Massive Preiserhöhung auf Campingplatz

Schock für die Dauermieter auf dem Campingplatz der Gemeinde La Tène am Neuenburgersee: Der Preis pro Quadratmeter wurde um fast 50 Prozent erhöht. Die Dauer-Camper fühlen sich ausgeliefert.

Drei ältere Personen sitzen an einem gedeckten Tisch vor einem Campingwagen-Vorzelt, ein weiterer bedient abseits den Gasgrill.

Bildlegende: Die Dauercamper von La Tène blicken einer teurern Zukunft entgegen. Keystone

Ein Dauermieter bezahlte auf dem Campingplatz der Gemeinde La Tène NE bisher 15 Franken Miete pro Quadratmeter. Neu bezahlt er 22 Franken – also fast die Hälfte mehr. Für eine Parzelle von 100 Quadratmetern bedeutet dies Kosten von 2200 Franken statt wie bisher 1500 Franken. Hinzu kommen Mehrwertsteuer und Gebühren für Abfall, Wasser, Auto und die Überwinterung.

Die Gemeinde, welche den Campingplatz führt, begründet diese massive Preiserhöhung mit dem Bau neuer sanitärer Anlagen für 1,9 Millionen Franken im letzten Jahr. Vorletztes Jahr sei zudem eine Abfall- und Recycling-Station eingerichtet worden. Neu werde der Platz als 4-Sterne-Camping bewertet.

Dauercamper kritisieren 4-Sterne-Bewertung

Dauercamperin Marlies Otz meint, für den Teil des Campings mit den Touristenplätzen möge diese Bewertung wohl stimmen. Die Plätze der Dauercamper seien dagegen weder mit Strom noch mit einem Wasseranschluss ausgerüstet. Zudem seien die Wege nachts nicht beleuchtet.

Die Dauercamper können nicht nachvollziehen, dass die Gemeinde La Tène den Tarif nur für sie erhöht hat. Die Preise für die Touristenplätze sind gleich geblieben, obwohl diese ebenso von den Neuerungen profitieren. Die Dauercamper müssen diese Preiserhöhung schlucken. Denn, obwohl sie sich auf dem Campingplatz über Jahre fest eingerichtet haben, gilt das Mietrecht für sie nicht.

In einer Stellungnahme an «Espresso» schreibt die Gemeindeverwaltung La Tène, man habe die Preise für die Dauermieter ans Niveau der anderen 4-Sterne-Campings am Neuenburgersee angepasst. Wobei man etwas tiefer geblieben sei, weil die Dauercamper zurzeit keine Strom- und Wasseranschlüsse hätten. Die Preise auf den Touristenplätzen seien bereits auf dem Niveau der umliegenden Campings. Aus Konkurrenzgründen habe man diese daher nicht weiter erhöht.

Gemeinde plant Verbesserungen für Dauercamper

Die 4-Sterne-Bewertung ihres Campingplatzes habe La Tène nicht gesucht, schreibt die Gemeinde weiter. Die Aufstufung sei unabhängig durch den «Verband Schweizer Campings» erfolgt. Verbandspräsident Mila Merker erklärt auf Anfrage von «Espresso», für das Campingverzeichnis liege der Fokus auf dem Angebot für Touristenplätze.

Einige Dauercamper haben den Eindruck, sie seien in La Tène nicht mehr willkommen. Die Gemeinde bestreitet dies. Es sei ein Projekt in Arbeit, bei den Dauercampern eine Wasser- und Stromversorgung einzurichten. Zugleich sollen die Parzellen der Dauercamper neu eingeteilt werden. Auf diese kommen also weitere Veränderungen zu.

Campingverband: «Massive Tariferhöhungen sind selten»

Der Präsident des Schweizerischen Camping- und Caravaning-Verbands (SCCV), Sepp Willi, sagte im Interview mit dem Konsumentenmagazin «Espresso» von Radio SRF 1, solche massiven Tariferhöhungen wie in La Tène seien selten: «Ab und zu kommen sie aber vor.» Auf den Mieterschutz berufen und die Mieterhöhung anfechten können sich Dauercamper nicht, sagt Sepp Willi: «Man hat ja keine Wohnung gemietet, sondern lediglich ein paar Quadratmeter Land.» Mit Preiserhöhungen müssten Camper daher leben. Meist würden Mietverträge für Dauermieter deshalb nur auf eine Saison oder ein Jahr abgeschlossen.

Erscheint eine Preiserhöhung ungerechtfertigt, können sich Camper beim SCCV melden, sagt Verbandspräsident Sepp Willi: «Handelt es sich um einen Vertragsplatz des SCCV, dann können wir einen gewissen Druck ausüben, damit eventuell ungerechte Mieterhöhungen hinterfragt werden.» Gerade bei grossen Investitionen wie neuen sanitären Anlagen seien Preiserhöhungen aber oft gerechtfertigt.

Unbedingt empfiehlt der SCCV Saison- oder Jahresmietern auf Campingplätzen, das Kleingedruckte im Vertrag genau zu lesen. Dort seien meistens auch alle weiteren Gebühren und Kosten geregelt. Besondere Beachtung verdienten auch die Regelungen zur Abgabe der Parzelle oder zum Weiterverkauf eines Wohnwagens oder Mobilehomes auf einem Jahresplatz.

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