Auch günstige Mikrofasertücher reinigen gut

Mikrofaser-Putztücher versprechen «perfekte Sauberkeit» und werben damit, Schmutz mühelos zu entfernen. Die Preisunterschiede sind massiv. Ein Labor hat zehn der meistverkauften Produkte getestet. «Kassensturz» sagt, wie die Mikrofasertücher funktionieren und ob auch günstige gut reinigen.

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Mikrofasertücher im Test: Wie gut reinigen sie wirklich?

7:17 min, aus Kassensturz vom 29.10.2013

Mikrofaser-Tücher reinigen ohne Einsatz von umweltschädlichen Putzmitteln – mit Wasser befeuchten:fertig! Was verbirgt sich hinter dem Geheimnis der vermeintlichen Wundertücher?

«Ein Mikrofasertuch besteht aus zwei unterschiedlichen Fasern, beide feiner als ein menschliches Haar», erklärt Marcel Halbeisen, Textilforscher an der Eidgenössischen Forschungsanstalt EMPA.

Microfasern unter dem Elektronenmikroskop.

Bildlegende: Microfasern unter dem Elektronenmikroskop. SRF

Die eine Faser sei sehr scharfkantig und entferne den Schmutz, die andere weich und könne dadurch den Schmutz aufnehmen.

Das sei ganz ähnlich wie bei einem Abwaschschwamm, sagt der Wissenschafter: «Auf der einen Seite die rauhe Fläche, die den Schmutz entfernt, auf der anderen Seite der weiche Teil, der den Schmutz aufnimmt.» Allerdings sei ein Mikrofasertuch um einiges effizienter als ein herkömmlicher Schwamm.

«Kassensturz» und die Konsumentenschutz-Organisation FRC lassen 10 Produkte aus dem Detailhandel testen: Wie gut reinigen die Tücher Glas? Wie gut Kunststofflaminat? Und wie schnell trocknen die Mikrofasertücher?

Im spezialisierten Labor CTTN bei Lyon präparieren Sandra Grucker und Testleiter Fabrice Rimbault zunächst Glasscheiben mit normiertem Schmutz: «Unsere Schmutzlösung besteht aus tierischem Fett, pflanzlichem Oel, verschiedenen Pigmenten um der Lösung Konsistenz zu geben. Und mit Kohlestaub imitieren wir zudem die Luftverschmutzung», so Testleiter Fabrice Rimbault.

Nicht alle putzen Glasrein

Von jedem Mikrofasertuch spannt der Testleiter Einzelstücke in eine speziell dafür konzipierte Maschine. Sie reinigt alle präparierten Scheiben exakt gleich – zuerst feucht, danach trocken. Jedes Tuch wird fünf Mal getestet.

Fabrice Rimbault beurteilt das Resultat zusammen mit vier weiteren Experten von Auge und misst mit einem Reflektometer die Brillanz des Glases.

Nicht alle Tücher bringen ein glasklares Ergebnis: Am wenigsten überzeugt das Microfasertuch 2 in 1 von Vileda. Auf Glas hinterlässt das Tuch Schlieren, dafür überzeugt es auf Laminat. Note insgesamt: 4,5.

Test-Apparatur

Bildlegende: Die Testmaschine. SRF

Im CTTN-Labor erzielen die Tücher auf Glas die besseren Resultate als auf Kunststofflaminat. «Wir haben das Laminat mit Brat- und Pflanzenfetten präpariert – analog zur Verschmutzung in einer Küche», sagt Testleiter Fabrice Rimbault und betont, dass dieser Schmutz schwieriger zu reinigen sei als herkömmlicher Fensterschmutz.

Teuerstes Produkt auf den hinteren Rängen

Das Multifunktionstuch Scotch Brite, gekauft bei Coop, ist mit knapp 8 Franken das mit Abstand teuerste Produkt im Test, schafft es aber nicht in die vorderen Ränge: Note 4,8. Gleichauf das Universaltuch von Qualité & Prix für 2 Franken 30. Miobrill reinigt Glas und Laminat gleichermassen gut: Note 5.

Empa-Forscher

Bildlegende: Testleiter Fabrice Rimbault. SRF

Knapp besser reinigen die Mikrofasertücher von Aquapur, «Das Mikrofasertuch» gekauft bei Obi, das Universaltuch von Leifheit und das Mikrofaser Frotteetuch von Ana Aqualine, gekauft bei Denner – mit 98 Rappen eines der günstigsten im Test.

CTTN-Laborantin Sandra Grucker befeuchtet die Tücher mit exakt 6,1 Gramm Wasser pro 100 cm2 Mikrofaser - und misst danach die Trockungsdauer. Hier gibt es kaum Unterschiede, alle Tücher sind nach rund 3 Stunden wieder einsatzfähig.

Sehr gute Werte auf Glas und auf Kunststofflaminat erzielt das Mikrofasertuch Prix Garantie von Coop: Bei einem Preis von 98 Rappen das beste Preis/Leistungs-Verhältnis im Test. Knapp besser - aber fast vier Mal teurer - reinigt Supair Cleanwell gekauft bei Manor: Note 5,8.

Unterschiedliche Produktionsmethoden

Die Unterschiede in der Reinigungsleistung hängt mit der Produktion des Mikrofasertuches zusammen, weiss EMPA-Forscher Marcel Halbeisen: Wenn die Fasern sehr eng beieinanderliegen, können sie zwar mehr Schmutz abtragen, aber weniger aufnehmen.

Werden sie locker angelegt, ist es umgekehrt. «Das heisst, der Produzent muss einen Mittelweg finden, um die optimale Reinigungsleistung bei optimaler Aufnahmeleistung zu erreichen», fasst der Textilexperte zusammen.

Auch die EMPA stellt Mikrofasern her - zu Forschungszwecken. Marcel Halbeisen füllt Polyamid und Polyester in die Spinnereimaschine. Die beiden Kunststoffe werden auf 250 Grad erhitzt und zu einer Faser vereint. Danach folgt das sogenannte Verstrecken - das heisst, die Faser wird auf Spulen in die Länge gezogen.

«Mit dem Verstrecken werden die Fasern immer feiner. Allerdings genügt das Verstrecken für Mikrofaserreinigungstücher noch nicht. Darum werden in einem zweiten Produktionsprozess die beiden Fasern wieder gesplittet, und so erhalten wir die Mikrofasern.»

Mikrofasertücher reinigen gut und fuseln nicht. Keinesfalls aber dürften mit ihnen raue Oberflächen gereinigt werden, ansonsten gehen die Fasern kaputt und die Tücher beginnen zu fuseln. Und beim Waschen der Mikrofaser-Tücher dürfen keine zusätzlichen Weichspüler verwendet werden, ansonsten die Fasern verstopfen.

Die Resultate

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