In der Stellenanzeige: Schweizer Lohngeheimnis wird gelüftet

In der Schweiz hat Diskretion Tradition, wenn es um das Salär geht. Das Offenlegen des Lohns ist noch immer ein Tabu. Dass es auch anders geht, zeigen die Zürcherischen Verkehrsbetriebe VBZ. Dort wird der Lohn gleich im Stelleninserat publiziert.

Knapp 5‘500 Franken verdient ein Busfahrer der Stadt Zürich, wenn er unter 30 Jahre alt ist. Einem Ingenieur winkt ein Jahreslohn zwischen 105‘000 und 140‘000 Franken. So steht es klipp und klar in den aktuellen Stelleninseraten der Zürcher Verkehrsbetriebe VBZ, wie die Pendlerzeitung «20 Minuten» schreibt.

Geheimniskrämerei um Lohn «absurd»

Dass man als Arbeitgeber von den Stellenbewerbern enorm viele Informationen verlange, selber aber gerade um ein wichtiges Thema wie den Lohn ein Geheimnis mache, sei eigentlich absurd, sagt VBZ-Personalchef Jörg Buckmann gegenüber dem Konsumentenmagazin «Espresso» auf SRF1.

Für Stellenbewerber habe die neue Transparenz nur Vorteile. Der Bewerber und die Bewerberin wisse so, was Sache ist: «Bewerber mit Lohnvorstellungen, die nicht in unser System passen, wissen so gleich von Anfang an, dass sie sich nicht die Zeit nehmen müssen, ihre Unterlagen einzuschicken. »

Massnahme kommt gut an

Seit einem Jahr publizieren die Zürcher Verkehrsbetriebe VBZ, die rund 2‘500 Leute beschäftigen, die Löhne in all ihren Stellenausschreibungen. Und man mache gute Erfahrungen damit: «Die externen Reaktionen sind super.Die neue Transparenz kommt enorm gut an, gerade weil wir uns dies in der Schweiz nicht gewohnt sind. In der Regel bewirbt man sich in finanzieller Hinsicht ja einfach mal ins Blaue hinein», so Jörg Buckmann von der VBZ.

Lohntransparenz-Umfrage

  • Befürworten sie, dass Löhne in Job-Inseraten erwähnt werden?

  • Ja.

    88%
  • Nein

    12%
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Aber auch intern komme die neue Lohntransparenz gut an. Zu wissen, was der künftige Kollege oder die neue Chefin verdienen wird, entkrampfe den Umgang mit dem Thema Lohn.

Arbeitgeberverband sieht Nachteile

Beim Schweizerischen Arbeitgeberverband findet man den Ansatz der Zürcher Verkehrsbetriebe zwar «interessant». Daniella Lützelschwab von der Geschäftsleitung des Arbeitgeberverbandes sieht aber nicht nur Vorteile. Stossend sei vor allem, dass der Lohn so extrem in den Vordergrund rücke und viele Bewerber abschrecken könnte, sich überhaupt für einen Job zu interessieren. «Ein Unternehmen, das keine so hohe Löhne zahlen kann, aber vielleicht andere interessante Leistungen bietet, wird deshalb vielleicht nicht berücksichtigt. Das ist schade.»

In Österreich per Gesetz Transparenz

Dass Schweizer Arbeitgeber per Gesetz gezwungen werden, die Löhne bereits im Stelleninserat zu publizieren – wie das im Nachbarland Österreich seit 2011 der Fall ist – kann man sich beim Arbeitgeberverband deshalb nicht vorstellen. Immerhin einen Schritt in Richtung Transparenz hat die Schweizerische Bundesverwaltung gemacht. In den internen Stellenausschreibungen werde der Lohn angegeben, teilt das Eidgenössische Personalamt EPA auf Anfrage von «Espresso» mit. Gegen aussen hält man sich aber nach wie vor bedeckt.