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Familie und Freizeit Kino schikaniert mit Taschenkontrolle

Eintritt, Getränk oder Popcorn kosten im Kino viel Geld. Doch damit nicht genug: Immer mehr Kinos schikanieren Kinofans mit Taschenkontrollen, um ihnen mitgebrachte Getränke abzunehmen. «Kassensturz» zeigt: Kinogänger müssen sich nicht alles gefallen lassen.

Legende: Video Kino schikaniert mit Taschenkontrolle abspielen. Laufzeit 05:36 Minuten.
Aus Kassensturz vom 02.10.2012.

Für Liebhaber von Kassenschlagern führt fast kein Weg am Kinoriesen Pathé vorbei. Der Marktführer betreibt in 6 Schweizer Städten 60 Kinosäle.

Wie im falschen Film fühlte sich Andrea W. bei ihrem letzten Besuch Pathé Kino Küchlin in Basel: «Vor dem Kinosaal wurden die Tasche der Kinobesucher kontrolliert. Mitgebrachte Getränke und Esswaren wurden wie auf dem Flughafen konfisziert und durften erst nach der Vorstellung wieder abgeholt werden.»

Für solche Kontrollen hat Andrea W. kein Verständnis, die fleissige Kinogängerin fühlt sich bevormundet. Im Kino wolle sie primär den Film geniessen und zahle dafür gerne den entsprechenden Eintrittspreis. «Weitere Auslagen für Getränke und Speisen lasse ich mir aber nicht vorschreiben», betont Andrea W.

Taschenkontrollen nicht zulässig

Für Rechtsexpertin Doris Slongo sind Taschenkontrollen im Kino ein Eingriff in die Privatsphäre. Mit solchen Kontrollen müssen Kinobesucher nicht rechnen. «Ohne ausdrückliche Einwilligung des Kinobesuchers sind solche Taschenkontrollen nicht zulässig», beurteilt Doris Slongo die Rechtslage.

Wenn die Kinobetreiber trotzdem auf solchen Kontrollen beharren, muss das dem Kunden zum Zeitpunkt des Ticketkaufs klar und deutlich angekündigt werden.

Stellungnahme der Kinos

Pathé ist nicht der einzige Kinobetreiber, welcher die Taschen seiner Gäste kontrolliert. (Siehe Kasten unten). Auch andere Kinounternehmen behalten sich solche Kontrollen vor. Sie rechtfertigen den Eingriff in die Privatsphäre ihrer Kunden mit dem Kampf gegen Alkoholmissbrauch und illegale Filmaufnahmen.

Bei Pathé gibt es noch einen weiteren Grund: die Kunden dürfen keine eigenen Getränke und Speisen mitnehmen, sondern sollen alles im Kino kaufen. Das gehöre zum Gesamtkonzept, erklärt der Verantwortliche für Pathé Deutschschweiz, Antonio Annecchiarico: «Wie andere Gastronomie- und Unterhaltungsunternehmen auch, leben wir von unserem Getränke- und Speiseangebot.»

So machen es andere Kinos

Kitag betreibt an 27 Standorten Kinos und ist hinter Pathé die Nummer 2 auf dem Schweizer Kinomarkt. Intensive Taschenkontrollen wurden in der Vergangenheit gemacht, aktuell seien sie nicht mehr nötig. Kitag erlaubt seinen Gästen das Mitnehmen von eigenen Getränken. Einzig grosse Mengen Alkohol, Glasflaschen und stark riechende Esswaren wie Hamburger, Kebap etc. würden nicht toleriert, schreibt Kitag Geschäftsleiter Philippe Täschler auf Anfrage von «Kassensturz».
 Das Arena Kino im Sihlcity in Zürich verzichtet nach eigenen Angaben auf Taschenkontrollen. Die Mitnahme von eigenen Speisen und Getränken ist in den zehn Kinosälen von Arena jedoch nicht erlaubt.

Das Kinounternehmen «Sterk» in Baden führt sporadisch Taschenkontrollen durch. Auch dieses Kino untersagt seinen Gästen die Mitnahme von eigenen Getränken und Speisen.

4 Kommentare

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  • Kommentar von Annie, Bern
    Ich arbeite in einem Kino und bin einverstanden dass Taschenkontrollen zu weit gehen. Jedoch denkt fast niemand an den Abfall, den die Kunden hinterlassen! Ihr trinkt im Restaurant auch kein mitgebrachtes Cola, jedoch zwingt euch niemand, etwas im Kino zu kaufen abgesehen vom Ticket. Wir dürfen oft genug halb gegessene Hamburger oder halbleere Bierflaschen auflesen, das ist ekelhaft. Wer nichts bei uns kaufen will, soll davor oder danach essen und trinken, so schlimm ist das wirklich nicht!
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    1. Antwort von Jeannine Takla, Steffisburg
      Gutes Thema... Abfall mir ist es ein Rätsel wie man sein Popcorn isst, dass der halbe Kinosaal aussieht wie ein Saustall!! Ich nehme auch Esswaren und Getränke von zu Hause mit und mit gebrachte Pet Flaschen und Abfall packen wir wieder in den Rucksack und entsorgen es zu Hause! Ich finde es ist nicht Aufgabe des Kinobetreibers für meine Privat mitgebrachten Sachen den Abfallbehälter zur Verfügung zu stellen und die Abfallgebühren dafür zu bezahlen.
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  • Kommentar von Reto Wirz, Aarau
    Die Branche vergrault damit ihre ohnehin seit Jahren schwindende Kundschaft. Zusätzlich zu den meist unverhältnismässig hohen Ticket- und Konsumationspreisen wird man jetzt noch unnötig schikaniert. Dass die Kunden ihre eigenen Lebensmittel mitführen, ist angesichts der Preisgestaltung nachvollziehbar. Wenn eine möglichst hohe Anzahl der Kinobesucher das Konsumationsangebot vollständig boykottieren würde, werden die Kinobetreiber sehr schnell einlenken.
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  • Kommentar von Peter Honegger, Kriens
    Eine Taschenkontrolle erachte ich als unzulässigen Eingriff in die Persönlichkeitsrechte. Ein Getränkeverbot ist unverhältnismässig.
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