Experten warnen vor gefährlichen Karten

Schneeschuhwandern ist mittlerweile zum Massensport geworden. Selbst ungeübte Schneesportler wagen sich auf Touren. Doch «Kassensturz»-Recherchen zeigen: Einige Tourenkarten können Sportler in Gefahr bringen.

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Experten warnen vor gefährlichen Orientierungshilfen

7:11 min, aus Kassensturz vom 1.2.2011

Immer mehr Menschen entdecken den Reiz, mit Schneeschuhen durch tiefverschneite Landschaften zu stapfen. Ein Trend mit Schattenseiten. Denn im Winter ist die Orientierung erschwert: Wege und Markierungen sind nicht mehr erkennbar. Jedes Jahr sterben Schneeschuhläufer in Lawinen oder stürzen ab. Problematisch ist auch, dass die Wanderer im Lebensraum der Wildtiere unterwegs sind und diese aufschrecken.

Die Snowtrailmaps, die ersten Schneeschuh-Wanderkarten der Schweiz, sollen diese Probleme lösen. «Alle Wildschutzgebiete» seien in der Karte eingezeichnet, verspricht der Kartenherausgeber, die Swiss Sports Publishing GmbH. Blaue Linien markieren die leichten Routen und rote Linien die Routen für Menschen mit alpinen Kenntnissen. «Das Routennetz wurde zusammen mit erfahrenen Schneeschuhläufern erarbeitet und mit den Behörden auf seine Umweltverträglichkeit geprüft», so steht es auf der Rückseite der Karten.

Verbotene Routen durch Wildschutzgebiete

Doch das stimmt nicht. Das Naturschutzgebiet Ibergeregg im Kanton Schwyz ist beispielsweise nicht auf der Karte eingezeichnet. Claudine Winter vom Amt für Natur, Jagd und Fischerei kritisiert die Snwotrailmap Schwyz: «Auf dieser Karte sind Routen eingezeichnet, die aus wildschutz- und sicherheitstechnischen Gründen problematisch sind und so von den Behörden nicht abgesegnet wurden.»

Gefährliche Schneewanderkarte

Bildlegende: Gefährliche Schneewanderkarte SRF

Auf der Karte befinden sich verbotene Routen, die mitten durch das Naturschutzgebiet führen. Wildhüter büssen Schneeschuhläufer die auf diesen Routen unterwegs sind. Doch diese riskieren nicht nur Bussen, wenn sie den Linien auf den Snowtrailmaps folgen, sondern unter Umständen auch ihr Leben.

Rote Routen mit Absturzgefahr

Zum Beispiel auf der Route von Panix nach Elm, zu finden auf der Snowtrailmap Safien. Die Route führt durch sehr steiles Gelände, links und rechts sind Felswände. Ein Fehltritt wäre fatal. «Diese Tour ist absolut ungeeignet für 95 Prozent der Schneeschuhläufer», sagt Jürg Haltmeier, Bergführer und Gründer der Alpinschule Bergundtal, die geführte Schneeschuhtouren anbietet. «Sie ist viel zu lang, hat zwei sehr heikle Stellen mit Absturzgefahr und ist aufgrund der Lawinenexposition gefährlich.» Haltmeier findet weitere problematische Routen auf der Karte. Im Gegenzug fehlen viele schöne Touren, die für Schneeschuhe gut geeignet wären. «Bei der Auswahl der Routen wurde oberflächlich vorgegangen», so Haltmeier.

Blaue Routen durch Lawinengebiete

Für Monique Walter von der Beratungsstelle für Unfallverhütung bergen solche Karten Gefahren. Bedenklich sei vor allem, dass auf den Karten blaue Routen durch Lawinengebiete führen. «Wenn man solche Karten kauft, erwartet man, dass sie sorgfältig recherchiert sind. Da wird etwas vorgegaukelt, was nicht stimmt.» Walter macht sich vor allem Sorgen um die Sicherheit der Schneeschuhläufer: «Unerfahrene Schneeschuhläufer gehen einer blauen Route nach, in der Meinung, man man brauche hier keine alpine Erfahrung. Plötzlich stehen sie dann in einem Lawinenhang und könnten ums Leben kommen.»

Thomas Giger von der Kartenherausgeberin Swiss Sports Publishing GmbH bestreitet, dass seine Karten schlecht recherchiert sind. Ob eine Route gefährlich sei oder nicht, sei eine individuelle Einschätzung: «Wir klären die Routen mit lokalen Schneeschuhläufern ab. Sie schätzen das so ein und wir schauen dann auf der Karte nach, ob das nachvollziehbar ist oder nicht. Für uns sind das Routen, die nicht gefährlich sind.»

Routen empfehlen ohne gewissenhafte Prüfung, das finden Fachleute wie David Coulin fahrlässig. Coulin verfasst Schneeschuh-Tourenführer für den SAC. Er empfiehlt nur, was er mit eigenen Augen gesehen hat: «Um die Schwierigkeit einer Tour einschätzen zu können, muss ich sie selber ablaufen.» Das macht Sinn, denn nur mit zuverlässigen Toureninformationen ist Schneeschuhlaufen sicher.