Kaffee zum Mitnehmen: Starbucks und Co. im Test

Für Hundertausende geht’s nicht ohne: Der Kaffee im Becher zum Mitnehmen. «Kassensturz» hat die Kaffeequalität von Starbucks, McCafé, Spettacolo und Co. getestet. Bitteres Ergebnis: Nur ein Cappuccino konnte die Expertenjury überzeugen.

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26.03.13: Kaffee zum Mitnehmen: Starbucks und Co. im Test

12 min, aus Kassensturz vom 26.3.2013

Der Zürcher Bahnhof ist wohl die grösste Kaffeebar der Schweiz. Jeden Tag strömen 350 000 Pendlerinnen und Pendler durch die grossen Bahnhofshallen. Rege genutzt werden dabei die 45 Kaffee-Bars: Bis zu 18 000 Kaffeebecher gehen über die Tresen – pro Tag! «Kassensturz» wollte wissen, welcher Cappuccino zum Mitnehmen am besten schmeckt und testete die neun meistverkauften Produkte in Bahnhofsnähe. Alle getesteten Cappuccini sind landesweit in gleicher Qualität erhältlich, versprechen die Hersteller.

«Die grösste Gefahr bei der Herstellung eines Cappuccino ist zu heiss geschäumte Milch. Sie gibt dem Getränk eine unangenehm verbrannte Note», erklärt Jury-Mitglied Barbara Held. Das Aussehen, der Geruch und die Konsistenz des Milchschaums ist denn auch eines von 6 wichtigen Kriterien beim Cappuccino-Test. Im Weiteren prüft die Jury das Kaffee-Milch-Aroma in Nase und Mund: «Der Espresso spielt beim Cappuccino die Hauptrolle. Er sollte im Aroma klar zu erkennen sein, und zusammen mit der Milch in Nase und Mund ein ausgewogenes Erlebnis von Bitterkeit, Süsse und Säure entfalten», umschreibt Juror Shem Leupin die Magie eines Cappuccinos.

Grosse Unterschiede – bei Geschmack und Menge

«Kassensturz»-Testleiter Rolf Muntwyler kaufte jeweils vier Cappuccini bei verschiedenen Anbietern ein. Er verhüllte die Produktenamen, um die Jury – drei ausgewiesene Kaffee-Experten – in ihrem Urteil nicht durch die Herstellernamen zu beeinflussen. Der vierte Cappuccino diente der Temperaturmessung fünf Minuten nach dem Kauf. Mindestens so lange sollte der Cappuccino im Becher seine Idealtemperatur von 60 Grad halten: Nur der Cappuccino aus dem SBB-Bistrowagen verpasste diese Vorgabe deutlich (50 °C).

Nicht nur in Aussehen, Geruch und Geschmack unterscheiden sich die Becher, sondern auch bei der Abfüllmenge: Diese variiert von 1,3 bis zu 3,4 Deziliter. «Kassensturz» hat den Preis aller getesteten Kaffees auf zwei Deziliter umgerechnet.

Klarer Verlierer: Cappuccino aus dem SBB-Bistro

Am wenigsten überzeugt hat der Cappuccino aus dem SBB-Bistrowagen. Für den teuersten im Test (3.69 Franken für 200 ml) gibt es die schlechteste Note: 2,7. «Dieser Capuccio ist sehr wässrig, schmeckt kaum nach Kaffee und auch die Milch ist nicht existent – wohl eher braunes Wasser als Cappuccino», lautet das harte Urteil der Jury. Das gelte aber explizit nur für den Cappuccino im Bistrowagen der SBB, nicht für jenen im Speisewagen. Dort seien andere Kaffeemaschinen im Einsatz, betont SBB-Sprecher Stephan Wehrle, und kündigt eine Überprüfung des Bistro-Cappuccinos an.

Ungenügende Noten auch für den Cappuccino von K-Kiosk: Ganz wenig Schaum, wässrig und unangenehm im Nachgang. Note: 3,0. Der getestete Cappucino sei mit Milch aus Milchpulver produziert worden, schreibt Kiosk-Besitzerin Valora und kündigt die Umrüstung der Kaffee-Maschinen auf Frischmilch an. Kaum besser schneiden Burger-King - zu wässrig - und Spettacolo - zu milchig - ab. Auch Spettacolo gehört zum Valora-Konzern: Man wolle die aktuelle Rezeptur überarbeiten und die Mitarbeiterschulung verbessern, schreibt Valora. Bei Segafredo fällt vor allem der Geruch nach verbrannter Milch negativ auf, der Kaffee ist aber ok. Note: 3,8.

