Gift in Bio-Kräutern: Das Versagen der Kontrolleure

Küchenkräuter gelten als gesund, besonders dann, wenn Bio drauf steht. Doch in einer Stichprobe von Kassensturz und A Bon Entendeur waren fünf von sechs Biokräutern mit Pestiziden belastet. Gegen einen Bio-Lieferanten hat Bio-Suisse ein Aberkennungsverfahren eingeleitet.

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Gift in Bio-Kräutern: Das Versagen der Kontrolleure

15 min, aus Kassensturz vom 28.6.2005

Für Küchenkräuter geben Schweizerinnen und Schweizer jährlich einige Dutzend Millionen Franken aus. Vor allem im Sommer isst der Mensch gerne feine Salate mit Basilikum, Petersilie und Co. Das ist leicht, schmeckt gut und gilt als gesund.

Ende April kaufte A Bon Entendeur (ABE) bei den Grossverteilern 46 Proben von Küchenkräutern ein und liess sie im Kantonalen Labor Genf analysieren. Der Kantonschemiker fand in den Proben neun Insektizide und zehn Fungizide.

Viele dieser Spritzmittel sind auf Kräutern gar nicht zugelassen. Bei den Küchenkräutern aus biologischem Anbau fand das Labor in fünf von sechs Proben unerlaubte Pestizide!

«Im biologischen Landbau ist jede Anwendung von synthetischen Pestiziden absolut verboten», sagt der stellvertretende Genfer Kantonschemiker Patrick Edder. «Man kann zwar leichte Spuren aus der Umweltverschmutzung finden, aber normal ist null.»

Bei den 18 Kräuterproben aus der Migros sind deren 17 in Ordnung. Die 17 Kräuter stammen aus konventionellem Anbau. Doch ausgerechnet das Bio-Basilikum der Migros enthielt Carbofuran. Das ist im Biolandbau total verboten.

Das Basilikum stammt laut Etikette vom Biogärtner Markus Riedwyl aus Lengnau. Den jungen Gärtner hat das Resultat des Labors erschüttert: «Es ist mir unerklärlich, wie die Substanz Carbofuran in unser Basilikum kommen konnte. Ich weiss aber zu hundert Prozent, dass wir nichts Verbotenes getan haben. Die Substanz Carbofuran habe ich bis anhin auch nicht gekannt», sagt Riedwyl. Riedwyl forschte nach Ursachen und liess die importierte Erde untersuchen. Darin fand sich nichts Unerlaubte. Er darf die Migros weiterhin mit Bioprodukten beliefern.

Das Bio-Basilikum und der Bio-Thymian von Manor enthielten das Fungizid Difenoconazol. Auch das ist im Biolandbau absolut verboten. «Das ist sicher ein sehr schlechtes Resultat», sagt Maurice Calanca von Manor. «Wir haben den Verkauf sofort gestoppt und eine Nachkontrolle gemacht. Selbstverständlich haben wir andere Einkaufsquellen berücksichtigt, die uns die Sicherheit geben, dass die Produkte tadellos sind.»

Die fungizidhaltigen Biokräuter aus dem Manor stammten vom Biohof Potager du Château im waadtländischen Rennaz. Gegenüber Kassensturz wollte hier niemand Stellung nehmen. Der Biohof veranlasste jedoch beim Interlabor Belp eine Untersuchung der Topferde. Das Labor bestätigte die unerlaubte Belastung mit Difenoconazol.

Das Labor fand jedoch auch einen massiv erhöhten Wert in den Wannen, in denen die Kräuter stehen. Der Biohof sagt, schuld an der Pestizidbelastung seien die Wannen. Sie seien behandelt worden, um Schimmelpilz zu verhindern. Beim Giessen sei das Fungizid von den Pflanzen aufgenommen worden.

Die gehackte Bio-Petersilie von Coop enthielt geringe Mengen Dimethomorph und Carbaryl. Ein als «BIO Suisse» etikettiertes Basilikum enthielt Metalaxyl. Und zwei Coop-Proben von Brasilianischem Thymian aus konventionellem Anbau enthielten zwei Gifte in gewaltigen Mengen: 300 mal mehr Acetamiprid und Thiacloprid als erlaubt. Thymian und Bio-Basilikum kamen von der Genfer Firma Pitschfruits.

«Wir haben das Vertrauen in diesen Lieferanten verloren. Er ist für Bio und konventionelle Produkte gestrichen und beliefert Coop nicht mehr», sagt Coop-Mediensprecher Karl Weisskopf. Philippe Vendeuil von Pitschfruit sagt, er habe das Basilikum aus einer Bio-Gärtnerei in Italien importiert. Die Italiener hätten erklärt, sie könnten ohne den Einsatz von Metalaxyl im Frühling keinen Basilikum ziehen. Im Klartext: Der Genfer Betrieb hat aus gespritztem Basilikum einen Bio-Suisse Basilikum gemacht.

Unglaublich, was sich auf dem Bio-Markt abspielt: Vergiftete Bio-Kräuter, ausländische Produkte werden mit dem Schweizer Label Bio Knospe versehen. Zuständig für Zertifizierung und Kontrolle ist die Firma Bio-Inspecta in Frick.

Laut Geschäftsführer Frank Rumpe besuchen die Bio-Inspektoren einmal pro Jahr die Betriebe. Dabei stützen sich die Kontrolleure vor allem auf die Aussagen der Bauern. Sie fragen nach Warenbelegen und kontrollieren zusätzlich das Feld. Auf Laborproben wird verzichtet. Nur: In der Regel meldet sich der Bio-Inspektor ein bis zwei Tage vorher bei den Bauern an. Nur bei Verdacht findet eine zweite, unangemeldete Kontrolle statt.

«Wenn jemand willentlich schummeln will, können wir dies nicht verhindern. Wir haben aber sehr wenige schwarze Schafe. Wenn der Konsument Bioware kauft, kann er sich mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit darauf verlassen, dass er bekommt, was er erwartet», sagt Rumpe. Tatsache bleibt: Von sechs Bio-Kräutern waren beim Labortest fünf mit unerlaubten Giftsubstanzen belastet.

Bio-Suisse hat aufgrund des ABE-Testes in den Regionen Zürich, Bern und Lausanne 30 weitere Bio-Topfkräuter von Migros, Coop und Manor im Labor untersuchen lassen. 28 Proben waren in Ordnung. Gegen den Genfer Coop-Lieferanten Pitschfruit hat Bio-Suisse ein Aberkennungsverfahren eingeleitet.