Halsweh-Tabletten im Test: Teuer und voll von unnützer Chemie

Teuer und vollgestopft mit teilweise bedenklichen Stoffen. So das Fazit der Experten, die für das Magazin «FRC Mieux Choisir» rezeptfrei erhältliche Lutschtabletten untersucht haben. Zwei der zehn Produkte enthielten sogar ein Antibiotikum. Immerhin: Zwei Präparate bekamen eine gute Bewertung.

Zehn Verpackungen mit Halswehtabletten.

Bildlegende: Im Test waren diese zehn rezeptfrei erhältlichen Medikamente. SRF

In rund 90 Prozent der Fälle wird eine Halsangina von Viren ausgelöst. Das ist zwar unangenehm, aber grundsätzlich ungefährlich. Nach einigen Tagen sind die Schmerzen verschwunden, eine Behandlung ist in der Regel nicht nötig.

Trotzdem gibt es in Apotheken und Drogerien zig verschiedene Lutschtabletten, die der Angina den Kampf ansagen sollen. Nützen sie überhaupt? Das Westschweizer Konsumentenmagazin «FRC Mieux Choisir» schaute sich zehn dieser Präparate genauer an, liess die Inhaltsstoffe untersuchen und von Experten im Universitätsspital Genf beurteilen.

Für die Bewertung kamen folgende Kriterien zum Einsatz:

  • Medizinische Beurteilung (40%)
  • Qualität der Zusammensetzung (40%)
  • Packungsbeilage (20%)

Fragwürdiger Inhalt

Liest man die Ergebnis, könnten einem die Lutschtablette sprichwörtlich im Hals stecken bleiben. Denn einige Inhaltsstoffe sind nicht nur unnötig, sondern können auch gesundheitschädigend sein. Zum Beispiel:

  • Farbstoffe, die Allergien auslösen oder bei Kindern Hyperaktivität verursachen können.
  • Neun von zehn der Testprodukte enthalten Antiseptika, die desinfizieren und eine Blutvergiftung verhindern sollen. Völlig unnötig, immerhin aber für die Gesundheit nicht schädlich.
  • Alle Präparate enthalten zudem schmerzstillende und entzündungshemmende Bestandteile. Laut Experten des Universitätsspitals Genf sind diese wenig wirkungsvoll. Vielmehr seien normale Schmerzmittel zu empfehlen (siehe auch Service-Box «Was hilft?»).
  • Heikel: Die beiden Produkte Mebu-Lemon und Mebucaïne enthaltenTyrothricinum – ein Antibiotikum. Nicht nur, dass dies bei einer viralen Angina rein gar nichts bringt, der übermässige Einsatz von Antibiotika kann zu Resistenzen führen («Espresso» hat bereits darüber berichtet).

Die Pharmakologen lassen also kaum ein gutes Haar an den Lutschtabletten. Und sie sind sich einig: «Es gibt keine medizinischen Richtlinien, die eine Verordnung solcher Mittel empfehlen.» Oder einfach gesagt: Lassen Sie es bleiben!

Nach diesen Erkenntnissen erstaunt es nicht, dass die Bewertung bescheiden ausfiel. Am besten schnitten bei den Experten folgende zwei Präparate ab:

Lidazon actilong von Vifor Pharma
Preis: 11.90 Franken (24 Pastillen)
Gesamturteil: 65% (gut)

Neo-Angin forte von Doetsch Grether
(Preis: 13.50 Franken (24 Pastillen)
Gesamturteil: 60% (gut)

Beide Mittel enthalten keine Antibiotika, keine Farbstoffe und keinen zahnschädigenden Zucker. Sie erhielten daher eine gute Note für die Qualität der Inhaltsstoffe. Die medizinische Beurteilung fiel «genügend» aus.

«Espresso» vom 22.12.2015

Was hilft denn dann?

  • Schmerzmittel, z.B. Paracetamol oder entzündungshemmende Mittel wie Ibuprofen sind wirksamer. Jedoch nicht Aspirin.
  • Eine bessere Wirkung erzielt man mit entsprechenden Brausemitteln: Auflösen und vor dem Schlucken gurgeln.
  • Lässt der Schmerz nach einer Woche nicht nach oder zeigt sich Fieber, sollten Sie den Arzt aufsuchen.

Dr. med. Iris Stauffer (NE)

Rubrik «Testsieger»

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