Schulden? So finden Sie die richtige Hilfe

Viele Schuldensanierer versprechen das Blaue vom Himmel. Doch statt die Finanzprobleme aus der Welt zu schaffen, treiben Sie den Ratsuchenden noch weiter in die Bredouille. Wie erkenne ich einen seriösen Schuldenberater? Mario Roncoroni von der Schuldenberatung Bern sagt, worauf Sie achten sollten.

Ein Mann zeigt seine leeren Hosentaschen

Bildlegende: Bei leeren Hosentaschen kann eine seriöse Beratungsstelle helfen. Colourbox

«Wir lösen Ihre Finanzprobleme – einfach und unkompliziert». Das versprechen unzählige Inserate in Zeitungen und im Internet. Wer von Geldsorgen geplagt wird, sieht oft nur noch diesen Ausweg und begibt sich vertrauensvoll in die Hände eines solchen Schuldensanierers. Doch: Nicht selten stecken dahinter schwarze Schafe, die den Hilfesuchenden gnadenlos ausnehmen und ihn noch weiter in die Schuldenfalle treiben.

Mario Roncoroni sitzt an einem Tisch, daneben steht ein Ordner mit der Aufschrift «Schulden-ABC»

Bildlegende: Mario Roncoroni von der Schuldenberatung Bern. zvg

Mario Roncoroni, wie erkenne ich denn einen seriösen Schuldenberater, der mir wirklich hilft, meine Geldsorgen loszuwerden?

Wer den Ratsuchenden eine sorgenfreie Sanierungszeit verspricht – zum Beispiel mit der Aussage «nur noch eine kleine Rate» – ist mit Sicherheit nicht glaubwürdig. Der seriöse Sanierer bringt den überschuldeten Haushalt dazu, sein Konsumverhalten zu überprüfen, denn ohne Budgetgleichgewicht gibt es keine Sanierung.

Wie geht ein glaubwürdiger Schuldenberater konkret vor?

Eine seriöse Beratungsstelle prüft als erstes, ob es dringende Schulden gibt – etwa ausstehende Wohnungsmieten – und ob die Steuererklärung eingereicht ist. Ist sie das nicht, wird das Steueramt nämlich nicht zu einer Zusammenarbeit bereit sein. Ausserdem fordert die Beratungsstelle die Gläubiger auf, für drei bis sechs Monate auf Inkassomassnahmen zu verzichten.

Dann diskutiert der Berater zusammen mit dem Ratsuchenden das Haushaltsbudget und erarbeitet Verbesserungsmöglichkeiten. So findet man heraus, wie hoch die Leistungsfähigkeit des überschuldeten Haushalts ist. Ist sie hoch genug, wird die Beratungsstelle den Gläubigern eine Sanierungsofferte unterbreiten. Das Ziel: Der überschuldete Haushalt soll nach etwa 36 Monaten schuldenfrei sein. Meist ist es so, dass die Gläubiger auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten müssen.

Welche Fragen sollte ein Ratsuchender unbedingt klären, bevor er einen Sanierungsvertrag unterschreibt?

Wichtig ist, dass man sich folgende Fragen stellt:

  • Sind die Probleme, welche zur Überschuldung geführt haben, gelöst?
  • Interessiert sich der Sanierer überhaupt dafür?
  • Hat er mein Haushaltsbudget analysiert und mit mir Verbesserungsmöglichkeiten abgeklärt?
  • Will er die Gläubiger davon überzeugen, dass sie ihre Forderungen auf ein Mass reduzieren sollen, welches meiner Leistungsfähigkeit entspricht?
  • Schlägt er eine Lösung vor, bei der ich nach 36 Monaten schuldenfrei bin?
  • Hat der Sanierer die verschiedenen Sanierungs-Alternativen (Privatkonkurs, Weiterleben mit Schulden, Anmeldung bei der Sozialhilfe) mit mir besprochen? Oder will er um jeden Preis in die Sanierung einsteigen?

Wessen muss sich ein Ratsuchender bewusst sein, wenn er eine Schuldenberatung beauftragt?

Die seriösen Beratungsstellen sind überlastet. Haben Sie Geduld und machen Sie mehrere Anläufe. Schaffen Sie schon vor der Beratung möglichst Ordnung: Gewinnen Sie einen Überblick über Ihre Schulden und legen Sie Verträge, Rechnungen und Mahnungen in einem Ordner ab. Und beseitigen Sie wenn irgendwie möglich die ersten Schuldenverursacher: Bezahlen Sie ausstehende Wohnungsmieten, geben Sie das Auto an die Leasinggesellschaft zurück, wenn Sie auch ohne arbeiten gehen können, usw.

Video «Studiogespräch mit Mario Roncoroni von der Berner Schuldenberatung» abspielen

Studiogespräch mit Mario Roncoroni von der Berner Schuldenbera...

6:59 min, aus Kassensturz vom 20.8.2013