Käsefondues im Test: Nicht alle machen gute Laune

Fertigmischungen bringen das Schweizer Nationalgericht innert weniger Minuten auf den Tisch. «Kassensturz» hat die meistverkauften Moitié-Moitié-Fondue degustieren lassen. Viele Produkte waren etwas «arm an Käsearomen», zu «sauer». Keines war für die ganze Jury herausragend

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Käsefondues im Test: Nicht alle machen gute Laune

9:07 min, aus Kassensturz vom 16.2.2016

Einen ausgereiften, würzigen Gruyère-Käse, etwa eineinhalb Jahre alt, einen Fribourger Vacherin aus Rohmilch, etwa halbjährig: das gebe ein perfektes cremiges und würziges Moitié-Moitié-Fondue, sind Käsekenner überzeugt. Eine fünfköpfige Jury hat für «Kassensturz» zehn Moitié-Moitié-Fondues blind degustiert und benotet.

In der Degustation waren vier Moitié-Moitié-Käsemischungen und sechs fixfertige Fondues. Drei der fixfertigen Fondues waren frisch, aus dem Kühlregal.

Fixfertig-Fondue erhält die besten Noten

Die Degustation hat einige, teilweise überraschende Erkenntnisse hervorgebracht:

  • Fixfertige Produkte sind nicht per se schlechter als die Käsemischungen, die man noch selber anrichten muss.
  • Am besten hat den Testern ein fixfertiges Produkt geschmeckt: Das Frischfondue von der Migros. Auf Rang zwei landete die Käsemischung Le Petit Producteur aus dem Globus.
  • Der Klassiker unten den fixfertigen Fondues, das von Gerber, erhielt von den Juroren keine genügende Note.

Fixfertige Fondues, die nicht gekühlt werden müssen, enthalten E-Stoffe. Deshalb haben fixfertige Fondues aus dem Kühlregal für Sensoriker und Degustations-Leiter Patrick Zbinden Vorteile: «Heutzutage findet man sehr viele Fertigfondues, die ohne Stabilisatoren und anderen Zusatzstoffen auskommen.»

Fixe Zubereitung

Alle Moitié-Moitié-Fondues in der Degustation wurden präzis nach Herstellerangaben zubereitet. Die fixfertigen Fondues wurden einfach aufgekocht und gerührt. Die Käsemischungen benötigten auch nicht viel mehr: Weisswein ins Caquelon, gehackten Knoblauch, Maizena, die Käsemischung. Alles aufkochen und rühren.

Entscheidend für die Gesamtnote waren die Kriterien: Aussehen, Geruch, Geschmack und Aroma sowie die Konsistenz, wobei der Geschmack am stärksten bewertet wurde.

Reifer Käse

Der Tenor der Juroren zu allen Produkten in der Degustation: Zu sauer, zu wenig Käsegeschmack, zu zäh. Keines war für die ganze Jury herausragend. Am überzeugendsten war das fixfertige Frischfondue Moitié-Moitié von der Migros. Gesamtnote 4,7.

Die Aromen waren «schön würzig», die Jury spürte den «reifen Käse» drin, «die Konsistenz war gut, und es blieb bis zum Schluss auch schön cremig.»

Ein ähnliches Resultat erzielte die frische Käsemischung Moitié-Moitié d’Alpage von «le Petit Producteur» eingekauft bei Globus. Mit 5 Franken 70 pro hundert Gramm das teuerste Produkt im Vergleich: Gesamtnote 4,6: Optimal war laut Jury die Balance dieses Fondues.

Bio-Fondues gleich gut

Das fixfertige und frische Gletscher-Fondue der Sennerei Pontresina ist laut Jury «cremig und mild», und erhält die Gesamtnote 4,1.

Die genügende Gesamtnote 4 erteilt die Jury gleich beiden Moitié-Moitié-Bio-Produkten in der Degustation: Den frischen Käsemischungen Naturaplan von Coop und dem Migros-Bio-Fondue. «Zu säurelastig, aber schön cremig» sagte die Jury zum Coop-Fondue. Das Moitié-moitié der Migros habe «eine gute Konsistenz, sei aber fad im Geschmack.»

Knapp ungenügend mit der Gesamtnote 3,9: Das fixfertige Gerberfondue. «Die feinen Gruyère-Note waren gar nicht da», kritisierte die Jury.

Geschmack nach «Schachtelkäsli»

Gleich drei Produkte erreichen die Gesamtnote 3,8: das fixfertige Moitié-Moitié-Fondue von Denner. Mit 1 Franken 40 pro hundert Gramm das günstigste Produkt in der Degustation. Dieses schmeckte der Jury zu sehr nach «Schachtelkäsli». Die gleiche Gesamtnote erzielt Betty Bossi - fixfertig und frisch - von Coop. «Die Säure sei zu dominant», befand die Jury und das Fondue «arm an Käsearomen».

Auch das Fondue Moléson, eine frische Käsemischung, eingekauft bei Manor, erreicht die Note 3,8. Für die Jury hatte das Fondue «zu wenig Käsegeschmack» und war zu «dickflüssig».

Am schlechtesten abgeschnitten in der Degustation mit der Gesamtnote 3,6: hat das Fondue Swiss Style fixfertig von der Migros. Das Verdikt der Jury: «Es hatte keinen Biss, ich habe nicht gemerkt, dass das Käse ist.»

Die Jury

  • Marlies Gwerder: Käse-Sommelière aus der Dorfmolkerei Gwerder & Partner in Muotathal im Kanton Schwyz.
  • Fredy Bieri: Geschäftsführer von Natürli aus dem Zürcher Oberland.
  • Diana Hartig Hugelshofer: Sensorik-Professorin in der Abteilung Foodsience & Management an der Fachhochschule Zollikofen im Kanton Bern.
  • Maya Hungerbühler: Sommelière, vom Chästrückli im St.Gallischen Dietfurth.
  • Rolf Beeler: Käseproduzent und Maitre Fromager aus Mellingen im Kanton Aargau.

Stellungnahmen

Fünf Moitié-Moitié-Fondues haben ungenügend abgeschnitten. Die verschiedenen Hersteller sagen alle: In ihren eigenen Degustationen hätten die Produkte gut abgeschnitten, auch habe es kaum Reklamationen gegeben. Coop und Emmi, der Produzent des Gerber-Fondues, schreiben «Kassensturz» ausserdem Gruyère- und Vacherin-Käse seien Naturprodukte. Dies könne zu Schwankungen im Geschmack führen. Einige Produzenten kritisierten, dass «Kassensturz» fixfertige Fondues mit Käsemischungen verglichen habe.

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