Unsichere Strassentunnels

14 Automobilklubs prüfen jährlich 30 Tunnels in ganz Europa. Die 2002 getesteten Schweizer Tunnels schnitten nur mässig ab. Mit ein Grund: Die Fluchtwege sind schlecht markiert.

Video «Unsichere Strassentunnels» abspielen

Unsichere Strassentunnels

5:36 min, aus Kassensturz vom 23.4.2002

Um die Sicherheit in europäischen Strassentunnels zu verbessern, prüfen unter der Leitung des deutschen ADAC jedes Jahr 14 Automobilclubs, darunter der TCS, verkehrswichtige Tunnels in ganz Europa.

Die Teskriterien: Verkehrsaufkommen im Vergleich zur Länge des Tunnels, Anzahl Lastwagen pro Tag im Vergleich zur Anzahl Tunnelröhren. Beim Sicherheitsaspekt werden Bauweise, Überwachung des Verkehrs und Fluchtmöglichkeiten gross geschrieben.

In der Schweiz waren dieses Jahr die Tunnels durch den Bözberg, den Gotthard und der Tunnel San Salvatore bei Lugano an der Reihe. Peter Rietwyl vom TCS meint zum Abschneiden der Schweizer Tunnels: «Bei den 30 getesteten Tunnels liegt die Schweiz mit »gut«, »ausreichend« und »bedenklich« im Mittelfeld.»

Nur der Bözberg-Tunnel erreichte ein «gut». Einer seiner Vorteile: Für beide Richtungen eine separate Röhre. Nachteile hat aber auch er: Es gibt keine Pannenstreifen. Und die Fluchtwege sind schlecht signalisiert. Das soll aber noch in diesem Jahr behoben werden.

Der 17 Kilometer lange Gotthard-Tunnel hat allein schon aufgrund der Länge und dem Gegenverkehr ein grosses Gefahrenpotential. Seit dem letzten Test vor drei Jahren wurde zwar die Sicherheit verbessert, und die Brandlüftung wird dieses Jahr fertig gestellt. Trotzdem reicht es nur für «ausreichend».

Nur mit «bedenklich» schneidet der San Salvatore-Tunnel an der A2 bei Lugano ab. Hier verkehren dreimal so viele Fahrzeuge wie am Gotthard. Die Fluchtwege sind nicht beschildert, die Lüftung ist ungenügend, es hat keine Video-Überwachung und Pannenbuchten fehlen auch. Die selben Punkte bemängelten die Tester schon vor zwei Jahren.

«Wir haben zu wenig Personal, zu wenig Geld, und wir können nicht an allen Orten gleichzeitig sein und so viel Geld investieren», rechtfertigt Denis Ross, Chef des Tessiner Tiefbauamtes. Eine Totalsanierung würde nach Schätzungen rund 382 Millionen Franken kosten.

Das sei zwar viel Geld, meint Riedwyl vom TCS. Dass aber billige Massnahmen wie die Markierung der Fluchtwege seit dem letzten Test nicht gemacht wurden, sei für ihn «völlig unverständlich».

Entwickelt sich im San Salvatore-Tunnel nach einem Unfall Rauch, ist der rettende Stollen nur schwer zu finden. Vorbildlich signalisiert sind demgegenüber die Notausgänge im Montblanc-Tunnel. Der für rund 300 Millionen Euro sanierte Montblanc-Tunnel erhielt im europäischen Test die Höchstnote «sehr gut».