Mysteriöse Anrufe wegen angeblichem Parkschaden

Lästige Callcenter-Anrufe sind wir uns gewohnt. Vor einiger Zeit ist in der Schweiz aber eine ganz neue Art von zweifelhaften Telefonaten aufgetaucht: Zum Beispiel ruft jemand an wegen einem Parkschaden, den man angeblich verursacht hat. Ein billiger Betrugsversuch? «Espresso» sagt, was Sache ist.

Sie sitzen gemütlich zu Hause und dann klingelt das Telefon. Das Display zeigt eine 071er-Nummer, also nichts Verdächtiges. Entspannt und nichts ahnend gehen Sie ran. Und dann tönt es so:

Hallo?

Ja, Hubertus Huber hier. Ich habe Ihren Zettel gefunden. Was machen wir jetzt?
Ähm … was für ein Zettel?
(genervt): Der Schaden an meinem Fahrzeug!
Sorry, aber ich weiss nicht, was Sie meinen…
Ich habe einen Schaden an meinem Fahrzeug und vorne klemmt ein Zettel mit Ihrer Telefonnummer.
Wie bitte? Wovon sprechen Sie?
Warten Sie, ich lese mal eben vor … Verehrter Verkehrsteilnehmer. Beim Ausparken habe ich den Abstand wohl falsch eingeschätzt. Für die Beule komme ich auf. Leider habe ich keine Zeit, auf Sie zu warten. Bitte rufen Sie mich an.
Und so weiter ....

Und schon ist Schluss mit der Entspannung. Viele Angerufene ärgern sich, sind beunruhigt. Sie vermuten, dass hier jemand versucht, Geld abzuzocken. Das zeigen die vielen Einträge im Internet: Von Betrugsversuch ist die Rede, von Schweinerei und elenden Callcentern.

Doch: Dieses Mal ist es nicht so. Falls Sie einen solchen Anruf erhalten haben, dann steckt dahinter mit grosser Wahrscheinlichkeit ein Bekannter von Ihnen, der Sie auf den Arm nehmen wollte. Es handelt sich schlicht und einfach um ein Jux-Telefon.

Möglich ist das mit einer App, die man sich auf sein Smartphone laden kann. Man gibt dort eine Telefonnummer ein und ruft das «Spass-Opfer» so übers Internet an. Je nach dem, was der Angerufene am anderen Ende sagt, kann der Verulker laufend verschiedene Antwortmöglichkeiten anklicken, die App-Stimme – in unserem Fall Hubertus Huber – spricht diese laufend aus. So entsteht ein Gespräch, das ziemlich durcheinander bringen kann.

«Piiiiizza komme später»

Die App hat übrigens auch noch andere Gesprächsthemen auf Lager. Zum Beispiel ein Pizzaiolo, der mitteilt, dass die bestellte Pizza später kommt. Und es gibt auch Anrufe, die sich hart an der Gürtellinie bewegen. Beispielsweise von einem seltsamen Amt, das Ihnen mitteilt, Sie müssten Flüchtlinge bei sich aufnehmen.

Der Anbieter der App – Marc Waesche aus Deutschland – sieht darin kein Problem. Auf Anfrage von «Espresso» schreibt er: «Es ist nicht beabsichtigt, Flüchtlinge zu diskreditieren. Ganz im Gegenteil! Diese Anruf-Szenarien sind dazu geeignet, Vorbehalte beim Angerufenen aufzudecken.»

Jux-Anruf ins Internet stellen gibt Ärger

«Espresso» wollte zudem wissen, ob die angerufenen Nummern gespeichert werden. Marc Waesche schreibt dazu: «Die angerufenen Telefonnummern werden verschlüsselt in einer Datenbank gespeichert. Die Verschlüsselung funktioniert nur in eine Richtung. Die tatsächliche Nummer kann nicht mehr zurückgerechnet werden.» Dies sei nötig, weil Angerufene ihre Nummer sperren können, wenn sie genug von Jux-Anrufen haben.

Man kann die App lustig finden oder nicht. Eins ist auf jeden Fall klar: Fühlt sich jemand belästigt oder gar verletzt und erstattet er Anzeige, dann könnte ein solcher Spass-Anruf gemäss Bundesamt für Kommunikation eine Busse zur Folge haben, wegen Missbrauch einer Fernmeldeanlage. Und es könnte im Extremfall sogar zu einer Gefängnisstrafe kommen. Nämlich dann, wenn diese Anrufe aufgenommen und vielleicht sogar noch im Internet zur Schau gestellt werden. Das wird immer wieder gemacht, ist aber klar verboten. Erlaubt wäre es nur, wenn der Angerufene sein Einverständnis für eine Aufnahme gibt. Aber dann ist der Gag natürlich gelaufen.

Spassanrufe sperren:

Der Anbieter versichert, dass die Nummer nach einem Anruf für 3 Wochen gesperrt ist. Haben Sie trotzdem genug von Telefon-Streichen, dann können Sie folgendes tun: