Abzocke Partnervermittlung: Wenn Amor nur aufs Geld schielt

Traditionelle Partnervermittlungs-Agenturen sind teuer. Im Gegensatz zu Online-Plattformen versprechen sie professionelle Begleitung. «Kassensturz» zeigt Firmen in Amors Gewand, die einzig auf das Portemonnaie ihrer Kundinnen und Kunden abzielen.

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05.02.13: Abzocke Partnervermittlung: Wenn Amor nur aufs Geld...

13 min, aus Kassensturz vom 5.2.2013

J.S. wollte ihrem Glück nachhelfen. Die 60-jährige wünschte sich Jahre nach dem Tod ihres Mannes wieder einen Partner. Sie wandte sich an die Contacta Partnerwahl, ein Innsbrucker Vermittlungsinstitut, mit zwei Büros in der Ostschweiz.

Professionelle Betreuung ist viel Geld wert

J.S. zog ein traditionelles Institut einer Internetplattform vor. Es schien ihr sicherer: «Für mich war es wichtig, dass die Partnersuchenden zuerst zu einem Gespräch gehen müssen.»

Ausserdem wünschte sie sich eine professionelle Unterstützung und war bereit, dafür zu bezahlen. Ein Partnervermittlungsvertrag über 12 Monate kostet bei der Contacta 3600 Franken. Das ist viel Geld, auch für die 60-Jährige. Doch die Aussicht auf einen Partner war ihr das wert.

 Den Betrag sollte sie in zwei Raten bezahlen. Die Firma verpflichtete sich im Gegenzug, ihr während 12 Monaten Partnervorschläge zukommen zu lassen. J.S. bezahlte die erste Rate von 1800 Franken sechs Tage nach Vertragsabschluss.

Kein einziges Date

J. S. wähnte sich in guten Händen. Der zuständige Mitarbeiter machte ihr Hoffnungen und sagte, bis in einem Jahr hätte sie sicher einen Partner gefunden. Doch J.S. lernte keinen einzigen Mann kennen: «Von den Vorschlägen, die ich bekommen habe, war keiner bereit zu einem Treffen.» Waren das nur Lockvogel-Angebote in der Datei der Agentur? Sie fühlte sich betrogen und kündigte den Vertrag vorzeitig. Daraufhin schickte Contacta eine Rechnung über 1200 Franken. Erst als «Kassensturz» sich einschaltet verzichtete die Firma. Für J.S. ist klar: «Der Firma geht es nur ums Geld.»

Wolfgang Posch, Contacta-Geschäftsführer schreibt «Kassensturz»: «Zum Zeitpunkt der Vermittlung waren die Herren frei und partnersuchend. Da es sich um erwachsene Menschen handelt, können wir niemanden zu einer Begegnung zwingen.» Ausserdem sei das Honorar fair und nicht überzogen.

Der Verdacht: Gefälschte Lockvogel-Profile

Leere Versprechungen und wenig Leistung, diese Erfahrung machte auch S.H. Die 64-jährige Geschäftsfrau unterschrieb einen Vertrag bei Hiltbrand Consulting. Kostenpunkt: 5000 Franken. Im Vertrag stand: Bis Erfolg. Aber auch S.H. hat keinen einzigen Mann kennengelernt. Sie hegt einen schwerwiegenden Verdacht: «Ich frage mich, ob die Herren auf der Homepage oder in den Inseraten auch wirklich in der Kartei von Hiltbrand Consulting existieren.»

Als sich S.H. nämlich für ein ganz bestimmtes Profil interessierte und um Zustellung der Daten bat, bekam sie weder eine Antwort noch die Adresse des Interessenten. Insgesamt erhielt sie zwar sieben Partnervorschläge, aber keiner entsprach ihren festgelegten Wunschprofil.

Kunden fühlen sich ausgenutzt 

Im Zusammenhang mit Hiltbrand Consulting kennt «Kassensturz» weitere Fälle. Auch M. L., eine 50-jährige Akademikerin, schloss einen Vertrag mit dieser Partnervermittlung ab. Und auch sie bezahlte 5000 Franken für nichts. Deshalb kündigte sie einen Monat später den Vertrag vorzeitig und verlangte das Geld zurück.

Vertrag

Bildlegende: Die Ermittlung eines gegengeschlechtlichen Partners geht ins Geld. SRF

M.L. fühlte sich betrogen und schrieb «Kassensturz»: «Wurde mir einiges vorgetäuscht? Bin ich naiv…ausgenutzt worden?» Sie bekam einen einzigen Partnervorschlag zugesandt, er entsprach nicht dem abgemachten Profil. Telefonisch erreichte sie den Geschäftsführer von Hiltbrand Consulting nicht, ihre Mails und Nachrichten blieben unbeantwortet.

Der Geschäftsführer Hiltbrand Consulting, Marc Hiltbrand, wollte zu den Vorwürfen keine Stellung nehmen. Am Telefon wies er sämtliche Vorwürfe zurück und bestritt, Lockvogelangebote zu machen oder gemacht zu haben.

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Studiogespräch mit Rechtsexpertin Gabriela Baumgartner

4:41 min, aus Kassensturz vom 5.2.2013

 
 

Rechtsexpertin Gabriela Baumgartner gibt Auskunft