Viele Schlauchboote sind unbrauchbar

Von 8 Schlauchboot-Sets im Test ist nur eines «gut», gleich 4 sind «ungenügend». Ein Boot hat ein Sicherheitsproblem: Mit kaputter Hauptkammer kann man es nicht mehr an Land rudern. Andere haben untaugliche Ruder, einige sind zu klein für die Personenzahl. Weltbild nahm sein Boot vom Markt.

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Nicht alle Gummiboote sind sicher

7:49 min, aus Kassensturz vom 26.6.2012

Ruder gebrochen nach drei Ruderschlägen, eine defekte Fusspumpe, ohne die sich das Schlauchboot gar nicht erst aufblasen lässt: So ist der Ausflug mit dem neuen Schlauchboot fertig, bevor er begonnen hat. Mit solchen Schwierigkeiten ist aber zu rechnen, wie ein «Kassensturz»-Test zeigt.

Im Test waren 8 Boot-Sets mit Maximalbeladungen von 2 bis 3 Personen, eingekauft in Warenhäusern, im Fachhandel oder übers Internet. Set bedeutet, dass Ruder und Pumpe inbegriffen sind. Die Kaufpreise lagen zwischen 49.90 und 139 Franken.

Schwäche vieler Schlauchboote: Zu billige Ruder

Die Liste der Schäden im Labor- und Praxistest (siehe unten, «So wurde getestet») ist gross. Der grösste Schwachpunkt im Test waren die Ruder. Absolut inakzeptabel ist die Qualität der Interdiscount-Ruder: Schon nach den ersten Ruderschlägen im Praxistest war eines der Paddel gebrochen. Das ist kein Zufall; im Labortest gingen die Ruder ebenfalls zu Bruch.

Auch bei einigen anderen Rudern deckte das Labor bei der Durchführung des Normtests grobe Mängel auf. Schon bei der geringeren Belastungsstufe (mit 100 Newton) zeigten sich bei den beiden Bestway-Booten und einem Sevylor-Boot Schäden. Nach der höheren Belastung (200 Newton) waren die Ruder beider Bestway- und beider Sevylor-Boote «nicht mehr verwendbar».

Die Liste der Schäden im Labor- und Praxistest ist gross.

Bildlegende: Die Liste der Schäden im Labor- und Praxistest ist gross. SRF

Weil aber die Boote im Praxistest auch mit leicht beschädigten Rudern manövrierbar blieben, verzichtete «Kassensturz» auf zusätzliche Abwertungen.

Eine Abwertung gab es hingegen für Sevylor Super-Caravelle, die einen Riss in einer Bootsnaht hatte, und auch für Bestway Splash&Play/Outdoorsman wegen der defekten Pumpe. Sie hatte ein Loch im Tuch, Aufpumpen war damit schlicht unmöglich.

Ungenügende Schlauchboote

Bildlegende: Ungenügende Schlauchboote SRF

Damit sind neben Interdiscount auch Sevylor Super-Caravelle und Bestway Outdoorsman «ungenügend».

Weltbild, wo «Kassensturz» Bestway Splash&Play gekauft hat, fackelte nicht lange: Der Versandhändler (Katalog, Weltbild.ch, Kidoh.ch) hat das Boot aus dem Verkauf genommen und den Kunden eine Gutschrift auf das Kundenkonto gemacht.

Weitere ungenügende Schlauchboote

Bildlegende: Weitere ungenügende Schlauchboote SRF

Der gröbste Mangel zeigte sich erst im Sicherheitstest. Die Anforderung: Ein Boot muss auch dann ans Ufer navigiert werden können, wenn die Hauptkammer die Luft verloren hat. «Kassensturz» hat diesen Fall im Praxistest durchgespielt.

Beim Intex Explorer Pro 200 führte der Versuch zu einer grotesken Szene: Die zweite grosse Kammer trug so wenig, dass erst Experte Markus Zurbuchen rückwärts ins Wasser kippte, anschliessend auch sein Mitfahrer, der neunjährige Yannic.

Gummiboote mit lotterigen Halterungen

Intex behauptet, es sei nicht möglich, dass Passagiere bei entleerter Hauptkammer aus dem Boot fallen könnten, «wenn sie sich ordnungsgemäss hineingesetzt» hätten.

Bei vielen Booten entdeckten die Experten im Praxistext einen weiteren Schwachpunkt: Die Kunststoff-Halterungen, welche die Stangen beim Rudern am Drehpunkt fixieren, sind bei vielen Booten zu wenig stabil. Das verunmöglicht es, kräftig und gleichmässig am Ruder zu ziehen – ein Effizienzverlust.

Das beste Schlauchboot im Test: Challenger 3

Schlauchboot mit der Bewertung gut

Bildlegende: Schlauchboot mit der Bewertung gut SRF

Ein Boot hebt sich deutlich von den übrigen ab: Intex Challenger 3. Es ist ein grosses, stabiles Boot, in dem sich die Experten dank «feudalen Platzverhältnissen» wohl fühlten, und zwar bei Vollbesetzung mit drei Erwachsenen. Und die Halterungen für die Ruder sind erst noch so stabil wie bei keinem anderen Boot.

Und vor allem ist es das einzige Modell mit robusten Paddeln: Stange und «Blatt» haben die Belastung im Labortest unbeschadet überstanden. Das Haar in der Suppe: Beim Rudern leidet die Effizienz, weil die Ruder sehr kurz sind.

Intex Challenger widerlegt auch die Vermutung, dass ein funktionierendes Boot-Set sehr teuer sein muss. Für 119 Franken bekommt man ein überzeugendes Boot-Set.

So wurde getestet

«Kassensturz» führte einen Praxistest mit einer Expertenjury durch. Sie beurteilten die Sicherheit und die Manövrierbarkeit:

  • Ist der Einstieg ins Boot nach dem Kentern möglich und einfach, auch für ein Kind?
  • Nach Ablassen der Luft aus dem Hauptfach: Wie gut und sicher lässt sich das Boot ans Ufer steuern?
  • Wie leicht lässt sich das Boot manövrieren (Kurswechsel, enge Kurven)?
  • Wie effizient ist das Rudern? Ist es möglich, flüssig und schnell geradeaus zu fahren?
  • Ist genügend Raum da, um ohne Behinderung der Passagiere zu rudern?
  • Ermöglichen die Halterungen ein angenehmes und effizientes Rudern?
  • Wie einfach ist der Ein- und Ausstieg?
  • Wie gut ist es möglich, die Plätze im Boot zu tauschen?
  • Ist das Aufpumpen mit der mitgelieferten Pumpe machbar? Wie lange dauert das Aufpumpen?

Das Ipi-Institut für Produkt-Markt-Forschung in Stuttgart (D) testete die Materialien auf ihre Qualität.

  • die Luftundurchlässigkeit der Luftkammern.
  • die Robustheit des Materials (Durchstossfestigkeit).
  • die Belastbarkeit der Schäfte der Ruder, erst zehnmal mit einer Krafteinwirkung von 100 Newton, in einem zweiten Durchgang von 200 Newton (Knickfestigkeit).
  • die Belastbarkeit der Ruderblätter aus Kunststoff in zwei Durchgängen mit Krafteinwirkung 400 und 800 Newton.