Bürostühle im Test: Sparen auf Kosten der Gesundheit

Kassensturz hat Bürodrehstühle auf Sitzkomfort, Robustheit und Standfestigkeit testen lassen. Die meisten Bürostühle klappen beim Langzeitbelastungstest zusammen, bei einigen lässt der Sitzkomfort zu wünschen übrig. Tatsache ist: Wer schlecht sitzt, gefährdet seine Gesundheit.

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Bürostühle im Test: Sparen auf Kosten der Gesundheit

8:16 min, aus Kassensturz vom 8.5.2007

Matthias Emmenegger ist diplomierter Ergotherapeut und Spezialist für Arbeitsplatz-Ergonomie beim Schweizer Fernsehen. Für Kassensturz inspiziert er Moderatoren auf ihren Bürostühlen. Seine Tipps: Rückenlehne benutzen, also nicht zu vorderst auf der Kante des Stuhls sitzen, sondern mit dem ganzen Gesäss auf die Stuhlfläche sitzen.
Die Beine gehören bequem auf den Boden gestellt, am Besten im rechten Winkel oder grösser. Ausserdem: Während der Arbeit möglichst viel zwischen Sitzen und Stehen abwechseln, das beugt Fehlhaltungen vor.

Soweit die Theorie. Aber erlauben die Bürostühle, die im Handel zu finden sind, überhaupt ein bequemes und gesundes Sitzen am Arbeitsplatz? Kassensturz und K-Tipp haben acht Bürostühle am renommierten Möbelprüfinstitut LGA im deutschen Nürnberg auf Robustheit und Langlebigkeit testen lassen.

Die Maschinen dort simulieren eine zehnjährige Belastung auf Rückenlehne und Sitz. Dabei wird 80'000 Mal 120 Kilogramm Druck auf die Rückenlehne und 320 Kilogramm auf den Sitz ausgeübt. Ein weiteres Testkriterium ist die Standsicherheit des Stuhls.

Dabei ziehen Gewichte den Stuhl auf verschiedene Seiten. Der Prüfer will so herausfinden, ob der Stuhl seitlich, nach hinten oder über die Ecke kippt. Nur einer der Stühle hielt den harten Anforderungen der europäischen Prüfnorm stand.

Die anderen kippten zu schnell um. Weiter getestet wird der Rollwiderstand. Ein Bürostuhl darf beim Aufstehen nicht zu weit von der Person wegrollen. Damit soll verhindert werden, dass man sich beim erneuten Absitzen ins Leere setzt.

Das Gesamtresultat «gut» erhielt nur ein Stuhl im Test. Bonny von Ikea, mit 79 Franken das zweitgünstigste Modell im Test. Es bietet den besten Sitzkomfort. Leider hat Bonny einen Sicherheitsmangel: Die scharfe Fassung beim Stuhlbeinkonus birgt Verletzungsgefahren.

Mit «genügend» getestet wurde das Modell Siena von Office World. Die mangelnde Federung bei tiefer Einstellung wurde von den Experten des Möbelprüfinstituts beanstandet.

«Ungenügend» sind: Multistar-2 von Pfister, mit 149 Franken der teuerste Stuhl im Test. Er klappte bei den Belastungstests schnell zusammen. Ausserdem: Jutta von Interio. Abzüge gab es für die Polsterung der Sitz- und Lehnenfläche. Ebenfalls ungenügend: Der Bürostuhl grau von Toptip.

Er ist zu wenig robust. Toptip zieht den Stuhl aus dem Verkauf zurück. Ebenso ungenügend das Modell Unistar von Fly. Auch Fly will den Stuhl aus dem Verkauf nehmen. Wegen schlechtem Sitzkomfort durchgefallen mit dem Gesamturteil «ungenügend» sind die Modelle Feria von Conforama und Basic von der Migros.

Migros schreibt dazu: «Wir fragen uns, ob es Sinn macht, einen so günstigen Bürostuhl mit den harten Kriterien für hochstehende Bürostühle zu prüfen.» Auch andere Hersteller monieren die strenge Testanlage.

Das Testinstitut hingegen kritisiert die schlechte Materialqualität. Peter Birkmann vom LGA Möbelprüfinstitut: «Es gibt uns insofern zu denken, weil die Produkte immer abgespeckter werden, immer mehr an den Rand des Gerade-noch-Gehen herangeführt werden und darunter die Sicherheit leidet.»