Zum Inhalt springen
Inhalt

Versicherungen Teure Lebensversicherungen: Kunden in der Falle

Eine Versicherung kassiert tausende Franken ab – auf Kosten eines Kunden.

Legende: Video Teure Lebensversicherungen: Kunden in der Falle abspielen. Laufzeit 12:03 Minuten.
Aus Kassensturz vom 29.05.2018.

Vor vier Jahren hatte der 26-jährige Yves K. Besuch von einem Versicherungsberater. Dieser überredete ihn, eine gemischte Lebensversicherung abzuschliessen. Im Todesfall bekäme seine Mutter über 100'000 Franken. Läuft die Versicherung aus, bekommt Yves kurz vor der Pensionierung über 80'000 Franken. Die Einzahlungen gehen in die Säule 3a.

«Der Berater versprach viel Gewinn und grosse Sparmöglichkeiten. Er meinte, ich könne das Geld gut brauchen, wenn ich älter bin», erklärt Yves K. Der junge Versicherungsnehmer vertraute diesen Worten, schloss die Versicherung ab und verpflichtete sich, während 41 Jahren monatlich 250 Franken einzuzahlen.

Langfristige Verträge machen für junge Menschen keinen Sinn

Für Versicherungsexperte Stefan Thurnherr wurde Yves K. falsch beraten: «Ein 22-jähriger Mann ohne Familie braucht keine Lebensversicherung.» Ausserdem kritisiert er langfristige Verträge für junge Menschen, bei denen sich die Lebenssituation laufend ändern kann. «Als junger Mensch einen 40 Jahre laufenden Vertrag einzugehen, macht definitiv keinen Sinn», so sein Urteil.

Der Lebensversicherungs-Vertrag erweist sich für Yves K. bald auch als finanzielles Hindernis: Letztes Jahr kaufte er ein Auto, was für ihn höhere Fixkosten zur Folge hat. Deshalb will er die monatliche Versicherungsprämie von 250 auf 100 Franken heruntersetzen. Dass er mit tieferer Prämie insgesamt weniger Kapital fürs Alter ansparen würde, war ihm klar. Er ruft bei der Helvetia-Versicherung an: «Ich fragte, ob es möglich sei, die Prämie zu senken und ob ich damit einen Verlust hinnehmen müsste. Die Beraterin am Telefon sagte, das sei kein Problem und schnell gemacht.»

Lebensversicherung: Diese Tipps sollten Sie beachten

Verlust von über 6000 Franken

Yves K. verlässt sich auf diese Information. Die beiden Policen, die ihm die Versicherung danach schickt, versteht er nicht, denkt aber, es laufe alles richtig. Doch drei Monate später schreibt Helvetia erneut: Und plötzlich ist Yves K.’s Versicherungssumme auf 2746 Franken geschrumpft. Die Versicherung bietet ihm einen Rückkauf an. Der junge Helvetia-Kunde rechnet:

  • 9100 Franken hat er seit 2014 einbezahlt.
  • Nun sind noch 2746 Franken vorhanden.
  • Sein Verlust: 6354 Franken.
Mann im Anzug arbeitet am Computer.
Legende: Versicherungsexperte Stefan Thurnherr spricht von einer Falschberatung. SRF

Lebensversicherungen können nur schwer geändert werden

Was ist passiert? Helvetia hat seine alte Police aufgelöst und auf zwei neue aufgeteilt. Das war dem Kunden jedoch nicht klar. Yves K. wirft der Versicherung vor: «Ich wollte nicht den Vertrag kündigen, sondern lediglich die Prämie heruntersetzen. Jetzt habe ich 6000 Franken verloren.»

Stefan Thurnherr kann den Ärger nachvollziehen. Lebensversicherungen seien starre Produkte, die man nicht einfach verändern oder anpassen könne. Und wenn die alte Police aufgelöst und eine neue eröffnet werden muss, sei das teuer: «Das hat Rückkaufwertverluste zur Folge, zum Beispiel werden die ganze Provision und alle Verwaltungskosten fällig. Hier sind das über 6000 Franken, und die sind verloren.» Laut dem Versicherungsexperten wurde Yves K. von seiner Versicherung falsch beraten.

Helvetia spricht von «keinem Verlust»

Helvetia weist den Vorwurf zurück. Sie schreibt «Kassensturz»: «Die ursprüngliche Police ist durch die gewünschte Prämienreduktion nicht aufgelöst worden, sondern der Vertrag wurde in einen prämienpflichtigen und einen prämienfreigestellten Teil aufgeteilt.» Und der Kunde habe nicht einen Verlust von 6354 Franken erlitten. Denn: «In die neue Police sind 1676 Franken als Altersguthaben eingeflossen. Weiter Teile Prämie sind von der Versicherung für die Absicherung der versicherten Risiken (Todesfall, Prämienbefreiung bei Erwerbsunfähigkeit) von Abschluss bis zur Vertragsanpassung verwendet worden.»

Fest steht: Für den 26-jährigen Yves K. bleiben am Ende immer noch mehrere Tausend Franken verloren und ein grosser Frust: «Hätte ich gewusst, dass die Versicherung den Vertrag kündigt, hätte ich bestimmt nicht die Prämien reduziert. Ich wollte mit der Versicherung sparen, sicher nicht Geld verlieren.»

Legende: Video Studiogespräch mit Ruedi Ursenbacher, Versicherungsexperte Fairsicherungsberatung abspielen. Laufzeit 05:09 Minuten.
Aus Kassensturz vom 29.05.2018.

25 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Dieter Wyss (DAB)
    Dieser junge Mann wurde falsch beraten, das ist sehr unschön wenn auch durch fehlende Angaben im Beispiel nicht ganz nachvollziehbar. Die Meinung ihres Fachmannes über gemischte Versicherungen ist undifferenziert und entsprechen nicht der Wahrheit. In ihrem Beitrag spricht der Fachmann von Deckungen über das UVGO (falls er angestellt ist das korrekt) und über das BVG. Grundsätzlich sind Personen unter Alter 25 nicht automatisch BVG versichert. Diese Aussage ist leider ebenfalls nicht korrekt.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Redaktion «Kassensturz»
      Guten Tag Herr Wyss. Die Aussage von Herrn Ursenbacher ist richtig. Angestellte unter 25 Jahren die mehr als ca. 21000 im Jahr verdienen, sind für die Risiken Tod und Invalidität versichert. Der Sparvorgang startet im BVG erst ab Alter 25.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Karl Krebs (Krebskarl)
    Bin auch von La Susse Versicherungen mit einer Lebensversicherungen ca. ein Jahr a 500 Fr.mt. eingegangen. Habe die Lebensversicherung gekündigt und keinen Rappen gesehen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Adrian Gerber (Gerber)
    Wenn man die vereinbarte Laufzeit einhalten kann, ist eine gemischte Lebensversicherung vielleicht nicht das Dümmste. Keine Bank bezahlt beim Ableben mehr als das Kontoguthaben aus. Und Hand aufs Herz, wie viele gesunde Menschen, die besser eine Versicherung abschliessen würden entscheiden sich für eine Risikolebensversicherung? Man ist ja schliesslich Gesund und es wird schon nichts passieren. . .
    Ablehnen den Kommentar ablehnen