Wie aussagekräftig Personalumfragen sind

Laut einer Umfrage der Gewerkschaft Syndicom leiden viele Postmitarbeiter unter dem grossen Verkaufsdruck. Die Post dementiert und verweist auf eigene Mitarbeiterbefragungen. Wie erklärt sich dieser Widerspruch? Und was bringen solche Mitarbeiterbefragungen überhaupt?

Arbeits- und Organisationspsychologe Silvan Winkler vom Marktforschungsinstitut GfK sieht eine mögliche Erklärung in unterschiedlichen Fragestellungen.

Die Gewerkschaft stellte in ihrer Umfrage konkrete Fragen zum Verkaufsdruck. Bei der Mitarbeiterbefragung der Post sei dieses Thema vermutlich nur eines von vielen Kriterien gewesen, so Winkler.

Er sieht deshalb nicht unbedingt einen Widerspruch: «Mitarbeitende können mit ihrer Arbeitssituation insgesamt zufrieden sein, auch wenn sie mit einzelnen Zielvorgaben nicht klarkommen.»

Positives Feedback aus Angst vor Jobverlust

Die Berichterstattung des Konsumentenmagazins «Espresso» auf Radio SRF 1 hat grosses Echo ausgelöst. Viele Post-Mitarbeitende oder Ehemalige berichten in der Folge, dass sie in den Personalumfragen der Post aus Angst vor Jobverlust tendenziell zu positive Antworten gaben. Sie zweifelten an der Anonymität der Umfrage.

Silvan Winkler kennt diesen Effekt zwar, widerspricht dennoch: Es sei die Aufgabe jedes seriösen Befragungsinstituts, die Anonymität der Mitarbeitenden zu 100 Prozent zu gewährleisten.

Was bringt’s überhaupt?

Die Mitarbeiterbefragung ist eine Chance, den Vorgesetzten und dem Unternehmen den Spiegel vorzuhalten. Und diese Chance sollte man wahrnehmen, rät Organisationspsychologe Silvan Winkler. Denn nur so könne sich etwas ändern: «Aus den Resultaten ziehen die Vorgesetzten dann hoffentlich die richtigen Schlüsse und ergreifen wirksame Massnahmen.»

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