Zum Inhalt springen

Arbeit Spardruck im Detailhandel: Coop-Mitarbeiter leiden

Der «Kassensturz»-Bericht über Coop und ihre Verstösse gegen das Arbeitsgesetz hat hohe Wellen geschlagen. Viele betroffene Mitarbeiter haben sich gemeldet. Und es stellte sich heraus: Schuld am übertriebenen Spardruck ist die Coop-Chefetage. Diese verspricht nun Besserung.

Legende: Video Spardruck im Detailhandel: Coop-Mitarbeiter leiden abspielen. Laufzeit 12:00 Minuten.
Aus Kassensturz vom 18.02.2014.

Kurzfristig geänderte Einsatzpläne, Gratisarbeit und Manipulationen bei der Stundenerfassung: Die «Kassensturz»-Recherchen über unhaltbare Arbeitsverhältnisse bei Coop schlagen hohe Wellen. Nach dem ersten Beitrag schreiben hunderte von Betroffenen aus der ganzen Schweiz im Online-Forum von «Kassensturz/Espresso».

Das Leiden ist gross. Die Angestellten berichten von Schlaflosigkeit, Stress und Verzweiflung. Das Limit sei erreicht, erklärt eine Coop-Mitarbeiterin: «Die Leute werden krank, sind ausgelaugt». Man könne nichts mehr einsparen beim Verkaufspersonal.

Spardruck kommt von oben

Coop-Mitarbeiter spielen «Kassensturz» ein aktuelles, internes Dokument zu mit brisantem Inhalt. Das Schreiben fordert die Filialleiter auf, kurzfristig Einsparungen vorzunehmen, auf dem Buckel der Angestellten: «Auch in dieser Woche müssen die Personalkosten […] nach unten korrigiert werden». Darunter aufgelistet: hunderte von Arbeitsstunden, die jeder Filialleiter kurzfristig einsparen muss. Das Dokument beweist: Der Spardruck kommt von oben, aus der Chefetage von Coop.

Dass Einsatzpläne systematisch und kurzfristig geändert werden, ist für Carlo Mathieu von der Gewerkschaft Syna inakzeptabel: «Arbeitspläne dürfen nur im gegenseitigen Einverständnis mit dem Mitarbeiter abgeändert werden.» Generell müssten Arbeitspläne mindestens zwei Wochen zum Voraus fixiert sein. So stehe es auch im Coop-Gesamtarbeitsvertrag, erklärt Syna-Detailhandelsspezialist Carlo Mathieu im Interview mit «Kassensturz».

Auch Filialleiter leiden

Nicht nur das Verkaufspersonal, sondern auch die Vorgesetzten leiden unter dem immensen Spardruck. Ein Filialleiter meldet sich bei «Kassensturz» und bestätigt: «Wenn nichts läuft, müssen wir die Leute heimschicken.» Mit den daraus resultierenden Minusstunden würden dann die Personalkosten gesenkt. Ein solches Vorgehen verstösst gegen das Arbeitsgesetz.

Das weiss auch der Filialeiter, aber ist in einem Dilemma: «Das Arbeitsgesetz einhalten und gleichzeitig die Sparbefehle ausführen, das geht nicht auf.» In einer schriftlichen Stellungahme gesteht Coop Fehler ein und stellt Verbesserungen in Aussicht: In Fällen, wo die Sparvorgaben zu anspruchsvoll seien, würden diese angepasst. Ziel sei eine korrekte Behandlung aller Mitarbeitenden.

Mehr Transparenz dank Stempeluhren

Coop verspricht, den Spardruck zu senken. Das begrüsst Carlo Mathieu von der Gewerkschaft Syna. Doch der Gewerkschafter fordert weitere Massnahmen, um die illegalen Manipulationen bei den Einsatzplänen zu stoppen: Stempeluhren müssten allgemein im Detailhandel eingeführt werden: «Bei Unternehmungen, die Stempeluhren haben, sind illegale Manipulationen viel seltener.» Diese Idee unterstützt auch der betroffene Filialeiter. Für ihn ist klar, Coop muss jetzt handeln: «Die Wut und der Frust müssen abflauen, so geht es nicht weiter.»

Legende: Video Studiogespräch: Hansjürg Dolder vom Amt für Wirtschaft und Arbeit Basel-Stadt abspielen. Laufzeit 4:33 Minuten.
Aus Kassensturz vom 18.02.2014.

135 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Teilen Sie Ihre Meinung... anwählen um einen Kommentar zu schreiben

Wir haben Ihren Kommentar erhalten und werden ihn nach Prüfung freischalten.

Einen Kommentar schreiben

Bitte beachten Sie unsere Netiquette verfügbar sind noch 500 Zeichen

Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.

  • Kommentar von Andreas Ballmer, Oensingen
    Meine Eindrücke über die Arbeitsbedingungen für Mitarbeiter bei COOP werfen in letzter Zeit vermehrt Fragen auf, welche ich für vergleichbare Jobs nicht ins Verhältnis stellen kann. Fachleute mit eidg. Fz werden kaum respektiert welches sich durch di enorme Distanz zwischen oberem Kader und unteren Führungspersonen ergibt. Sehr fragwürdig sind Umgänge von Kaderpersonen mit großer Verantwortung (oberes Kader u. Mittleres Kader). Anscheinend ist Mobbing nun ein anerkanntes Förderungsmittel.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
  • Kommentar von Lisa Sachser, Aargau
    Drei Mal hat der Chef gewechselt und bis heute hat sich NICHTS geändert. Ich werde dauernd rausgestrichen, und anstelle der 33 Stunden , arbeite ich manchmal nur 20 was mir ein rieseiges Minus einbringt. Anderweitig arbeite ich dann aber in anderen Wochen fast 50 Stunden. Für mich geht das nicht auf. Der grosse Druck, das Mobbing und die schlechte Behandlung haben mich dazu veranlasst den Coop zu verlassen. Ich halte es nicht mehr aus.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
  • Kommentar von Bald ex-Coop, Thurgau
    Heute 21.7.2015 - es hat sich nichts gebessert. Das Personal wird immernoch ausgenommen ausgenützt und unter Druck gesetzt. Liebe Kundinnen und Kunden, wenn Sie in ihrem Coop unfreundliche Verkäufer treffen, es liegt nicht an Ihnen sondern an Coop. Ich bin dankbar in wenigen Wochen weg von diesem Unternehmen zu sein. Es deprimiert und macht Krank.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
    1. Antwort von Malu, Die wahrheiten
      Hallo ich bin coop Mitarbeiterin ..arbeitsbedingungen sind unmenschlich extrem erdrükend..und wen mann aus diesen gründen nicht sich normal verhaltet,wird mann von team Vorgesetzten oder kunden prowoziert,oder ausgenutzt.aber iich habe niemals aufgegeben..und habe es kapiert das ich alldiese negativem dingen nicht mich kaputmache.ich bin fur negativen taub. Weill mein job fur mich wichtier ist,als den a....chern
      Ablehnen den Kommentar ablehnen