Fast alle Kaffees mit Zertifikat

Immerhin: Fast alle Hersteller im Test arbeiten mit Kaffeebohnen aus zertifiziertem Anbau und Handel (Fairtrade, Utz, Rainforest-Alliance). Einzige Ausnahme bilden der SBB-Bistrowagen, Segafredo und Spettacolo, eine Tochter des Valora-Konzerns. 7 der 9 getesteten Hersteller verwenden für ihre Cappuccini zudem Vollmilch. Bei Burger King und K-Kiosk kommt Milchpulver zum Einsatz.

Beim Kaffeepulver gegeizt

In Geschmack, Aussehen und Geruch genügend sind diese Cappuccini: Jener von McCafé fällt nicht auf – «trinken und vergessen», meint die Jury dazu: Note 4. Bei Starbucks ist das Milcharoma zu dominant. Zudem zerfällt der Schaum zu schnell, da zu heiss gedämpft. Note: 4,1. Mit 1.38 Franken für 200 ml der günstigste Cappuccino im Test kommt von der deutschen Kaffee-Kette Tchibo. Im Test überzeugt er mit seinem ausgewogenen Kaffee-Milch-Verhältnis. Die Jury macht aber einen leicht ranzigen Geschmack aus. «Die Maschine sollte öfters geputzt werden», lautet hier der Ratschlag der Jury. Note: 4,2.

Kein einziges Produkt hat die Jury wirklich überzeugt. Dabei wäre es für die Hersteller ein leichtes, ihre Produkte besser zu machen, meint Jury-Mitglied Michael Henauer: «Mit simplen Massnahmen wie etwa den Milchschaum weniger heiss zu dämpfen und mehr Kaffeepulver für die Herstellung des Espressos würden diese Produkte in Aroma und Geruch stark gewinnen.»

Der beste Cappuccino im Test stammt aus der Kaffeemaschine von Migrolino. Der zweitgünstigste Capuccino im Test (1.62 Franken für 200ml) erhält Note 4,7 und schrammt damit ganz knapp an der Bewertung «gut» vorbei. «Dieser Cappuccino ist sehr cremig, in Geschmack und Aroma ausbalanciert. Aber ihm würde etwas mehr Kaffeepulver gut tun», lautet das Verdikt der Jury.

Die Jury:

Die Test-Jury degustiert Coffee to go im Hauptbahnhof Zürich

Bildlegende: Die Test-Jury kostet den «Coffee to go» im Hauptbahnhof Zürich. SRF

Drei ausgewiesene Kaffee-Experten rochen, schmeckten und schauten im Auftrag von «Kassensturz» den Cappuccini unter das Milchhäubchen:

Barbara Held befasst sich beruflich seit 10 Jahren mit Kaffee, ist Jurymitglied an nationalen und internationalen Kaffee-Wettbewerben (mit und ohne Milch) der «Speciality Coffee Association of Europe SCAE». Sie arbeitet als Leiterin Qualitätssicherung bei Blaser Café AG.

Philippe Henauer ist ausgezeichnet mit dem begehrten Coffee-Diploma – weltweit gibt es nur 45 Kaffee-Experten mit diesem Diplom. Er ist Geschäftsführer von Henauer Kaffee und ebenfalls SCAE-Jurymitglied.

Shem Leupin hat an der Barista-Schweizermeisterschaft 2013 (SCAE) die Goldmedaille gewonnen. Derzeit ist er bei der Zürcher Rösterei Stoll Kaffee tätig.

Coffee-to-go: Vorbereitung

Coffee-to-go: Vorbereitung

«Espresso» blickte hinter die Kulissen einer Café-Bar (zum Beitrag)

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Kaffee ist Geschmacksache – nicht aber der Abfallberg, den die rund 18 000 Karton- und Kunststoff-Becher pro Tag allein im Bahnhof Zürich verursachen. Deshalb an alle Liebhaber von To-go-Kaffee: Greift zu Refill-Bechern!