Luxus in der Jugi: «Wir werden uns nicht untreu»

Sie wurden einst gegründet, um Jugendlichen eine sichere Übernachtungsmöglichkeit zu bieten. Aber Massenschläge, Gemeinschaftsduschen, Nachtruhe und Mithelfen: Das war einmal. Jugendherbergen werden immer komfortabler, nähern sich gar dem Standard von Hotels an.

Augenschein in der Jugendherberge Basel: Jedes dritte Zimmer ist ein Doppelzimmer mit eigenem Bad. Den grössten Anteil machen Vierbett-Zimmer aus, daneben gibt es noch ein paar Zimmer mit sechs Betten. «Grössere Schlafsäle sind heute nicht mehr so gefragt», erzählt Sandra Neuhaus, die stellvertretende Leiterin der Unterkunft. «In den vergangenen Jahren ist alles individueller geworden.»

Preise wie im Hotel

Rund 50 Jugendherbergen gibt es in der Schweiz. Sie bieten insgesamt 6000 Betten und zählten im Jahr 2016 rund 800'000 Logiernächte. In einigen davon finden sich immer noch Massenschläge mit zehn oder mehr Betten. In anderen wiederum findet sich sogar ein wenig Luxus: So bietet etwa die Jugi Saas-Fee einen Wellness-Bereich auf fast 2000 Quadratmetern.

Whirlpool und Bio-Sauna statt Etagendusche, Doppelzimmer statt Massenschlag: Dass solche Angebote nicht für 30 Franken pro Nacht zu haben sind, liegt auf der Hand. Rund 130 Franken kostet das Doppelzimmer in der Basler Jugendherberge. «Wir wollen mit den Doppelzimmern die Hotellerie nicht konkurrenzieren», sagt René Dobler, der stellvertretende Geschäftsleiter der Schweizer Jugendherbergen gegenüber dem Konsumentenmagazin «Espresso» von Radio SRF 1. «Unser Hauptangebot sind immer noch Mehrbettzimmer – und diese wollen wir möglichst günstig anbieten. Die teureren Doppelzimmer nutzen wir, um das mitzufinanzieren.»

Dass sich die Jugendherbergen mit diesen fast schon luxuriösen Angeboten untreu werden, sieht René Dobler anders: «Jugendherbergen boten seit jeher eine grosse Vielfalt. Diese bieten wir auch heute noch.»

Digitalisierung als Herausforderung

Während Jugendherbergen also die Hotels nicht konkurrenzieren wollen, haben die Jugis selber in den letzten Jahren grosse Konkurrenz durch die Online-Plattform Airbnb bekommen. Private bieten über diese Plattform Zimmer oder ganze Wohnungen zu günstigen Konditionen an. «Natürlich spricht das Leute an, die gerne auch in Jugendherbergen sind», sagt René Dobler. Insofern sei das sicher eine gewisse Konkurrenz. «Wir versuchen aber selbstbewusst unsere Angebote zu optimieren und denken, dass wir damit auch in Zukunft genug Leute finden.»

Die Digitalisierung sei aber durchaus eine Herausforderung für die Jugendherbergen. Insbesondere grosse Plattformen, auf welchen sämtliche Übernachtungsangebote auf einen Klick verfügbar und vor allem auch vergleichbar sind, hätten die Spielregeln im Markt verändert: «Der Preis rückt sehr stark in den Vordergrund, die Gesamtheit eines Angebots spielt weniger eine Rolle.» Hier bestehe die Gefahr, in der grossen Menge zu verschwinden. «Diesen Spielregeln müssen wir uns stellen.»

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