Wer muss den Nachschlüssel bezahlen?

Ich habe mein Auto verkauft. Zu Hause merkte der Käufer, dass der Zweitschlüssel fehlte. Sofort habe ich ihm den Schlüssel geschickt. Jetzt schreibt er, das Couvert sei leer angekommen. Er will einen Nachschlüssel anfertigen lassen, was 250 Franken koste. Muss ich diese Kosten wirklich übernehmen?

Ein Mann steckt einen frankierten Umschlag in einen Briefkasten

Bildlegende: Wichtige Briefe verschickt man besser eingeschrieben. Keystone

Irene Schüpbach verkaufte ihren Wagen übers Internet. Der Käufer holte das Fahrzeug bei ihr ab. Zu Hause angekommen meldete sich der Käufer: Erst jetzt habe er bemerkt, dass der Zweitschlüssel fehle. Irene Schüpbach steckte den Reserveschlüssel in ein Couvert und schickt es ab. Doch wieder meldete sich der Käufer. Das Couvert sei leer angekommen.

Der Empfänger bekommt ein leeres Couvert

Der Suchauftrag bei der Post blieb ergebnislos. Offenbar hat eine Sortiermaschine das Couvert aufgerissen, der Schlüssel jedoch bleibt verschwunden. «Der Käufer will nun selber einen Nachschlüssel anfertigen lassen. Er sagt, ich müsse mit Kosten von 250 Franken rechnen», schreibt Irene Schüpbach und möchte wissen: «Muss ich diese Kosten wirklich bezahlen?»

Irene Schüpbach wird die Kosten für den Nachschlüssel bezahlen müssen. Als Verkäuferin ist sie verpflichtet, dem Käufer den vollständigen Kaufgegenstand zu übergeben. Also das Auto mit allem Zubehör. Und der Zweitschlüssel ist ein solches Zubehör.

Bei eingeschriebenen Sendungen haftet die Post

Nun hat Irene Schüpbach den Schlüssel per Post verschickt. Laut Gesetz muss der Absender die Konsequenzen tragen, wenn ein Brief oder ein Paket nicht ankommt. Aus diesem Grunde ist es ratsam, wichtige Briefe oder Päckli eingeschrieben zu verschicken. Zum einen hat der Absender einen Beweis, dass er die Sendung auch wirklich der Post übergeben hat. Zum anderen muss die Post bis zu einem Betrag von 500 Franken für einen Schaden aufkommen, wenn die Sendung beschädigt oder gar nicht angekommen ist.

Hätte Irene Schüpbach den Schlüssel eingeschrieben verschickt, hätte die Post die Kosten für den Nachschlüssel also übernehmen müssen. Je nach Fahrzeugtyp kostet ein Nachschlüssel zwischen 120 und 350 Franken. Weil bei neueren Autos die Schlüssel programmiert sind, müssen meist gleich sämtliche Schlüssel neu gefertigt werden, wenn einer verloren gegangen ist. Daher die hohen Kosten.

Um sicher zu gehen, kann Irene Schüpbach vom Käufer eine Rechnungskopie für den Nachschlüssel verlangen. Und sie kann den Schaden ihrer Haftpflichtversicherung anmelden – sofern die Kosten höher sind, als der Selbstbehalt.

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