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Familie und Freizeit Hoteliers wollen Gäste bewerten

Seit Jahren verlassen sich Touristen bei der Hotelauswahl auf Bewertungen anderer Gäste im Internet. Eine Möglichkeit, das beste Angebot zu finden. In Spanien wollen sich Hotelbesitzer neu im Gegenzug mit Bewertungen gegen unliebsame Gäste wehren. «Smileys» und eine schwarze Liste sollen helfen.

Legende: Audio Spanische Hoteliers bewerten Gäste im Web abspielen. Laufzeit 3:45 Minuten.
3:45 min, aus Espresso vom 05.05.2014.

Ferienreisende mit Ziel Spanien müssen ab sofort damit rechnen, dass sie durch das Hotel, in dem sie übernachten oder durch den Ferienwohnungsbesitzer, bei dem sie hausen, bewertet werden. Ein grünes lachendes «Smiley» für den Gast, der sich anständig benimmt. Ein rotes lächelndes Gesicht für den Kunden, der sich, in den Augen des Gastgebers, daneben benimmt. So das System.

Sich vor unliebsamen Gästen schützen

Man wolle sich damit gegen randalierende, diebische Gäste wehren. Und nicht zuletzt wolle man gleich lange Spiesse gegenüber solchen Gästen, die ein Hotel mit unangebrachter Kritik im Netz verunglimpfen würden. So preisen die Betreiber der spanischen Gästebewertungsplattform «Elitebook» ihre Dienste gegenüber Hoteliers an. Notfalls könne man so einen Gast vor der Buchung abweisen.

Gegenüber «Zeit Online» erklären sie, dass sich das Angebot vor allem an die vielen kleinen Familienhotels richte; jene, die in der jetzigen Krise ohnehin oft am Limit wirtschaften würden. Und die schon ein einziger Problemgast empfindlich treffen könnte.

Abgeguckt haben sich die spanischen Hotelbetreiber die Idee in den USA und England. Dort gibt es ähnliche Plattformen wie «GuestChecker» oder «GuestScan». Für umgerechnet rund 30 Franken im Jahr ist ein spanischer Hotel- oder Ferienwohnungsbesitzer dabei und kann Gäste auf der Plattform bewerten.

Datenschutzbedenken und Verwechslungsgefahr

Damit die Hotelbesitzer rechtlich auf der sicheren Seite sind, empfiehlt «Elitebook», das Einverständnis für die Bewertung von ihren Gästen einzuholen. Allerdings auf eine unfaire Art: Die Einverständniserklärung könne einfach im Kleingedruckten des Hoteleintrittsformulars aufgelistet werden, heisst es in einem Video der Gästebewertungsplattform. Der Gast, dem das auffalle und der diese Klausel nicht akzeptieren würde, sei wohl sowieso kein ädaquater Gast.

Screenshot
Legende: Screenshot von Elitebook.es SRF

«Da bleibt nur der Ratschlag: diese Klausel durchstreichen, eine Unterschrift daneben setzen und eine Kopie davon verlangen», erklärt Roland Schmid vom Reiseveranstalter Tui Suisse. Grundsätzlich halte er von dieser Art von Gästebewertung gar nichts. «Da gibt es andere Mittel sich gegen unliebsame Gäste zu wehren», meint der Mediensprecher.

Damit teilt er die Meinung der anderen beiden grossen Schweizer Reiseveranstalter. «Für uns stellt sich bei Gästebewertungen dieser Art die Frage des Datenschutzes sowie der Zweckmässigkeit dieser Massnahme», schreibt Kuoni gegenüber «Espresso». Und Hotelplan gibt auf Anfrage zu bedenken, dass auch eine gewisse Verwechslungsgefahr von Gästen bestünde.

In der Schweiz nicht denkbar

Gerade der hohe Standard des Datenschutzes in der Schweiz dürft ein Grund dafür sein, dass es eine ähnliche Plattform hierzulande nicht gibt. Gegenüber dem Konsumentenmagazin «Espresso» von Radio SRF 1 schreibt denn der Branchenverband HotellerieSuisse auch: «Entsprechende Portale in der Schweiz sind uns nicht bekannt. Auf Grund der hohen Anforderungen des Datenschutzes wären die Plattformen zudem sehr aufwändig zu betreiben.»

Dass sich das Gästeverhalten in den letzten Jahren derart negativ verändert hätte, dass solche Bewertungsplattformen nötig sein könnten, verneinten auf Anfrage sowohl die Schweizer Reiseveranstalter wie auch der Hotel-Branchenverband.

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