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Services Missstände in Altersheimen: Das können Sie tun

Der Experten-Chat und die vielen Publikumsreaktionen zeigen: In vielen Alters- und Pflegeheimen läuft es nicht rund. Unter anderem meldeten sich viele Pflegepersonen, die auf Missstände aufmerksam machen wollten. «Espresso» hat mit dem Experten Albert Wettstein das Wichtigste zusammengefasst.

Zwei Pflegerinnen beziehen ein Bett, im Vordergrund steht ein Rollstuhl
Legende: Auch das Pflegepersonal stellte im Chat viele Fragen. Keystone

«Kassensturz» und «Espresso» haben darüber berichtet: Viele Heimbewohner werden schlecht betreut, ihr Alltag ist schier unerträglich. Dass es nicht läuft wie es sollte, zeigten auch die vielen Fragen im Expertenchat und die Reaktionen im Internetforum.

«Espresso» hat mit Albert Wettstein, Alt-Stadtarzt und Leiter der Unabhängigen Beschwerdestelle für das Alter UBA, die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Expertenchat  zusammengefasst.

Auffallend ist, dass sich viele Pflegende gemeldet haben. Sie berichteten, dass in ihrem Heim ebenfalls Missstände herrschen und sie dies auch den Vorgesetzten gemeldet hätten. Doch es passiert nichts.

Albert Wettstein, was raten in einem solchen Fall?

Porträt von Albert Wettstein
Legende: Experte Albert Wettstein beantwortete im Chat die Fragen rund ums Thema Altersheim. zvg

Wenn die internen Wege nichts bringen, dann muss man einen externen Weg suchen. In gewissen Kantonen wurden spezielle Ombudsstellen eingerichtet. Andere Kantone haben die Unabhängige Beschwerdestelle für das Alter, wo die Fälle von Fachleuten mit jahrzehnte langer Erfahrung bearbeitet werden. Die Beschwerdestelle klärt den Fall ab und versucht zu vermitteln, sodass eine einvernehmliche Lösung gefunden werden kann.

Sind Sie überrascht, dass viele Reaktionen aus dem Bereich des Pflegepersonals kamen?

Nein, denn in der Pflege ist die Hierarchie zum Teil sehr stark. Wenn nun jemand aus der unteren Hierarchie-Stufe eine gute Idee hat, wird diese oft nicht wahrgenommen. Das ist allerdings nicht sachdienlich und wir sind sehr froh, wenn das Pflegepersonal sich bei der UBA meldet und auf Missstände aufmerksam macht.

Ein anderes Problem: Angehörige, die das Gespräch mit der Pflege- oder Heimleitung suchen, beissen oft auf Granit und fühlen sich nicht ernst genommen. Was raten Sie in einem solchen Fall?

Auch hier ist das Vorgehen gleich: Hat die Pflegeleitung kein Gehör für die Anliegen, so sollte man sich an die Heimleitung oder an den Stiftungsrat wenden. Bringt auch das nichts, dann hilft die UBA oder in gewissen Kantonen die Ombudsstelle weiter.

Gute Heime wissen, wie wichtig die Zusammenarbeit mit den Angehörigen ist. Das spart unter anderem auch Arbeitszeit ein. Angehörige übernehme Teile der Arbeit und steigern die Qualität massiv, wenn sie in den Heimalltag eingebettet werden. Das Dreieck Patient-Personal-Angehörige ist am wirkungsvollsten, wenn die Zusammenarbeit harmoniert. Eine solche Win-Win-Win-Situation zu erarbeiten, ist das Ziel der UBA.

Angehörige sind oft in einem Konflikt: Wie weit soll man gehen, wenn man etwas zu beanstanden hat? Unter Umständen riskiert man, dass der Patient noch schlechter behandelt wird. Ist diese Angst berechtigt?

Diese Angst ist eher nicht real. Das Heim ist interessiert daran, dass seine Patienten so gut wie möglich betreut werden. Aber es arbeiten Menschen dort. Deshalb ist eine unabhängige Beschwerdestelle sinnvoll. Sie weiss, wie ein Heim tickt und kann mit einer Mediation einen Ausgleich herbeiführen.

Alle Fragen aus dem Experten-Chat zum Thema Alters- und Pflegeheim finden Sie in diesem Chat-Protokoll, Link öffnet in einem neuen Fenster.

6 Kommentare

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  • Kommentar von Denise Casagrande (begulide)
    "Das Pferd nicht von hinten aufzäunen"! Diese Missstände im "gesamte Gesundheits-Un-Wesen" der Schweiz, muss endlich "ausgemistet und aufgeräumt" werden!! Angefangen bei der BAG-Leitung, welche sich "nicht" für das Wohl der Bevölkerung einsetzt und kräftig mitmischt und das seit Jahren bei der ""Ausbeutung" des CH Volkes!! Die Frage ist: wer ist prädestiniert und mit dem nötigen "Rückgrat" ausstaffiert, um da für Recht und Ordnung zu sorgen???
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  • Kommentar von Beate Horn (Beate Horn)
    Ich bin seit 1991 auf der Pflege meine Ausbildung zur Betagtenbegreuerin war 1994 damals wurden wir anerkannt, jedoch unser EFZ wurde nicht neu ausgestellt. Meine Weiterbildungen Behandlungspflege H+ mit Fähigkeitsnachweis hat mich auch nicht weitergebracht. Ich denke man sollte die bestehenden Pflege Ressourcen nutzen. Auch mit dem Blick auf unsere Generation.
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  • Kommentar von the nurse, zürich
    Ich arbeite seit gut 11 Jahren in der Langzeitpflege sowie Sterbebegleitung und vertrete stark die Meinung dass man sich als Pflegende Fachperson unbedingt für die Bewohner, Klienten und Patienten einsetzen muss. Es ist sehr traurig mitanzusehen, wie häufig doch Wünsche untergehen nur weil das Personal zu knapp sei, dies ist jedoch nicht immer der Fall. Es gibt auch sehr viele Pflegende die Ihre Arbeit nicht mehr aus Freude sondern aus reiner Routine machen und dabei passieren sehr viele Fehler.
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