Bürostühle im Test: Die teuren sind am schlechtesten

Verkehrte Welt bei Bürodrehstühlen: Das günstigste Modell im schneidet «Kassensturz»-Test am besten ab, die teuren landen in der hinteren Hälfte. Insgesamt sind die acht getesteten Stühle ganz passabel. Ein Hersteller hat Probleme mit den Sitzflächen, das Gewebe ist nicht scheuerfest.

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Bürostühle im Test: Die teuren sind am schlechtesten

8:10 min, aus Kassensturz vom 3.3.2015

Es ist auch in den Wohnungen erkennbar: Nicht nur bei der Arbeit, auch zu Hause verbringen wir Menschen viel Zeit am Pult. Ein Raum in der Wohnung ist oft als Büro ausgerüstet, und dazu gehört ein Bürodrehstuhl auf Rollen. «Kassensturz» und das Konsumentenmagazin Saldo haben acht der meistverkauften Bürodrehstühle mit Ladenpreisen von 70 bis 329 Franken ins Labor geschickt und sie auf Sitz und Rollen testen lassen.

Robust, aber schwaches Gewebe

Erfreuliches Resultat: Alle Stühle haben die Belastungstests bestanden. Eine Maschine simulierte 45‘000-maliges Hinsetzen und 20‘000-maliges Anlehnen, ohne dass einer der Bürostühle kaputt gegangen wäre. Je die Hälfte der acht Stühle im Test ist insgesamt «gut» und «genügend». Das war in früheren Tests nicht immer so. Auch bei der Standsicherheit schneiden die Stühle besser ab als in früheren Tests.

Eine Schwäche deckte aber der Scheuertest auf: Die Sitzfläche von drei Bürostühlen ist nicht widerstandsfähig. Am schlechtesten ist die Qualität der Kunstfaser bei den baugleichen Topstar-Modellen Aprilia und Open Point. «Die Sitzflächen zeigten schon nach 1000 von 45‘000 Zyklen erste deutlich sichtbare Spuren, nach 5000 Zyklen erste durchgescheuerte Gewebestellen», sagt Prüfleiter Swen Richert im «Kassensturz», «nach Ende des Versuchs war das Gewebe komplett zerstört».

Der deutsche Hersteller Topstar schreibt als Reaktion auf diese Resultate, beim letzten eigenen Test hätte das Gewebe 40'000 Scheuertouren bei mehreren Prüfmustern überstanden. Topstar will aber nun das Problem «mit dem Lieferanten nochmals besprechen».

Gleicher Stuhl unter anderem Namen: 30 Franken Preisunterschied

Das ist vor allem deshalb schwer zu verdauen, weil es sich dabei um den teuersten Stuhl im Test handelt. Pikant ist auch der Preisunterschied zwischen diesen baugleichen «Fahrstühlen»: Open Point (Interio) kostet 299 Franken, der Zwillingsbruder Aprilia (Officeworld) 329 Franken. Das sind happige 10 Prozent mehr. Eingekauft wurden die Stühle übrigens vor der Aufhebung des Mindestkurses zum Euro.

Bei einem weiteren Stuhl des gleichen Herstellers ist ebenfalls das Gewebe die Schwäche, allerdings etwas weniger dramatisch. Am Ende des Tests war «ein grösserer Bereich» durchgescheuert. Gerade noch «genügend» in diesem Kriterium ist Terry vom Conforama und schneidet auch insgesamt am schlechtesten ab – allerdings mit der passablen Schulnote 4,7. Conforama schreibt, man würde den Lieferanten des Stuhls «über die Schwachpunkte informieren und ihn bitten, Verbesserungen anzubringen».

Falsche Rollen können ein Ärgernis sein

In der oberen Hälfte mit dem Gesamturteil «gut» platzieren sich lauter günstige Stühle. Micasa Parker auf dem 2. Platz mit Note 5,2 kostet 159 Franken. Am besten schneidet der günstigste Stuhl im Test ab: Ikea Vilgot kostet nur 69.90 Franken (Armlehnen kosten 20 Franken extra). Die schlechteste Note (4,6) bekommt er für die etwas grosse Sitzfläche: Was für grossgewachsene Benutzer ein Plus sein kann, macht das Anlehnen für kleinere eher unbequem (siehe Kasten Service: Worauf soll ich beim Kauf achten).

Vor dem Kauf lohnt es sich zu klären, ob der Stuhl auf Hartboden oder Teppich zum Einsatz kommt. Weiche, gummierte Rollen gehören auf Hartboden, harte Rollen auf den Teppich. Von den acht Stühlen waren nur Testsieger Ikea Vilgot und der Drittplatzierte Elan von Pfister (99 Franken) mit Hartbodenrollen ausgestattet. Die Rollen aller anderen Bürodrehstühle sind für Teppichböden konzipiert. Ein Stuhl mit den «falschen» Rollen dürfte bei den Benutzern im Alltag immer wieder für Ärger sorgen. Weil er entweder stecken bleibt oder aber zu leicht wegrollt.

So wurde getestet

Das Ipi-Institut in Stuttgart (D) hat für «Kassensturz» und Saldo Bürodrehstühle in Anlehnung an die europäische Norm für Büroarbeitsstühle geprüft.

  • Robustheit: Eine Maschine drückte mit einer Kraft von umgerechnet rund 152 kg 45‘000-mal auf die Sitzfläche. Die Rückenlehne musste 20‘000-mal einer Belastung von umgerechnet rund 32 kg standhalten. Ausserdem prüften die Tester die Scheuerfestigkeit des Bezugs. Dafür rieben sie mit einem Stück Jeansstoff 10‘000-mal über die Sitzfläche.
  • Sicherheit: Ein Bürostuhl darf nicht umkippen, wenn er stark zur Seite, nach vorn oder nach hinten geneigt wird. Rollt in Stuhl ausserdem zu schnell weg, besteht Sturzgefahr. Die Tester überprüften weiter, ob Einklemm- oder quetschgefahr besteht, wenn man die Stühle verstellt.
  • Sitzkomfort: Jede Position des Sitzenden muss optimal unterstützt werden. Die Experten massen die Sitztiefe, die Sitzneigung sowie die Druckentlastung. Ausserdem bewerteten drei Experten, ob die Polsterung zu weich oder zu hart ist und ob der Stuhl genügend Bewegungsfreiheit bietet.
  • Montage: Die Experten bauten die Stühle zusammen und bewerteten den dafür nötigen zeitaufwand. zudem floss die Verständlichkeit der Gebrauchsanleitung in die Bewertung ein.
  • Verstellbarkeit: Der Verstellbereich beim Sitz muss bei mindestens 42 bis 48 Zentimeter liegen. Auch die Rückenlehne muss verstellbar sein.

Testtabelle

Testtabelle

Hier finden Sie die detaillierten Testresultate.

Service:

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