Freizeitsportler in der Doping-Falle

Antidoping Schweiz warnt vor Sportlernahrung, die übers Internet in Asien oder den USA bestellt werden kann. Produkte mit dubioser Herkunft können illegale Substanzen enthalten. Hunderte von Bestellern erhalten statt des Päcklis eine Busse.

Ob an der Tour de France oder im Vorfeld der Leichtathletik-Europameisterschaft: Im Spitzensport sind Doping und Dopingkontrollen ein öffentliches Dauerthema. Wie steht es mit Doping im Breitensport? Hobbysportler, die das SRF-Konsumentenmagazin «Espresso» interviewt, halten nur für sich selbst die Hand ins Feuer: «Im Ausdauersport ist Doping schwierig auszuschliessen.» Oder: «Ich kann mir vorstellen, dass es Sportler gibt, die etwas zu sich nehmen.»

400 Doping-Lieferungen abgefangen

Antidoping Schweiz weiss es genauer: 2013 haben die Schweizer Zollbehörden über 400 Sendungen der Doping-Kontroll-Organisation mehr als 400 Sendungen mit verbotenen Dopingmitteln gemeldet. In den allermeisten Fällen seien diese Sendungen an Fitness- und Freizeitsportler adressiert gewesen. Also an Leute, die nicht in offiziellen Sportverbänden und nicht an reglementierten Wettkämpfen wie dem Triathlon in Zürich aktiv sind.

Bleiben Dopingmittel beim Zoll hängen, werden sie vernichtet, und der Besteller erhält statt der Lieferung eine Busse. Michael Krattiger, bei Antidoping Schweiz für Prävention und Information zuständig, warnt im Konsumentenmagazin «Espresso» von Radio SRF 1 speziell vor Sportlernahrung, die übers Internet in Asien oder den USA bestellt werden kann.

Verbotene Stoffe in Sportlernahrung

Bei vielen dieser Produkte lasse sich nicht zurückverfolgen, wo sie hergestellt und ob sie unabhängig getestet wurden. Michael Krattiger: «Solchen Produkten werden – absichtlich oder unabsichtlich – Stoffe beigemischt, die verboten sind, die aber auch einen Leistungseffekt im Körper haben.» So könnten die Hersteller Versprechen halten, die mit einem sauberen Produkt nicht zu erfüllen wären.

Volksläufer mit weisser Weste

Der Kampf gegen Doping hat den Breitensport erreicht. 2013 führte Antidoping Schweiz am Volkslauf «Grand Prix von Bern» eine grossangelegte Kontrolle durch. Resultat: Von 151 Dopingproben waren lediglich zwei positiv, und diese waren mit medizinischen Behandlungen erklärbar. «Hier konnten wir den Amateurläufern ein gutes Zeugnis ausstellen», sagt Michael Krattiger. Und er weist darauf hin, dass Antidoping Schweiz an einem solchen Anlass selbst oder auf Bestellung des Veranstalters unangemeldete Kontrollen durchführen könne (Weitere Informationen siehe Linkbox oben).

Dopen bis zum Tod

Ob man bei einem grossen Sportanlass die Disqualifikation und disziplinarische Massnahmen riskiert oder nicht: Wer sich dopt, geht auf jeden Fall ein gesundheitliches Risiko ein. Michael Krattiger nennt als Beispiel Stimulanzien, die Hunger und Durst unterdrücken. Das kann dazu führen, dass der Körper eigentlich geschützte Reserven aufbraucht – bis zum Tod. Und er spricht von den Wirkungen von Anabolika: Leberschäden, Brustwachstum bei Männern, Vermännlichung bei Frauen, Wachstumsstopp bei Jugendlichen…

Manch ein Sportler, manch eine Sportlerin bleibt auch aus Unwissen in der Dopingkontrolle hängen. Zum Beispiel nach der Einnahme eines Erkältungsmittels: Einige davon enthalten Stoffe, die auf der Dopingliste stehen. Ob ein Medikament in Sachen Doping problematisch ist, zeigt die Übersicht von Antidoping Schweiz.