Diese Kinderskihelme schützen am besten

Kinderköpfe sind auf der Piste besonders gefährdet. Bei einer Kollision mit einem Erwachsenen drohen schwere Verletzungen. Nicht alle Ski-Helme schützen aber gleich gut. Von acht getesteten Helmen war einer ungenügend. Und: Gute Helme müssen nicht teuer sein.

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Diese Kinderskihelme schützen am besten

8:16 min, aus Kassensturz vom 3.1.2012

Anders als etwa in Italien herrscht auf Schweizer Ski-Pisten kein Helm-Obligatorium für Kinder. Auch die Schweizer Ski-Schulen verlangen nicht zwingend, dass Kinder mit Helm in den Unterricht kommen.

Dass müsse man den Eltern überlassen, sagt Werner Elmer, Ski-Lehrer und Instruktor der Ski-und Snowboard-Schule Arosa. Er ist froh, dass mittlerweile fast alle Kinder während des Unterrichts einen Helm tragen. «Als Ski-Lehrer erlebt man immer mal wieder Situationen, in denen man denkt: Zum Glück hatte das Kind einen Helm auf!»

Kind auf Skiern

Bildlegende: Kinder sollten nie ohne Helm auf die Piste SRF

Der Helm kann Leben retten

Die Helmtrage-Quote bei den Kindern liegt laut der Beratungsstelle für Unfallverhütung mittlerweile bei 95 Prozent. Bei den Erwachsenen fahren 75 Prozent mit Helm.

Christoph Sommer, Leiter der Unfallchirurgie am Kantonsspital Graubünden in Chur, stellt fest: «Seitdem immer mehr Wintersportler mit Helm fahren, nimmt auch die Zahl der schweren Kopfverletzungen ab.» Sommer würde nie ohne Helm auf die Piste. «Ich behaupte, dass ein Helm 80 Prozent der schweren Verletzungen verhindern kann.»

Für Kinder sei der Helm auf der Piste absolut zwingend, sagt der Unfall-Chirurg. «Ein Kind ist mit dem Kopf weit unten. Wenn es zu einer Kollision mit einem Erwachsenen kommt, dann prallt dieser häufig mit dem Knie in den Kopf des Kindes.» Wenn dieses keinen Helm trägt, kann es schwer verletzt werden.

Falltests mit 20 Km/h

Das Labor Monthléry in der Nähe von Paris hat im Auftrag der Westschweizer Konsumentensendung «A Bon Entendeur» acht Kinderhelme geprüft. Im Stossdämpfungstest lassen die Tester die Helme mit einer Geschwindigkeit von rund 20 Km/h auf eine harte Platte prallen.

Skihelm im Test

Bildlegende: Ein Helm während des Stossdämpfungstests SRF

Gemessen wird, wie viel der Aufprall-Energie der Helm absorbiert. Die massgebende Euro-Norm EN1077 verlangt dazu Mindeststandards. In der Schweiz sind nur Helme mit dieser Norm für den Verkauf zugelassen.

Ungenügende Gesamtnote für Head

Obwohl auch das Model Cloe von Head diese Norm-Nummer trägt, ist der Helm im Dämpfungstest durchgefallen. Head zeigt sich über das Testresultat überrascht: «Sämtliche Head-Wintersporthelme wurden klarerweise zertifiziert. Zusätzlich vollziehen wir laufende Produktionskontrollen vor Auslieferung.» Man werde das betroffenene Helm-Modell nun von unabhängiger Stelle prüfen lassen, so Head weiter.

Gute Helme auch für wenig Geld

Ein Helm erreicht die Wertung «genügend», fünf Helme erreichen ein «gut». Als einziges Modell erhält der Hi-fi II von Red die Note «sehr gut». Er kostet knapp 160 Franken. Fast gleich gut war auch ein Modell, welches weniger als 50 Franken kostet.

Übersicht der Testresultate

Bildlegende: Der einzige Helm mit Testresultat «sehr gut» SRF

Das Labor hat auch ermittelt, ob ein Helm im Ernstfall auf dem Kopf bleibt. Dabei wird die Stärke der Kinnriemen gemessen. Erfreulich: Alle acht Helme haben diesen Test bestanden.

Helm muss passen und bequem sein

Nadja Loretz, Skilehrerin in Arosa, erlebt oft, dass Kinder mit zu grossen oder zu lockeren Helmen in die Ski-Schule kommen. «Ein locker sitzender Helm fällt im Ernstfall aber schnell vom Kopf und nützt so nichts.» Die Helme müssen satt sitzen. Gut einstellbar sind Helme mit einem Nacken-Rad, so Loretz. Auch der Kinnriemen muss gut sitzen.

Ebenfalls wichtig: Der Helm muss bequem sein und darf nicht drücken. Die Skilehrerin weiss zudem aus Erfahrung: «Der Helm muss dem Kind gefallen, sonst trägt es ihn nicht». Und dann nützt auch das beste Modell nichts.