Business Academy: Arbeitslose in Falle gelockt

Mit Scheinfirmen lockt die Organisation «Business Academy» Leute an Veranstaltungen. Wer dort unterschreibt, sitzt in der Falle. Die dubiose Firma kassiert Tausende von Franken für fragwürdige Kurse. Seit Jahren agiert die Organisation am Rande der Legalität. «Kassensturz» hat sich eingeschleust.

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Business Academy: Arbeitslose in Falle gelockt

9:17 min, aus Kassensturz vom 19.12.2008

«Kassensturz»-Redaktor Philippe Odermatt wird an einem Zürcher Bahnhof eine Visitenkarte zugesteckt. Die Firma Victory Coorperation sucht neue Mitarbeiter. Wer steckt dahinter? Er nimmt Kontakt auf und wird an einen Informationsabend der «Business Academy» eingeladen. Treffpunkt ist das Seminarhotel Spirgarten in Zürich, der «Kassensturz»-Redaktor schleust sich ein.

Auf Provisionsbasis

Auch Bea Bachmann war im Frühling im Hotel Spirgarten. Sie suchte Arbeit. An der Veranstaltung mit 200 anwesenden Personen hätten Menschen erzählt, dass sie bis zu 30'000 Franken im Monat verdienen. «Und da ich wirklich finanziell am Boden war, habe ich das geglaubt», erzählt Bachmann.

Erst am zweiten Abend erfahren die Arbeitssuchenden, worum es wirklich geht: Sie sollen sich ein völlig überteuertes Weiterbildungspaket kaufen. Es kostet 6800 Franken und besteht aus einem Ordner, vier Audio-CDs und sechs Seminartagen. Dafür unterzeichnen sie einen Kaufvertrag. Geld verdienen die Arbeitssuchenden nur, indem sie weitere Personen dazu bringen, den Vertrag zu unterschreiben. Für jeden neuen Kunden erhalten sie eine Provision. Wer fleissig ist, steigt im Pyramidensystem auf.

Rücktritt missachtet

Auch Jessica Brülhart war an einer Veranstaltung der «Business Academy». Es kamen ihr bereits am Abend Zweifel, doch der Verkäufer drängte zur Unterschrift. Sie zahlte 3000 Franken in bar. Ein Fehler: Sofort schrieb sie die Kündigung. Denn im Verkaufsvertrag wird ein Rücktrittsrecht innerhalb von sieben Tagen erwähnt. Doch Jessica Brülhart erhält weitere Rechnungen.

6000 Franken in grossen Scheinen hat ein junger Mann am Tag nach der Veranstaltung der «Business Academy» übergeben. «Kassensturz» trifft ihn vor dem Seminarhotel Sempachersee in Nottwil. Dort hat er vor einem Jahr unterschrieben. Der 23-Jährige möchte anonym bleiben. Auch er ist zurückgetreten, seither kämpft er um sein Geld: «Ich habe sie betrieben, doch sie haben Rechtvorschlag erhoben. Ich hätte dann einen Anwalt nehmen sollen, aber ich hatte kein Geld dafür.»

Bedenkzeit verwehrt

Wer unterschreibt, sitzt in der Falle. Die «Business Academy» versucht mit allen Mitteln, an Geld zu kommen. Bea Bachmann hat kein Geld – kein Problem für die «Business Academy». Sie füllt für sie Kreditanträge aus – «ohne mein Wissen», sagt Bachmann. Sie habe niemandem einen solchen Auftrag gegeben.

«Kassensturz»-Redaktor Philippe Odermatt lässt stundenlang die Vorträge und Einzelgespräche der «Business Academy» über sich ergehen. Nach dem Referat versuchte er, die beiden Verträge mitzunehmen. Odermatt: «Ich habe gesagt, ich würde gerne eine Nacht darüber schlafen und ihn am nächsten Tag zurückschicken, aber das war nicht möglich.» «Kassensturz» versucht mit den Verantwortlichen ein Interview zu führen, doch vor die Kamera treten will an diesem Abend niemand.

Vollmundige Versprechen

Das Firmenkonstrukt ist undurchsichtig. Auf der Homepage finden sich keine Namen, aber viele Fotos der Mitglieder. Ein braungebrannter Herr bezeichnet sich als Seminarleiter. Er hält an den Informationsabenden die Referate und verspricht: Wer Gas gibt, steigt zum Verkaufsleiter auf und wird viel verdienen.

«Kassensturz» besuchte bereits im Jahr 2005 eine Veranstaltung der «Business Academy» und filmte damals mit versteckter Kamera: gleiche Masche, gleicher Referent. Dass es nur ums Abzocken geht, schreiben verschiedene Zeitschriften seit Jahren. Doch die «Business Academy» kann weiter Abend für Abend irgendwo in der Schweiz Ahnungslose über den Tisch ziehen. Denn bisher hat sie kein Richter gestoppt.

Strafuntersuchung eröffnet

Jetzt führt die Zürcher Staatanwaltschaft gegen die Verantwortlichen der «Business Academy» eine Strafuntersuchung. Sämtliche Anzeigen aus der ganzen Schweiz landen auf dem Tisch von Staatsanwältin Cornelia Hürlimann: «Es wird abgeklärt, ob sich diese Personen wegen Betrugs, Widerhandlung gegen das Lotteriegesetz oder Widerhandlungen gegen das Bundesgesetz gegen unlauteren Wettbewerb strafbar gemacht haben.»

Es gilt die Unschuldsvermutung – «Kassensturz» bleibt dran.