Internet-Handel: Vorsicht vor Scheck-Betrügern

Nicht nur Käufer, sondern auch Verkäufer müssen im Internet aufpassen. Wer online einen Gegenstand verkaufen will, muss sich vor Scheck-Betrügern in Acht nehmen! «Espresso» deckt die Maschen der Gauner auf – und zeigt wie man sich vor Scheck-Betrügern schützen kann.

Scheck

Bildlegende: Diesen Scheck bekam Martin Baumgartner. SRF

Um ein Haar wäre «Espresso»-Hörer Martin Baumgartner Opfer eines Betrugs geworden. Im letzten Moment wurde er jedoch hellhörig und kontaktierte die «Espresso»-Redaktion.

Martin Baumgartner wollte nach dem Tod seiner pflegebedürftigen Mutter einen Personenlifter online auf ricardo.ch verkaufen. Ein Personenlifter ist ein Hilfsmittel, welches er benötigte, um seine Mutter aus dem Bett zu hieven.

Für den Personenlifter verlangte er online 1100 Franken. Kurz darauf meldete sich ein Interessent mit dem Namen Enis Jakubovic. Er schrieb auf Englisch mit schlechter, deutscher Übersetzung.

Martin Baumgartner: «Er versprach mir Geld zu überweisen und dass dann ein Transporteur kommt, welcher das Gerät abholt.» Der Deal schien perfekt.

Plötzlich kam ein Brief aus Griechenland

Anstatt eine normale Banküberweisung zu veranlassen, schickte der Käufer Martin Baumgartner einen Scheck. Der Betrag, welcher auf dem Scheck stand, war aber nicht wie vereinbart 1100 Franken, sondern 1500 Euro. Viel zu viel!

Martin Baumgartner wurde skeptisch und beschloss, den Verkauf zu stoppen. Zu Recht.

Scheck sind ein sehr unsicheres Zahlungsmittel

Laut Martin Boess von der Schweizerischen Kriminalprävention sind Schecks ein sehr unsicheres Zahlungsmittel: «Bei den Schecks kann die Bank nicht sofort sagen kann, ob er gedeckt oder nicht gedeckt ist. Das heisst: obschon die Bank das Geld auf dem Konto gutschreibt, kann es mehrere Wochen dauern, bis sie einem sagt, ob man das Geld definitiv hat oder nicht.»

Der Bankkunde ist also in falschem Glauben, dass er das Geld schon besitzt. Falls der Scheck aber ungültig ist, oder der Betrüger den Scheck nachträglich wieder zurückzieht, steht der Verkäufer mit leeren Händen da. Besonders hart trifft es ihn, wenn der «verkaufte» Gegenstand unterdessen bereits abgeholt wurde.

Besondere Vorsicht bei zu hohen Geldbeträgen

Bei Experten ist diese Masche der Betrüger bekannt. Laut Martin Boess von der Schweizerischen Kriminalprävention muss man besonders bei zu hohen Geldbeträgen hellhörig werden: «Man wird dann gebeten den Überschuss des Betrags auf dem Scheck gleich dem Transporteur zu geben, welcher das Gerät abholt. Wenn dann die Bank feststellt, dass der Scheck nicht gedeckt ist, dann ist sowohl das Geld für die verkaufte Ware wie auch der Überschuss weg.»

Man spricht dann in diesem Fall von einer doppelten Betrugsmasche. Dies geschieht oft bei Verkäufen von Autos oder Motorrädern.

«Espresso»-Hörer Martin Baumgartner ist froh, dass er dem Betrüger nicht auf den Leim gekrochen ist: «Ich überlege mir nun, ob ich den Scheck der Polizei übergebe, oder ob ich ihn einfach zerreisse.» Zurückschicken kann er ihn jedenfalls nicht – ausser der Mailadresse und dem Namen besitzt er keinerlei Angaben vom angeblichen Käufer.

SEPA: Einfache Überweisungen in Europa

Für Zahlungen im europäischen Raum gibt es seit ein paar Jahren ein einheitliches Zahlungssystem, das sogenannte SEPA (Single Euro Payments Area). 32 Länder arbeiten damit.

Im Gegensatz zu anderen Zahlungssystemen läuft beim SEPA alles automatisch von Computer zu Computer. So können Gebühren für Transaktionen gespart werden. Nötig für eine ÜBerweisung sind die IBAN-Bankkontonummer und die BIC-Banknummer. («Espresso»-Beitrag vom 10.02.2012).

Tipps: So verhindern sie Scheck-Betrug

  • Keine Schecks akzeptieren. Das ist ein veraltetes und unsicheres Zahlungsmittel. Zudem sind Schecks schwer auf Echtheit überprüfbar.
  • Falls doch: Keine Schecks mit höherem Betrag als abgemacht akzeptieren.
  • Bei der ausstellenden Bank vorgängig abklären, ob der Scheck gedeckt ist.
  • Besser: Direktüberweisung auf das eigene Bankkonto per mittlerweise verbreitete IBAN-Bankkonto-Nummer.
  • Western Union: Wird nur bedingt empfohlen. Bei vielen Kassensturz/Espresso bekannten Betrugs-Fällen wurde diese Zahlart benutzt. Betrüger können ein Guthaben bei Western Union irgendwo auf der Welt abheben.