Ohrstöpsel im Test

Gegen den ohrenbetäubenden Lärm an Konzerten und Raves schützen Ohrstöpsel. Nur: Die meisten dämmen viel zu stark. Kassensturz zeigt, mit welchen Stöpseln der Sound gut einfährt

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Ohrstöpsel im Test

8:48 min, aus Kassensturz vom 18.6.2002

Die 23-jährige Mirjam Saladin leidet seit 11 Jahren an Ohrensausen. An einem Konzert stand sie in der ersten Reihe, gleich neben den Boxen. Das Sausen habe schon während des Konzerts begonnen, dann eine ganz Woche lang gedauert. «Und dann wurde es überhaupt nicht mehr gut», erzählt die junge Frau.

71 Prozent der Jugendlichen im Alter von 17 Jahren hatten nach einem Konzert oder einer Rave schon einmal Ohrensausen. Das belegt eine Studie des Bundesamts für Gesundheit (BAG) und der Suva. Schlimmer noch: 11 Prozent leiden bereits an Höreinbussen.

Oberarzt Nikolas Schmuziger von der Uniklinik Basel arbeitet zusammen mit dem BAG und dem Basler Schwerhörigenverein an einer weiteren Studie, die sich mit Langzeitfolgen von zu lauter Musik befasst. «Während eines Konzertes merkt man häufig nicht, wenn es zu laut ist. Die Symptome kommen erst nachher», erzählt Schmuziger.

Diese können sein: Hörverlust, Ohrensausen, Fehlhörigkeit oder Lärmempfindlichkeit. Hat das Ohr einmal Schaden genommen, gibt es keine Therapiemöglichkeit.

Doch Party- und Konzertgänger setzen sich munter dem ohrenbetäubenden Lärm aus. Zwar pfeife es jeweils am Morgen nach einem Rave ein bisschen, doch das vergehe im Laufe des Sonntags, und dann sei alles wieder gut, meint ein unbekümmerter Raver. Eine andere Partygängerin erzählt fröhlich, sie habe seit drei Monaten einen Ohrenschaden, da sie auf einer Party mit zu lauter Musik gewesen sei. Doch Ohrstöpsel tragen will sie nicht.

Obwohl sie an Konzerten und Raves gratis verteilt werden, stossen Ohrstöpsel auf wenig Gegenliebe: «Ohrstöpsel dämpfen den Schall. Dann fährts weniger ein», meint ein junger Raver an einer grossen Party in Olten. Das Problem: Viele Ohrstöpsel dämmen tatsächlich viel zu stark. Sie eignen sich eher für lärmgeplagte Strassenarbeiter als für Konzertbesucher.

Kassensturz wollte deshalb wissen, welche Ohrstöpsel den Musikgenuss möglichst wenig einschränken und trotzdem ausreichend schützen. Als Testpersonen traten Rockmusiker Polo Hofer, sein Schlagzeuger Thomas Wild, DJ Tatana und DJ Energy an. Vlasta Mercier vom BAG und Beat Hofmann von der Suva überwachten den Test wissenschaftlich.

Bei den getesteten 12 Produkten aus Musikfachgeschäft, Apotheke und Detailhandel wurden fünf Kriterien bewertet: Musikqualität, Sprachqualität, Tragkomfort, Anwendung und Aussehen. Weitaus am stärksten gewichtet wurde die Musikqualität: Wie gut ist der Sound bei durchschnittlich 95 Dezibel?

Sechs Produkte erhielten die Note «gut», darunter der Testsieger Multiplux von Ohropax aus der Apotheke (Testergebnisse siehe Tabelle). «Max Lite» von der Suva reichte es nur auf ein «mangelhaft», da dieser Stöpsel für den Lärmschutz bei der Arbeit vorgesehen ist: Für das Musikgehör der Testpersonen dämmte der Stöpsel viel zu fest.

Gesetzlich erlaubt ist eine Lautstärke von 93 Dezibel. Mit Sonderbewilligung darf ein Veranstalter den Sound auf 100 Dezibel hinaufschrauben. Dann ist er aber dazu verpflichtet, deutlich vor Hörschäden zu warnen und gratis Ohrstöpsel zu verteilen. Aber selbst der beste Ohstöpsel taugt nichts, wenn man ihn nicht trägt.

Und nicht immer enstpricht die Lautstärke den gesetzlichen Anforderungen. «Wenn man sich gegenseitig in die Ohren brüllen muss und auch dann nichts versteht, dann ist es definitiv zu laut», sagt Beat Hofmann von der Suva. Deshalb gilt: Im Zweifelsfalle Stöpsel rein.