Schlüsseldienst hat kein Gehör für unzufriedene Kundin

Notfall-Schlüsseldiensten sind bei «Espresso» immer wieder ein Thema. Kunden klagen über hohe und intransparente Preise und fühlen sich in ihrer misslichen Lage ausgenützt. Eine Rentnerin aus Zürich wehrt sich und bietet einem Notfall-Schlüsseldienst die Stirn.

Sie kam gerade von einer Veranstaltung im Kirchgemeindehaus zurück. Doch Lena Wölflinger konnte ihre Wohnungstüre öffnen. Das Schloss war verklemmt. Der Abwart eilte zu Hilfe, doch auch er konnte die Türe nicht öffnen. Er rief einen Schlüssel-Notdienst.

Man komme, hiess es am Telefon, der Einsatz koste aber 480 Franken. Ein stolzer Preis, fand die 88-jährige Lena Wölflinger. Doch was blieb ihr anderes übrig? Um 17.30 Uhr, knapp 10 Minuten nach dem Anruf, stand ein Monteur auf der Schwelle.

Ein neuer Zylinder soll statt 500 plötzlich 1000 Franken kosten

Doch auch der Profi konnte den Schlüssel im Schloss nicht bewegen. Er bohrte das Schloss auf und setzte einen Ersatzzylinder ein. Doch mit diesem Ersatzzylinder benötigte Lena Wölflinger künftig zwei Schlüssel: Einen für ihre Wohnungs- und einen für die Hauseingangstüre.

Das war der Rentnerin zu kompliziert. Sie bat den Monteur, ihr den gleichen Typ Zylinder einzusetzen, wie den bisherigen. Mit dieser Lösung würde sie nur einen Schlüssel für alle Türen brauchen.

«Kein Problem», sagte der Monteur. Doch dafür müsse Lena Wölflinger noch einmal rund 500 bezahlen. Total also 1000 Franken. Damit war Lena Wölflinger nicht einverstanden.

«Verträge sind zu halten»

Sie wandte sich an den Schlüsseldienst und bot an, die 480 Franken zu bezahlen, sofern man ihr einen anderen Zylinder einsetze. Doch dort stiess sie auf taube Ohren. Wenn sie nicht zahle, werde man die Betreibung einleiten.

Gegenüber «Espresso» will der Geschäftsinhaber nur schriftlich Stellung nehmen. Lena Wölflinger habe gewusst, wieviel der Einsatz koste und habe zum Zeichen ihres Einverständnisses eine Auftragsbestätigung unterschrieben.

An einer einvernehmlichen Lösung ist der Schlüsseldienst nicht interessiert. Lena Wöflinger hatte ihm angeboten, 200 Franken für Weg und Arbeit zu bezahlen und ihm den Ersatzzylinder zurück zu geben. Vergebens. Verträge seien zu halten, schreibt der Geschäftsführer des Schlüsseldienstes. Wenn Wölflinger nicht zahle, werde er sie vor Gericht ziehen.

Ein paar hundert Franken für wenige Minuten Arbeit

Schlechte Erfahrungen mit Notfall-Schlüsseldiensten sind bei «Espresso» immer wieder ein Thema. Konsumentinnen und Konsumenten fühlen sich in einer Notlage ausgenützt und reklamieren über die überhöhten und intransparenten Preise.

Tatsächlich verlangen die meisten Notfalldienste aufwandunabhängige Pauschalpreise. Für Anfahrt, einen einfachen Ersatzzylinder und die Arbeit am Schloss, die meist nur wenige Minuten dauert, müssen Kunden zwischen 500 und 800 Franken hinblättern. Oder noch mehr.

Wie Recherchen von «Espresso» zeigen, kostet ein einfacher Zylinder jedoch zwischen 120 und 180 Franken, die teurere Variante zwischen 170 und 150 Franken. Hätte Lena Wölflinger nicht einen Notfall, sondern einen «gewöhnlichen» Schlüsseldienst gerufen, hätte sie für Weg, Arbeit und Zylinder mit Gesamtkosten um die 250 Franken rechnen müssen, zuzüglich einem Notfallzuschlag von zirka 100 Franken.

Wer bis zum nächsten Tag wartet, fährt billiger

Aber: Viele Schlüsseldienste bieten keinen Notfalldienst an. Sie überlassen dieses offenbar lukrative Geschäft anderen. Deshalb: Bei Schlüsseldiensten wenn immer möglich detaillierte Preise verlangen und vergleichen. Wer eine Nacht bei Bekannten unterkommen kann und erst am nächsten Tag eine Schlüsselfirma in der Gegend anruft, fährt in jedem Fall um Einiges günstiger und wird erst noch besser beraten.

Auf keinen Fall den erstbesten Schlüsseldienst aus dem Internet anrufen. Die Chance ist gross, dass es sich um einen dieser teuren Notfalldienste handelt. Das weiss jetzt auch Lena Wölflingers Hauswart. Er hat ja den Schlüsseldienst aufgeboten.

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