso» von Radio SRF 1 sucht seit Wochen einen Platz für ihren betagten Vater, der im Spital liegt. Nach Hause kann er nicht mehr, er ist auf Hilfe angewiesen.

Nur: Seit knapp vier Wochen scheitert die Verlegung in ein Pflegeheim an den Depotgebühren der verschiedenen Heime. Denn die Depotgebühr wird in den Kantonen nicht von der öffentlichen Hand übernommen, auch wenn der Rentner von Ergänzungsleistungen und der Unterstützung durch die Gemeinde lebt.

Absurde Situation für Spitäler

Weil die Verlegung also seit Wochen an der Depotgebühr fürs Pflegeheim scheitert, liegt der Mann nach wie vor im Kantonsspital Baselland. Und das führt zur absurden Situation fürs Spital, dass es eigentlich auf Mehrkosten für diesen Patienten sitzenbleibt.

Denn, so schreibt das Spital: «Sobald die Spitalbedürftigkeit nicht mehr gegeben ist, zahlt die Krankenkasse den Spitalaufenthalt nur noch reduziert in Analogie zum Aufenthalt in einem Pflegeheim.» Und so sind die Sozialdienste der Spitäler darum bemüht, möglichst reibungslos eine Anschlusslösung für den Patienten zu finden.

Problem erkannt, aber keine Lösung in Sicht

Und so versucht die Tochter nun seit Wochen, eine Lösung für den betagten Vater zu finden. Die Tochter erzählt: «Der Sozialdienst des Spitals hat mich an den Sozialdienst der Wohngemeinde verwiesen. Dort hiess es, ich müsste mich wieder an den Sozialdienst des Spitals wenden. Dann zurück an eine andere Stelle der Gemeinde und überall hiess es: Wir sind nicht zuständig.» Auch das Amt für Altersfragen und die Ombudsstelle fürs Alter wussten keinen Rat.

Beim Baselbieter Amt für Gesundheit erklärt Urs Knecht vom Rechtsdienst gegenüber «Espresso»: «Grundsätzlich ist es statthaft, dass Heime Depots verlangen, um ihr Risiko abzusichern. Das darf aber nicht dazu führen, dass Personen, welche mittellos sind, nicht in ein Heim eintreten können. Wir sind der Meinung, dass dieses Problem zwischen Gemeinde und Heim geregelt werden müsste. Daran arbeiten wir.» Das Problem sei erkannt.

Heimverband reagiert erstaunt

Vor über zehn Jahren haben Alters-und Pflegheime Depotzahlungen eingeführt, auch auf Empfehlung des Schweizer Heimverbandes Curaviva hin. Die Höhe des Depots sollte in etwa die Kosten für einen Monat im Heim abdecken, rät Curaviva seinen Mitgliedern. So betragen Depots zwischen 3000 Franken und 15‘000 Franken.

Daniel Domeisen ist Leiter Betriebswirtschaft und Recht im Fachbereich Alter bei Curaviva und er weist auf die Risiken hin für Heime: «Wenn ein Bewohner stirbt, fallen noch Kosten an. Das Depot ist genau für die Deckung dieser Kosten gedacht.» Es könne aber sicher nicht sein, dass eine betagte Person wegen dieser Gebühr nicht ins Heim eintreten könne: «Weil das soziale System in der Schweiz so organisiert ist, dass ein solcher Fall eigentlich nicht eintreten darf.»

Der Fall, welcher «Espresso» vorliegt, zeigt aber genau das. Und erst als sich «Espresso» an die Spezialisten für Altersfragen von Pro Senectute wendet, zeichnet sich eine Lösung ab.

Pro Senectute sucht Lösung bei Härtefällen

Das Telefongespräch mit einem Vertreter von Pro Senectute dauert wenige Minuten und die Lösung für das Problem ist schnell gefunden. Peter Burri Follath ist Mediensprecher und bestätigt: «Es ist nicht das erste Mal, dass wir bei der Finanzierung des Depots für mittellose Menschen helfen. Wir suchen jeweils mit den Betroffenen, den Heimen und Behörden eine Lösung. In einzelnen Fällen sprechen wir sogar selber Mittel.»

Ihm sei es allerdings schleierhaft, weshalb keine der involvierten Stellen der verzweifelten Tochter diese Information habe geben können. «Diese Fachstellen müssten doch wissen, dass Pro Senectute in solchen Fällen Hilfe anbietet», meint Peter Burri Follath.

Unterdessen hat sich für den mittellosen Rentner eine andere Lösung ergeben: Ein Heim nimmt ihn auf und verzichtet auf die Depotgebühr.

5 Kommentare

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  • Kommentar von Denise, Henggart
    Schweizer Alters- und Pflegeheime: Ausbeutung der BewohnerInnen! Diese "Alten" haben ein Leben lang gearbeitet und vor allem aber auch gespart fürs "Alter". Die meisten verfügen über ein "dickes", finanzielles Polster und im Heimbereich wird das schamlos - von Staates wegen - ausgenutzt. Aber nicht die Pflegenden sind Nutzniessende davon. Nein, das ist der "Management-Bereich", was absolut nicht nachvollziebar ist, oder auch berechtigt! "Gesundheits- Unwesen" Schweiz - Bundesrat Berset und C!!!?
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  • Kommentar von Alex Bauert, Bern
    Noch schlimmer ist die Abzockerei nach dem Tode. Im Altersheim Langnau a.A. wollten die während der «Kündigungsfrist» von 14 Tagen weiter abkassieren, auch dann noch, als bereits eine andere Person im Zimmer wohnte und ihrerseits bezahlte. Leider gibt es dazu noch kein Gerichtsurteil. Die signalisierte Prozessbereitschaft (nach Absprache mit einem Ordinarius für Privatrecht ;-) ) führte zum Erfolg, d.h. zu einer reduzierten Rechnung für die Tage, während denen das Zimmer leer war, d.h. 3 Tg.
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  • Kommentar von René Seiler, Wetzikon
    Die Heime müssen zunehmend eigenständig bestehen können. Die Beiträge von Kantonen und Krankenkassen sind begrenzt und von Organisationen wie dem VBB reguliert. Wenn jemand über Monate seine Rechnungen nicht bezahlt, ist dies fürs Heim ein riesiges Problem von mehreren tausend Franken. Mit diesem fehlenden Geld sollte eigentlich das betreuende Fachpersonal bezahlt werden. Dass die Heime diese Risiken nicht mehr tragen wollen und können, kann ich verstehen.
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