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Umwelt und Verkehr Nur jedes vierte Schweizer Kursschiff hat einen Partikelfilter

Kreuzfahrtschiffe auf den Weltmeeren fahren zumeist mit dreckigem Schweröl und belasten die Umwelt markant. Doch wie steht es um die Fahrgast-Schiffe auf Schweizer Seen? «Kassensturz» und «Espresso» haben bei 13 Schifffahrts-Gesellschaften auf 14 Schweizer Seen nachgefragt.

Legende: Audio Nur jedes vierte Schweizer Kursschiff hat einen Partikelfilter abspielen. Laufzeit 05:04 Minuten.
05:04 min, aus Espresso vom 23.09.2015.

«Kassensturz» und «Espresso» haben bei 13 Schifffahrts-Gesellschaften nachgefragt. Diese betreiben auf den grösseren 14 Schweizer Seen insgesamt 126 Fahrgast-Schiffe.

Das Resultat: Alle Schiffe fahren mit Diesel als Treibstoff. Jedoch verfügen nur 26 Prozent (34 Schiffe) über einen Partikelfilter zur Reinigung der Diesel-Abgase.Ein Boot – der Solar-Katamaran «MobiCat» auf dem Bielersee – fährt im Kursbetrieb vollkommen mit elektrischer Energie.

Das Nachrüsten mit Filtern ist teuer. Weil oft auch der Platz im Schiffbauch fehlt, nehmen viele Betreiber den Einbau erst mit einer alle paar Jahrzehnte nötigen Neumotorisierung vor.

Viele der Gesellschaften blieben deswegen bis anhin untätig: Keines der Schiffe auf dem Thuner- und Brienzersee (BLS) verfügt über einen Filter. Auf dem Bodensee (SBS Schweizerische Bodensee Schifffahrt) ist es gerade ein einziges. Auf gutem Weg sind jedoch die Schiffe auf dem Vierwaldstättersee und auf Unteresee und Rhein: Dort fährt schon jedes zweite Dieselmotor-Schiff mit Filter.

Sauberer Zürisee

Eine positive Ausnahme bildet die Zürichsee Schifffahrts-Gesellschaft ZSG. Sie hat nach eigenen Angaben in den letzten Jahren 1,4 Millionen Franken investiert, um die ganze Flotte von 17 Dieselmotor-Schiffen mit Partikelfiltern auszurüsten.

Ebenso sauber sind die dort verkehrenden Autofähren: Die Zürisee-Fähre Horgen-Meilen AG hat in den letzten Jahren 1,08 Mio Franken ausgegeben, um in vier der fünf Schifffe Filter einzubauen.

Im Tessin konnten «Kassensturz» und «Espresso» keine Kursschiffe mit Partikelfilter ausmachen: Keines der Luganersee-Schiffe der SNL Società Navigazione del Lago di Lugano besitzt einen Filter. Die italienische Gesellschaft NLM, welche Schiffe auf dem Schweizer Teil das Lago Maggiore betreibt, blieb eine Antwort schuldig. Ebenso keine Antwort erhielt «Espresso» von der Navigation Lacs de Neuchâtel et Morat AG.

Dampfschiffe: Schön, aber ineffizient

18 der Schweizer Kursschiffe sind Dampfschiffe. Sie werden alle mit Heizöl betrieben, das über einen Brenner den Wassertank befeuert, dessen Dampf wiederum die Maschine des Schiffs antreibt. Heizöl ist technisch dasselbe wie Diesel, ausser dass es anders eingefärbt ist und günstiger besteuert wird.

Der Wirkungsgrad ist jedoch sehr klein: Die meiste im Diesel enthaltene Energie verpufft als Wärme in die Umwelt, nur ein sehr kleiner Teil wird durch die Dampfmaschine zu Bewegungsenergie, welche das Schiff antreibt. Das ist umweltbelastend, wird aus Nostalgiegründen jedoch hingenommen. Ein grosses Dampfschiff verbrennt pro Kilometer schnell einmal 15 bis 25 Liter Heizöl.

Platzproblem beim Nachrüsten

Die Herausforderung beim nachträglichen Einbau eines Partikelfilters ist es, einen geeigneten Platz zu finden. Laut Norbert Heeb, Empa-Experte für Abgas-Analytik, ist ein Platz nahe beim Motor ideal, da es dort heiss ist: «Wenn Sie genug Wärme haben, können sie den Russ im Filter stetig abbrennen. Dazu braucht es eine Mindesttemperatur von etwa 500 Grad.» In der Nähe des Motors gibt es zwar die nötige Wärme, aber oft wenig Platz. Schon ein kleiner Filter ist etwa ein Kubikmeter gross.

So sieht es auf Schweizer Seen aus:

Schifffahrtsgesellschaft
Anzahl Schiffe
Treibstoffverbrauch/Jahr
Partikelfilter vorhanden?
ZSG Zürichsee Schifffahrtsgesellschaft
171'500'000 Liter
Ja
SGV Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees
192'200'000 Liter
Bei 8 Schiffen
BLS (Thunersee und Brienzersee)
141'050'000 Liter
Nein
SBS Schweizerische Bodensee Schifffahrtsgesellschaft
91'300'000 Liter
Bei 1 Schiff.
URH Schifffahrt Untersee und Rhein
6275'000 Liter
Bei 2 Schiffen
BSG Bielersee Schifffahrts-Gesellschaft
8240'000 Liter
Bei 1 Schiff (zusützlich 1 Schiff solarbetrieben)
Navigation Lacs de Neuchâtel et Morat AG
9Keine AngabenKeine Angaben
CGN Genfersee-Schifffahrtsgesellschaft164'556'000 Liter
Nein
SNL Società navigazione del lago di Lugano
9Keine AngabenNein
NLM Gestione Governativa Navigazione Laghi Maggiore
5Keine AngabenKeine Angaben
SGG Schifffahrtsgenossenschaft Greifensee
425'000 Liter
Nein
Schifffahrtsgesellschaft Hallwilersee AG
560'000 Liter
Bei 2 Schiffen
Zürichsee-Fähre Horgen-Meilen AG
51'400'000 Liter
Bei 4 Schiffen

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2 Kommentare

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  • Kommentar von K. Pauly, 8804 Au
    Ich bin über 3 Tatsachen enttäuscht: Erstens dass es auf den Schweizer Gewässern immer noch verhältnismässig viele Schiffe gibt ohne Abgasfilter und dass die Behörden dies erlauben. Zweitens dass ausländ. Gesellschaften auf unseren Seen ihre Kursschiffe ohne Filter fahren lassen dürfen und so die CH mitverschmutzen. Und auch hier: wo sind die Behörden? Und Drittens enttäuscht mich, dass ich bis jetzt nur 1 Antwort zu diesem wichtigen Thema gesehen habe. Ist uns die CH wirklich nicht mehr wert??
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  • Kommentar von Verena Studer, Vallamand
    Ich bin Asthmatikerin, diese Krankheit verunmöglicht mir schon seit 20 Jahren einen Ausflug mit dem Schiff zu unternehmen, selbst ganz kurze Distanzen (30 min.) sind unmöglich. Seit 5 Jahren wurden auch Ferien am Meer immer mehr zur Belastung. Ich danke dem Kassensturzteam herzlich, dass Sie diese Sondermüllverbrennung auf hoher See, und wahrscheinlich auch in der Schweiz aufgedeckt haben! V. Studer
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