Getränke in Pet-Flaschen sollten nicht an der Sonne stehen

Vor Lebensmittelläden stehen oft Getränke in Pet-Flaschen. Bei Sonnenschein sind die Flaschen Hitze und Sonnenstrahlen ungeschützt ausgesetzt. «Gehen da nicht unerwünschte Substanzen vom Pet in die Getränke über?», fragt sich ein Zuhörer. «Espresso Aha!» kennt die Antwort.

Pet-Flaschen in der gleissenden Sonne: Das kann nicht gut sein, denkt sich Michael Schmid und stellt die Frage an Espresso, ob denn durch Hitze und UV-Strahlung nicht schädliche Stoffe im Cola, Sinalco und Mineralwasser landen.

Grundsätzlich beschleunigen Hitze und UV-Strahlung chemische Prozesse und die Zersetzung von Materialien. Es ist also naheliegend, dass Substanzen vom Pet rascher und in grösseren Mengen ins Getränk übergehen.

Aldehyde lösen sich

Frank Welle vom deutschen Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung hat schon Studien zu diesem Thema veröffentlicht. «Im Fall von Pet ist nicht die Hitze das Problem, aber die UV-Strahlung begünstig die Migration von Substanzen ins Getränk.»

Vor allem seien es Aldehyde, die sich ins Getränk lösten, sagt Welle. «Das kann zu einem Kunststoff-Geschmack führen.» Wenn man in der Badi schon nur ein Tuch über die Flasche lege, passiere das nicht.

Mineralwasser könne durch ein bestimmtes Aldehyd, Acetaldehyd, auch ein fruchtiges Aroma annehmen. Naturgemäss sind Fehlaromen bei Süssgetränken weniger störend, weil sie in den kräftigeren Cola-, Zitronen- oder Orangenaromen verschwinden.

Diese Stoffe seien zwar völlig unbedenklich, sagt Frank Welle. Dennoch findet er es unverständlich, wenn Läden Pet-Flaschen an der Sonne herumstehen lassen: «Deswegen Fehlaromen in Kauf zu nehmen, ist ein totaler Schwachsinn.»

Das klingt harmlos, und doch: winzige Teilchen, die von der Verpackung ins Cola oder Mineralwasser wandern? Das ist keine angenehme Vorstellung. Die ausgeschriebene Bezeichnung, «Polyethylen-tere-phthalat», legt nahe, dass im Pet nicht nur harmlose Substanzen stecken. Denn einige Phthalate sind dafür berüchtigt, dass sie wie Hormone wirken.

Das deutsche Bundesinstitut für Risikoforschung, eine Instanz für die Bewertung von schädlichen Stoffen, winkt ab. Karla Pfaff sagt gegenüber Espresso, dass trotz der Bezeichnung gar keine Phthalate enthalten seien.

Auch die Empa hat sich damit beschäftigt, ob für die Gesundheit kritische Stoffe von Pet-Flaschen in darin abgefülltes Wasser wandern. Der Grund dafür: Die eidgenössischen Forschungsinstitute Eawag und Empa hatten entdeckt, dass sich verschmutzes Wasser einfach entkeimen lässt, indem man es in Pet-Flaschen abgefüllt sechs Stunden an der Sonne liegen lässt. Das Projekt Sodis hilft so auf einfache Weise, in Entwicklungsländern Erkrankungen zu vermeiden (SRF-Report «Hoffnung aus der Pet-Flasche: Simple Methode rettet Leben»). Zuerst mussten aber Bedenken ausgeräumt werden, dass das Wasser durch Substanzen aus dem Pet verschmutzt werden könnte. Der mittlerweile pensionierte Toxikologe Peter Schmid hat an diesen Analysen mitgearbeitet.

Er sagt, man habe Weichmachern – auch gesundheitlich bedenkliche – im untersuchten Wasser gefunden. Es handle sich aber um geringste Spuren. Diese Phthalate stammten aber nicht aus den Pet-Flaschen. Laut Peter Schmid werden weltweit 4,3 Millionen Tonnen Phthalate pro Jahr hergestellt und für Materialen wie PVC eingesetzt.

Weil Phthalate sich aus vielen Kunststoffen einfach auswaschen, kommen Spuren davon überall in der Umwelt vor, auch im Leitungswasser und sogar in der Luft.

Fazit: Für die Gesundheit macht es keinen Unterschied, ob Pet-Flaschen an der Sonne stehen. Für die Qualität der Getränke hingegen schon, und auch wenn die Mengen der herausgelösten Substanzen verschwindend ist, sollten Hersteller, Abfüller und Detaillisten dafür sorgen, dass die Bestandteile des Pet auch wirklich in der Flasche bleiben.

«Espresso Aha!»

«Espresso Aha!»

Jeden Montag beantwortet «Espresso» in der Rubrik «Aha!» eine Frage aus dem Publikum. Haben auch Sie eine? Stellen Sie sie!

Phthalate sind überall

Weltweit werden pro Jahr 4,3 Millionen Tonnen Phthalte hergestellt, davon 2 Millionen Tonnen DEHP. DEHP ist hormonaktiv und sollte eigentlich gemieden werden. Weil sich Phthalte in Kunststoffen nicht binden, werden sie leicht ausgewaschen und landen so in der Umwelt. Deswegen können sie im Boden, im Wasser und in der Luft nachgewiesen werden.

Antimon

Getränke in Pet-Flaschen können neben Phthalaten (Weichmachern) Spuren von Antimon enthalten. Auch Antimon wirkt ähnlich wie Hormone. Karla Pfaff vom deutschen Bundesinstitut für Risikoforschung stellt klar, dass die Mengen so gering sind, dass sie die Gesundheit nicht tangieren können. Antimon wird in der Produktion von Pet verwendet.