Diese Grillkohle heizt richtig ein

Grillbriketts heizen länger und heisser als Holzkohle, es dauert aber, bis die Briketts fürs Grillieren bereit sind. Neben dieser Erkenntnis fördert der Test von «Kassensturz» einige bösen Überraschungen zutage. Zum Beispiel wird den Käufern minderwertiges Nadel- statt Buchenholz verkauft.

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Diese Grillkohlen heizen richtig ein

9:07 min, aus Kassensturz vom 12.6.2012

Tropenholz in der Grillkohle? Krebserregende Stoffe in der Glut? Billiges Nadelholz statt hochwertiger Buche wie deklariert? «Kassensturz» hat 17 Holzkohlen- und 7 Grillbrikett-Marken getestet – und dabei einige Überraschungen erlebt.

Weber-Grillbriketts glühen mit Abstand am längsten

Wenig überraschend hingegen: Mit Briketts lässt sich länger grillieren. Und zwar deutlich länger. Das Labor hat die Temperaturen nach Ende der Vorglühphase gemessen – und zwar 5, 30 60 und 90 Minuten danach (siehe «So wurde getestet»).

Temperaturmesser Grillkohle

Bildlegende: Temperaturmesser Grillkohle SRF

Eine sensationell lange Brenndauer bieten die Weber-Briketts, deren Bezeichnung «long lasting» (lange anhaltend) also nicht zu viel verspricht. Sogar nach anderthalb Stunden mass das Labor noch 275 Grad.

Die längere Brenndauer der Briketts bezahlt man mit Wartezeit, bis die Glut bereit ist. Es ist kein Zufall, dass es im Test 45 Minuten dauerte, bis die Weber-Briketts zum Grillieren bereit waren, bei den Briketts von Jumbo und Aldi waren es je 40 Minuten (siehe Resultate im Detail).

Briketts mit Testurteil sehr gut

Bildlegende: Briketts mit Testurteil sehr gut SRF

Die Vorglühphase bei den Holzkohlen hingegen liegt in der Regel tiefer, bei 4 der 10 Tests waren es nur 25 Minuten. Wem eine möglichst kurze Vorglühphase wichtig ist, der entscheidet sich für Holzkohle von Volg, Denner, Landi oder Obi.

Die Kohlen Torero von Volg und Churrasco von Denner gehören auch bei den Temperaturen zu den besten, zusammen mit Lidl und Obi. Obi hat sogar Temperaturen, die mit Briketts mithalten können. Das dürfte daran liegen, dass Tropenholz verwendet wurde. Das hat «Kassensturz» aber mit einem Abzug bestraft, ebenso das starke Funkensprühen. Wegen dieser Minuspunkte gehört die Obi-Kohle nicht zu den Besten im Test.

« «Wir sind in Bezug auf den Inhalt des Holzes bei unserer Holzkohle vom Lieferanten getäuscht worden.» »
« Peter Stefani, Qualitätsverantworlicher Jumbo »

Ebenfalls eine auffällig gute Brenndauer hat die Kohle der französischen Ladenkette Casino, die in der Westschweiz präsent ist, und auch sie ist aus Tropenholz. Casino hält es nicht einmal für notwendig, diese Tatsache zu deklarieren. Im Gegensatz dazu deklariert Obi die Herkunft immerhin transparent (Argentinien).

Wie negativ Holzkohle aus Tropenholz zu bewerten ist, darüber lässt sich streiten. Es hängt stark von der Folgen für den Wald vor Ort ab. «Kassensturz» hat Tropenholz wegen des langen Transportwegs mit einem Abzug bestraft.

Jumbo-Lieferant: Bschiss bei der Delaration

Die Bestimmung der Holzart zeigt: Ein Hersteller deklariert falsch. Die Jumbo-Holzkohle wurde nämlich nicht aus Buchenholz verkohlt wie auf der Verpackung angegeben, sondern zu 60% aus Nadelholz. Nadelholz ist qualitativ eindeutig schlechter, da es schneller abbrennt.

