Macht eure Werbung doch selbst!

Touristen sollen in Bergregionen nicht nur Geld in die Kasse spülen, sondern auch gleich selbst Werbefotos liefern. Das schlägt eine österreichische Tourismus-Vermarktungsfirma vor. Die «Espresso»-Glosse zu diesem «Macht-es-doch-selbst»-System.

Wanderer auf dem Berg, Alpenblumen auf dem Berg, ein schönes Dorf vor dem Berg: «Die Werbebilder alpiner Destinationen gleichen einander oft wie ein Ei dem anderen», kritisiert eine Tourismus-Vermarktungsfirma aus Österreich. Darauf würden Internetnutzer «zunehmend kritisch» reagieren, warnt die Firma lokale Tourismus-Organisationen: «Neueste Studien und auch das Nutzerverhalten auf unserem Alpenportal zeigen, dass Werbefotos immer weniger beachtet werden.»

Dabei wären «authentische Bilder» im Tourismus besonders wichtig für den Kaufentscheid, erklärt die Marketingfirma aus Österreich. Und sie zaubert gleich eine Lösung aus dem Hut: Zu authentischen Bildern komme man «äusserst effizient und kostengünstig» durch einen Online-Fotowettbewerb. Touristen sollen also Fotos machen – und damit Werbung, um noch mehr Touristen anzulocken.

In der Wintersaison könnte einem da das Schlagwort Schneeballsystem in den Sinn kommen, Ägypten könnte es als Pyramidensystem einführen – auf jeden Fall ist es ein «Macht-es-doch-selbst»-System.

Unschärfe hat etwas Künstlerisches

Vielleicht sehen Wanderer auf dem Berg, Alpenblumen auf dem Berg und das schöne Dorf vor dem Berg tatsächlich ganz anders aus, wenn sie nicht von einem Profi-Fotografen, sondern von einem Touristen abgelichtet werden. Unschärfe und Überbelichtung können ja etwas sehr Künstlerisches haben. So oder so aber ist das eben «authentisch». Und Bergferien-Fotos, die wir zwar nicht mehr am Dia-Abend, dafür aber auf dem Handy oder der Facebook-Seite der Kollegin anschauen müssen, sehen ja immer total anders und wahnsinnig verschieden aus!

Fotowettbewerbe sind erst der Anfang!

Aber da sind wir wieder am Anfang des «Macht-es-doch-selbst»-Systems: Wir sind zu kritisch. Und wenn das über die Fotos hinaus zum studien-belegten Problem für die Tourismusbranche wird, dann gute Nacht in den Ferien! Dann gibt es nämlich nicht nur Foto-Wettbewerbe, dann gibt es im Ferienhotel auch Koch-Wettbewerbe oder Zimmerservice-Wettbewerbe. Macht es doch selbst!

Für Touristen an diesem Ferienort – oder wie es in der Branche heisst: die Gäste dieser Destination – könnte das als «aktive Erholung» durchgehen. Aber was ist mit den Profis? Mit all den Fotografen, Köchen und Zimmerservice-Angestellten? Sie braucht es ja nicht mehr.

Nun, man kann sie in die Ferien schicken. Tönt doch gut. Natürlich gibt es ein grosses Aber: Sie sind ausgeschlossen von Foto-, Koch- und Zimmerservice-Wettbewerben. Denn wenn Profis am Werk sind, wirkt es einfach nicht authentisch.