Uniformen aus Mazedonien: Schweizer Armee in der Kritik

Schweizer Firmen lassen ihre Berufskleider in der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien herstellen – zu Tiefstlöhnen. Recherchen von «Kassensturz» zeigen: Auch für die Armee nähen Arbeiterinnen Uniformen. Die Hilfsorganisation «Erklärung von Bern» kritisiert die unfairen Arbeitsbedingungen.

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12.06.12: Uniformen aus Mazedonien: Schweizer Armee in der Kritik

12 min, aus Kassensturz vom 12.6.2012

Polizisten, Spitalpersonal, Verkäuferinnen, Köche, Soldaten – für sie alle nähen Arbeiterinnen in der  ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien Kleider und Uniformen.  Das Land ist nicht weit weg von der Schweiz und es hat eine Tradition in der Kleiderproduktion.

Bewusst tiefe Löhne

Doch ein wichtiger Grund, warum die Schweizer Firmen in Mazedonien produzieren lassen, sind die tiefen Löhne. Der Mindestlohn beträgt nur 122 Franken pro Monat. Und der wird von der Regierung bewusst tief gehalten. «Tiefe Lohnkosten sind ein Vorteil für Investoren. Die Industrie zieht dorthin, wo die tiefsten Löhne geboten werden. Und das weiss die Regierung auch», sagt Christa Luginbühl von der Hilfsorganisation «Erklärung von Bern».

Schuften zu Tiefstlöhnen

Bildlegende: Schuften zu Tiefstlöhnen SRF

Doch auch wenn dieser Mindestlohn überschritten wird, bedeutet das immer noch ein Leben in Armut, weiss Christa Luginbühl: «Das deckt nur etwa 20 Prozent der Haushaltsausgaben. Das reicht nicht zum Leben.»

Verhältnisse wie in Bangladesch

Die offizielle Statistik zeigt, dass eine vierköpfige Familie ungefähr 600 Franken pro Monat ausgibt. Der gesetzliche Mindestlohn beträgt 122 Franken. «Das sind Verhältnisse, wie man sie zum Beispiel in Bangladesch kennt. Es ist nicht in Ordnung, dass Schweizer Firmen von so tiefen Löhnen und der Abhängigkeit der Arbeitnehmer profitieren.»

Die «Erklärung von Bern» fordert in einer Kampagne mehr soziale Verantwortung bei der Auftragsvergabe. Vor allem stossend sei, wenn soziale Ausbeutung durch Schweizer Steuergelder gefördert werde.

Stellungnahmen der Auftraggeber und Lieferanten

Die Aufträge für Militäruniformen vergibt der Bundesbetrieb Armasuisse. Nach Anfrage von «Kassensturz» verwies diese auf ihre Lieferanten und teilte mit, diese müssten internationale Arbeitsrichtlinien einhalten und auch die Mindestlöhne einhalten.

Die Firma Albiro, die in Mazedonien Uniformen für die Schweizer Armee produzieren lässt, erklärt, ihre mazedonischen Zulieferer hielten arbeitsrechtliche Vorgaben vollumfänglich ein. Die gesetzlichen Mindestanforderungen würden teilweise um über 50 Prozent übertroffen. Zudem kündigt Albiro an, sie werde Mitglied einer Multistakeholderinitiative.

Eine weitere wichtige Lieferantin ist die Firma Jas. Die Firma schreibt: Ihre Vertragspartner würden mehr als den gesetzlichen Mindestlohn bezahlen und hielten sich an den Code of Conduct. Sie erachteten es als sinvoll, Arbeit nach Mazedonien zu vergeben.

Die Firma Workfashion  beliefert beispielsweise Migros, Axpo oder TCS. Workfashion schreibt «Kassensturz»: Die Bekleidungsindustrie ist schon immer eine Niedriglohnindustrie gewesen.» Und: «Die Frauen in Mazedonien sind in den seltensten Fällen alleine für den Unterhalt der Familie besorgt.» Ausserdem biete die Bekleidungsindustrie für viele ArbeitnehmerInnen sichere und gute Arbeitsplätze. Workfashion hat «Kassensturz» als einzige Firma Einblick in externe Audits gewährt.