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Arbeit Multicheck: Kritik an Beurteilung von Schülern

Die Eignungstests der Firma Multicheck gehören bei vielen Lehrbetrieben zum Standard. Bewerber müssen die Resultate beilegen. Kritik von Eltern, Lehrern und auch aus der Berufsbildung wird aber laut: Zu teuer und intransparent sei der Test. Und die Schule gebe so ihre Kernkompetenz ab.

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5:19 min, aus Espresso vom 24.11.2015.

Ein «Espresso»-Hörer aus dem Kanton Zürich klagt: «Obwohl unser Sohn vor zwei Jahren die Aufnahmeprüfung ins Gymnasium und in diesem Jahr die Aufnahmeprüfung in die Handelsschule jeweils bestanden hat, war sein Testergebnis im Multicheck nicht ausreichend und geradezu niederschmetternd. Eine Lehrstellenbewerbung mit diesem Ergebnis wäre sicher chancenlos.»

100 Franken hat der Vater für den Test bezahlt und später noch einmal 100 Franken für einen zweiten Multicheck-Test: «Bei unseren Abklärungen stellte sich heraus, dass alle Mitschüler, die an diesem Test teilgenommen haben, ein ähnliches Ergebnis erzielten. Auch bei der späteren Wiederholung des Tests wurden die Ergebnisse nicht viel besser. Ich gehe davon aus, dass es tausenden von Jugendlichen nicht anders ergeht. Die meisten Eltern empfinden diese Praxis übrigens als reine Abzocke.»

Keine Antworten der Firma Multicheck

Die Firma Multicheck hat gegenüber «Espresso» weder telefonisch noch schriftlich Stellung genommen. Auf der Internetseite ist zu lesen, dass die Firma Multicheck in der Schweiz jährlich rund 30‘000 Tests durchführt. Die Kosten pro Test sind unterschiedlich hoch, für die meisten vierjährigen Lehren beträgt er 100 Franken, für die meisten dreijährigen Lehren sind es 75 Franken und für die zweijährige Berufslehre mit Berufsattest sind es 50 Franken.

Es gibt acht verschiedene Tests, je nach Berufsrichtung.

Die Lehrmeister können die Schulnoten nicht einordnen

In den letzten zehn Jahren hat es in vielen Kantonen neue Bewertungssysteme und Bezeichnungen von Fächern gegeben, was es den Lehrbetrieben immer schwerer macht, den Durchblick zu behalten und die Schulnoten auch richtig einzuordnen. Denn darauf sind sie bei der Selektion von Bewerbungen angewiesen.

Michael Kraft ist Jugendberater beim KV Schweiz und sieht, dass immer mehr Lehrbetriebe überfordert sind von den Schulnoten: «Es gibt sehr viele Unternehmen, die sagen, der Multicheck gehört zum Dossier dazu. Ein grosses Problem des Multichecks: Er ist sehr tagesform-abhängig.» So werde man den Jugendlichen nicht gerecht.

«Die Schule hat die Beurteilung der Jugendlichen aus der Hand gegeben»

Michael Kraft vom KV Schweiz beobachtet, dass bei dieser Beurteilung seit Jahren eine Verlagerung stattgefunden habe, aus der Schule in die Hände einer privaten Firma. «Eltern müssen das bezahlen und die Transparenz ist sehr beschränkt.»

Auch beim Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz LCH beobachtet man diese Entwicklung besorgt. Jürg Brühlmann ist Leiter der pädagogischen Arbeitsstelle: «In der Verfassung heisst es, die Volksschule sei unentgeltlich. Und mit diesen Gebühren für die Tests ist es im Grunde genommen ein Verfassungsbruch.»

Man sei da in einem Graubereich, weil die Multichecks an der Schnittstelle zwischen Schule und Berufswelt stattfinden. Man würde sich wünschen, dass die Beurteilung wieder reine Sache der Schule werde, so dass das Gewerbe etwas damit anfangen könne.

Transparenz für Eltern wäre erwünscht

Der «Espresso»-Hörer, dessen Sohn beim Multicheck scheiterte, ärgert sich noch über etwas anderes: «Auf telefonische Nachfrage bei Multicheck wurde mir mitgeteilt, dass es keine Möglichkeit gibt, den Test einzusehen oder in die Beurteilungskriterien Einblick zu erhalten.»

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