Die Mischung von 60% Nadel- und 40% Laubholz bedeutet auch, dass die Glut uneinheitlich abbrennt. Der Anteil Nadelholz spiegelt sich auch in der kurzen Brenndauer. Der Notenabzug für die falsche Deklaration führt denn auch zu einem «ungenügenden» Gesamturteil.

Grillkohle ungenügend

Bildlegende: Grillkohle ungenügend SRF

Mit deutlichen Worten reagiert Jumbo-Mediensprecher Peter Stefani auf die Falschdeklaration: «Wir sind in Bezug auf den Inhalt des Holzes bei unserer Holzkohle vom Lieferanten getäuscht worden.» Leider habe Jumbo das Holz nicht selber getestet, in Zukunft werde der Baumarkt «den Inhalt jedoch durch eine unabhängige Prüforganisation überprüfen lassen.»

Zusätzlich zum Praxistest und zur Bestimmung der Holzarten hat «Kassensturz» die Kohlen auf schädliche Inhaltsstoffe testen lassen. Wird Material unvollständig verbrannt, kann dies zur Bildung von polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen, besser bekannt als PAK, führen.

Bei der Untersuchung auf 16 verschiedene PAK fand das Labor unter anderen Benzo(a)pyren, eines der giftigsten PAK. Es war in den Briketts von Landi und Jumbo enthalten. Trotz der geringen Mengen ist die Präsenz des krebserregenden Stoffes problematisch.

PAK-Entstehung beim Grillieren verhindern

Der Toxikologe Vincent Perret, der die PAK-Resultate beurteilt hat, vermutet, dass die Benzo(a)pyren-Werte von Holz stammen, das vorbehandelt wurde, zum Beispiel Bauholz oder alte Bahnschwellen.

«Kassensturz» hat zwar auf eine Abwertung wegen der PAK verzichtet. Es ist aber sinnvoll, PAK zu vermeiden (siehe Resultate im Detail). Durch das Verbrennen der Kohle können nämlich ebenfalls PAK in erheblichen Mengen entstehen. Durch «richtiges» Grillieren lässt sich die Entstehung von PAK tief halten:

  • Grillgut erst auflegen, wenn die Glut perfekt ist und kein Feuer und Rauch mehr vorhanden ist.
  • Darauf achten, dass kein Öl ins Feuer tropft.

Fast noch überraschender als PAK-Werte, Tropen- und Billigholz war folgende Kuriosität: Das Labor PZT fand bei ihren Versuchen im Holzkohlepack der Migros eine Brille.

So wurde getestet

Gleich drei Prüfinstitute waren an den Tests beteiligt. Das PZT in Wilhelmshaven (D) untersuchte die Kohle auf folgende Punkte:

  • Wie gross ist der Anteil an nicht nutzbarem Staub?
  • Wie gross ist der Anteil an sehr kleinen und ganz grossen Kohlestücken.
  • Wie lange dauert es, bis Kohle oder Briketts fürs Grillieren bereit sind?
  • Wie hoch sind die Temperaturen nach Abschluss der Vorglühphase, gemessen nach 5, 30, 60 und 90 Minuten mit offenem und geschlossenem Deckel? Bewertet wurden nur die Temperaturen mit geschlossenem Deckel.

Das auf Holz spezialisierte Labor WKI des Fraunhofer-Instituts bestimmte die Holzarten in den Kohlen. Die Untersuchung ist bei Briketts nicht möglich.

  • Welche Holzkohlen enthalten Tropenholz?
  • Entsprechen die bestimmten Holzarten den Deklarationen?

Schliesslich untersuchte das Lausanner Labor Scitec, ob die Kohlen giftige Polyzyklische Kohlenwasserstoffe enthalten. Die Werte wurden vom Toxikologen Vincent Perret von Toxpro eingeschätzt.