Backofen-Automat zeigt Mängel

Die Funktion «Garautomatik» des Küchengeräte-Herstellers V-Zug verspricht Revolutionäres: Der vollautomatische Backofen erkenne ohne manuelle Eingabe Gewicht, Grösse und Dauer der Backware. «Kassensturz» zeigt einen Fall, bei dem die teure Innovation nicht bäckt, was die Werbung verspricht.

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Vollautomatischer Backofen: Nicht ganz gebacken!

5:49 min, aus Kassensturz vom 15.1.2013

Die Investition in einen neuen Backofen hätte den dreifachen Eltern Peter und Tanja Arn den Alltag erleichtern sollen. Sie entschieden sich für ein Gerät der Schweizer Firma V-Zug, ausgestattet mit dem Zusatz «Garautomatik». Der Hersteller verspricht: «Alles gelingt vollautomatisch!»

Unbefriedigende Backresultate durch und durch

Dies mache die manuelle Eingabe von Dauer, Temperatur, Betriebsart und Gewicht überflüssig. Einzig die Lebensmittelgruppe, wie Fleisch oder Brot, sowie den Bräunungsgrad muss eingegeben werden. Den Rest erledigt die «Garautomatik» von alleine. 4450 Franken bezahlte das Ehepaar Arn für das Haushaltsgerät.

Zwei Jahre später zeigen Fotos und Filmaufnahmen: Der Backofen bäckt nicht, was er verspricht. Die Wähen sind auf einer Seite dunkelbraun, auf der anderen kaum gebacken. Der Zopf sieht zwar auf den ersten Blick ganz gut aus, ist beim Aufschneiden aber teigig und ungeniessbar. Gleich schmecken auch die Kartoffelschnitze und besonders unbefriedigend die Pizza: Sie ist nach der automatisch berechneten Zeit halbroh. «Wir verlangen von V-Zug ein funktionstüchtiges Gerät», sagt Peter Arn.

Halbroher Pizzateig

Bildlegende: Ungeniessbares Resultat: Die automatisch gebackene Pizza ist halbroh. SRF

V-Zug gesteht: Die Technik ist nicht ausgereift

Der Backofen von Arns ist seit ihrer ersten Intervention durch viele Hände gegangen. Laut Peter Arn kam mehrmals ein Servicetechniker vorbei. Eine Angestellte kontrollierte zusätzlich, ob Arns die Funktion auch richtig verwenden. Schliesslich lieferte V-Zug ein Ersatzgerät. Der ursprüngliche Backofen liess die Firma in einem Labor untersuchen. V-Zug bestätigt daraufhin in einem Schreiben, dass das Gerät wirklich mangelhaft sei.

Das Ersatzgerät hat laut Peter Arn zwar besser gebacken – allerdings nur optisch. Sein Verdacht: Die Funktion «Garautomatik» ist nicht ausgereift. «Deshalb liefert uns V-Zug auch nicht einfach ein neues Gerät.» Pikanterweise bekommt er vom Hersteller recht. Die Firma schreibt ihm: «Aufgrund des komplexen Aufbaus der Garautomatik benötigt die Optimierung doch eine geraume Zeit und kann allenfalls erst auf eine zukünftige Geräte-Generation realisiert werden.»

Der Konsumentenschutz kritisiert falsches Werbeversprechen

Gegenüber «Kassensturz» sagt V-Zug, die Funktion sei patentiert und wissenschaftlich unabhängig überprüft und gutgeheissen worden.

Display mit Funktion GarAutomatik.

Bildlegende: Ein Backofen, der automatisch backen soll. Tatsächlich? SRF

Mittlerweile stellen Arns ihren Backofen wie in guten alten Zeiten ein oder backen zumindest manuell nach. Der Fall hat mittlerweile auch die Stiftung Konsumentenschutz Schweiz auf den Plan gerufen, wie «Kassensturz» weiss. Die Organisation hat sich bei der Lautbarkeitskommission über das falsche Werbeversprechen von V-Zug beschwert.

Die gute Nachricht: V-Zug hat Arns nach ihren vielen Beschwerden endlich ein neues Gerät versprochen. Bleibt zu hoffen, dass dieses halten wird, was die Werbung als «Weltneuheit» posaunt.

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