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Konsum Olivenblätter – der alternative Gerbstoff für Leder

Leder ist ein Naturprodukt mit einem grossen Problem: Beim Gerben mit Chromsalz kann giftiges Schwermetall entstehen. Es gibt nun aber eine Alternative: Gerbstoff aus Olivenblatt-Extrakt.

Heinz-Peter Germann kennt sich mit Ledergerben aus wie kaum ein Zweiter. Der Chemiker leitete das renommierte Lederinstitut Gerberschule Reutlingen (LGR), bis dieses als Folge des Niedergangs der süddeutschen Lederindustrie 2011 geschlossen wurde. Nicht weit vom alten Industriegebäude entfernt ist «Wet-Green» entstanden, ein mit Investorengeld ausgestattetes Start-up mit dem Auftrag, einen neuen Wirkstoff für eine natürliche und umweltfreundliche Ledergerbung zu finden.

Das Kunststück gelang 2006. Zusammen mit Biotechnologen untersuchte Germann das Olivenblatt, dessen Inhaltsstoffe schon für die Kosmetik und als Tee beliebt sind. Es sei fantastisch gewesen, als man ziemlich schnell sah, dass es funktionieren wird, erzählt Germann im Büro seiner Entwicklungsgerberei in Reutlingen.

Drei Männer lächeln in die Kamera.
Legende: Begeistert vom Olivenleder: Thomas Lamparter (Verkaufsleiter), Jürg Hofstetter und Heinz-Peter Germann. SRF

Der Durchbruch lässt auf sich warten

Jürg Hofstetter, Präsident des Schweizerischen Verbands der Ledergrosshändler verfolgt die Entwicklung des heute patentierten und markenrechtlich geschützten Olivenleders seit der ersten Stunde. Er ist begeistert: «Das ist keine Nische, sondern die Zukunft. Es ist nur eine Frage der Zeit.»

Tatsächlich lässt der Durchbruch auf sich warten, was auch Hofstetter überrascht: Die meisten Konsumenten wüssten noch gar nichts von dieser Alternative.

Legende: Video Eine bittere Angelegenheit: «Espresso»-Redaktor Roland Wermelinger degustiert den Gerbstoff aus Olivenblattextrakt. abspielen. Laufzeit 00:25 Minuten.
Aus Kassensturz vom 08.03.2018.

Autositze aus Olivenleder

Mit dem Autohersteller BMW hat zwar ein erster, grosser Abnehmer angebissen. Die Sitze der Elektroauto-Serie werden mit Olivenleder bezogen. Doch gemessen am Potential von geschätzt 40 Prozent des Weltmarkts ist der aktuelle Anteil von 0,05 Prozent äusserst bescheiden.

Die Vermarktung von Olivenleder in der von Chromleder durchtränkten Lederindustrie sei gar nicht so einfach, konstatieren die Lederexperten Germann und Hofstetter. Sie wollen Chromleder auch nicht verteufeln. Hochwertig und sorgfältig produziert, könne man die Risiken nämlich minimieren. Es sei auch etwas wasserfester als Olivenleder. Doch beim Anpreisen des neuen, sauberen Leders komme man kaum darum herum, die Vor- und Nachteile der beiden Gerbstoffe zu erwägen. Und das setzt die Chromledergerber unter Druck.

800 Millionen Olivenbäume

Pflanzliche Alternativen zu Chromsalz gibt es zwar schon, zum Beispiel Baumrinden oder Rhabarber. Diese haben aber gegenüber dem Olivenblatt einen gewaltigen Nachteil. Sie verbrauchen Flächen, müssen geerntet und gefällt werden. Das Olivenblatt jedoch fällt als Abfallprodukt sowieso zu Boden, wenn die Bäume bei der Olivenernte gerüttelt werden. Man braucht sie nur noch aus den ausgelegten Netzen in Säcke abzufüllen, um später wie bei einem Teesud eine Extraktion herzustellen.

800 Millionen Olivenbäume stehen alleine im Mittelmeerraum (Spanien, Italien, Griechenland, Marokko, Tunesien). Für einen Quadratmeter Leder reicht ein Kilogramm Olivenblätter. So ergibt sich das Potential von 40 Prozent am gesamten Weltledermarkt. Bis dahin sei es noch ein weiter Weg, sind sich Heinz-Peter Germann und Jürg Hofstetter bewusst. Doch aufhalten lasse sich das Olivenleder nicht mehr.

2 Kommentare

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