Neue «Erlebnistaxe» in Saas-Fee vertreibt Stammgäste

Ausgerechnet jetzt, wo Touristenorte in der Schweiz um jeden einzelnen Gast kämpfen, führt die Region Saas-Fee eine saftige Gebühr ein. Die «Erlebnistaxe» ermöglicht zwar Rabatte und Gratisbusse, die Rechnung geht aber nicht für alle Gäste auf.

Seit Jahren macht die fünfköpfige Familie Kramer in Saas-Fee Skiferien in einer Ferienwohnung. Auch dieses Jahr wollte die Familie die Daten für nächstes Jahr mit der Vermieterin gleich wieder abmachen, als ihr die Vermieterin eröffnete, dass ab Sommer 2015 in Saas-Fee zur Kurtaxe noch eine «Erlebnistaxe» anfalle.

Vier Franken pro Tag für Erwachsene und drei Franken pro Tag für Kinder ab sechs Jahren sieht Saas-Fee-Tourismus dafür vor. Die junge Mutter versteht die Welt nicht mehr: «Ausgerechnet in einer Zeit, wo jeder jammert, dass die Leute nicht mehr in der Schweiz Skiferien machen, weil es im Ausland günstiger ist, ausgerechnet jetzt wird eine solche Gebühr eingeführt?»

Und notabene eine Gebühr, bei der sie den Mehrwert für sie als Gast nicht erkenne.

«Unglücklicher Zeitpunkt» - Tourismus-Verband ist nicht erfreut

Der Zeitpunkt sei schon sehr unglücklich, eine solche Erlebnistaxe einzuführen, sagt Barbara Gisi, Direktorin des Tourismus-Verbands gegenüber dem Konsumentenmagazin «Espresso» von Radio SRF 1.

Und sie meint weiter: «Offenbar ist es bei dieser Familie nun der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat.» Aber, man könne es durchaus nachvollziehen.

Die Erlebnistaxe ist letztes Jahr zwischen Saas-Fee-Tourismus und einem grossen Teil der Vermieter und Hoteliers vereinbart worden. Wie es auf Anfrage heisst, würden rund 80 Prozent der Besitzer von Wohnungen und Hotels dabei mitmachen.

Sie können im Gegenzug ihren Mietern den sogenannten Bürgerpass abgeben, eine Art Rabattkarte für Bergbahnen, Skischule, etc., mit der Postauto und Skibusse in der Region sogar gratis sind. Doch Saas-Fee kennt übrigens den «Bürgerpass» schon seit 2012, eine Gästekarte mit Rabatten. Dieser wurde bisher gratis durch den Vermieter abgegeben.

«Erlebnistaxe» statt höhere Kurtaxe als Einnahmequelle

Der Geschäftsführer der Saastal Marketing AG, Pascal Schär betont: «Wir haben letzten Sommer beschlossen, die Erlebnistaxe einzuführen und im Herbst begonnen, diese Umstellung zu kommunizieren. Da wussten wir noch nichts von der Aufhebung des Euro-Mindestkurses. Das ist sicher unglücklich gelaufen.»

An diese Erlebnistaxe sei aber die gesamte Finanzierung des Gebiets gekoppelt. Durch Abgabe der Taxe erhalten die Gäste den sogenannten Bürgerpass, mit welchem sie von vielen Rabatten und Angeboten profitierten. So könne man im Sommer fast alle Bergbahnen kostenlos benutzen. Das Postauto und die Skibusse seien das ganze Jahr gratis und es Gäste erhalten auf Skipässe Rabatte.

Und Pascal Schär von Saas-Fee-Tourismus erklärt weiter, dass man im Gebiet Saas-Fee sehr tiefe Kurtaxen im Vergleich zu anderen Gebieten habe. Diese zu erhöhen, sei nicht ganz einfach. Das hat mit gesetzlichen Hürden zu tun, die seit kurzem aber aufgehoben sind.

Allerdings dauere es noch eine Weile, bis alle Gremien entsprechende Beschlüsse fassten, um die Kurtaxe zu erhöhen. Dann würde auch die neue «Erlebnistaxe» hinfällig. Aber solange die Kurtaxe so tief sei, brauche man diese zusätzliche Einnahmequelle.

Enttäuschte Stammgäste

Der fünfköpfigen Familie Kramer allerdings reichen diese Erklärungen nicht. Sie hat sich mit einem Schreiben an die lokale Tourismus-Organisation gewendet. Zurück kam eine Mail, in der vor allem von den hohen Kosten in diesem hochalpinen Skigebiet die Rede war.

Mutter Kramer sagte gegenüber «Espresso» enttäuscht: «Ich habe mir schon ein bisschen mehr erhofft als die üblichen Ausreden von wegen man habe halt die höheren Ausgaben als anderswo».

Die Familienmutter kann mit dem neuen Bürgerpass wenig anfangen:« Mit kleinen Kindern lohnen sich beispielsweise keine Wochenpässe für die Bergbahnen, wir profitieren also wenig von der neuen Rabattkarte.»

Und sie hat die Konsequenzen gezogen: «Wir haben bereits unsere nächsten Skiferien gebucht. In Österreich.»