Reisebüro zeigt sich bei Rabatt knausrig

Eurotrek bietet Veloreisen an. Wer TCS-Mitglied ist, erhält fünf Prozent Rabatt. Dass es diesen Rabatt überhaupt gibt, darauf müssen Kunden von sich aus kommen: Die Informationen sind gut versteckt. Und: Wer es erst nach der Buchung merkt, bekommt den Rabatt nicht mehr. «Espresso» meint: zu unrecht.

Das Ehepaar Marty aus Langenthal hat sich einen Traum erfüllt: Mit dem Velo von Porto nach Santiago de Compostela. Sie haben die Reise im Prospekt des Reisebüros Eurotrek entdeckt und per E-Mail Kontakt aufgenommen. Per E-Mail buchte sie die Reise inklusive Flug und Ausrüstung.

Rabatt muss bei der Buchung angegeben werden

Danach klickte sie sich voller Vorfreude durch die Internetseite von Eurotrek. Plötzlich entdeckte sie auf einer Unterseite die Information, dass sie und ihr Mann als TCS-Mitglieder Rabatt zugute hätten. Fünf Prozent auf den Grundpreis der Reise – in ihrem Fall immerhin knapp 90 Franken. Heidi Marty kontaktierte Eurotrek und wurde sofort enttäucht: Man könne den Rabatt nicht mehr gewähren, sie hätte ihn bei der Buchung angeben müssen.

Heidi Marty ist wütend: «Ich finde das kleinlich. Wieso sollte es einen Unterschied machen, ob man das vor, während oder nach der Buchung angibt? TCS Mitglieder sind wir schliesslich seit Jahren.» Eurotrek habe sie auch während der Buchung nie darauf hingewiesen, dass es den Rabatt überhaupt gebe. Erfahren hat sie das erst im Nachhinein im Kleingedruckten.

Der nachträgliche Aufwand ist Eurotrek zu gross

Eurotrek-Geschäftsführer Günther Lämmerer kennt das Problem. Man gewähre den Rabatt seit Jahren, und insbesondere zu Beginn sei es öfters vorgekommen, dass Kunden erst im Nachhinein den Rabatt einforderten. Auf Anfrage des SRF-Konsumentenmagazins «Espresso» erklärt Lämmerer, das habe dazu geführt, dass man das Dossier jeweils erneut bearbeiten und überprüfen habe müssen. Wegen des Aufwands habe man sich dazu entschlossen, nachträgliche Forderungen generell nicht mehr zu akzeptieren.

Zur versteckten Information über den Rabatt sagt Günther Lämmerer, es sei primär Aufgabe des TCS, seine Mitglieder darüber zu informieren. Er räumt aber ein, dass man die Information auf der eigenen Homepage verbessern könnte. Ob das getan wird, lässt Lämmerer noch offen. Man habe mittlerweile nur noch zwei oder drei Fälle im Jahr, wo der Rabatt im Nachhinein verlangt werde.

Preise und Rabatte müssen für Kunden transparent sein

«Espresso»-Rechtsexpertin Gabriela Baumgartner sieht darin einen Verstoss gegen die Preisbekanntgabevorordnung. Demnach müssen Preise transparent und leicht zugänglich sein, das gelte auch für Rabatte. Dies sei bei Eurotrek nicht gegeben, zumal man auch beim Buchungsvorgang nicht darauf hingewiesen werde. Durch eine transparente Information würde man sich auch den Aufwand ersparen, der oft als Grund für eine solch strikte Regelung angeführt wird.

Generell gelte bei Rabatten, dass man sie zugute habe, wenn man die Bedingungen erfülle, so Gabriela Baumgartner weiter. Dazu gehöre, dass man ihn auch im Nachhinein einfordern könne. Dies gelte beim Mitglieder-Rabatt auf Reisen genauso wie bei Rabatt-Gutscheinen beim Einkaufen. Laut Gesetz hätte man theoretisch sogar fünf Jahre Zeit, den Rabatt noch einzufordern.