Neuer Landi-Gasgrill geht in Flammen auf

Schon beim ersten Betrieb brennt der Gasschlauch durch. Nur die Feuerwehr kann Schlimmeres verhindern. Der Kunde hat den Gasgrill fertig montiert bei der Landi gekauft. Landi schiebt den Fehler auf den Kunden. Doch Experten kritisieren, dass Landi unsichere Grillgeräte verkauft.

Grill

Bildlegende: Der Landi-Gasgrill nach dem Löschen durch die Feuerwehr. SRF

Als «Espresso»-Hörer Thomas Wohlwend bei der Landi Buchs in St.Gallen den Gasgrill «Club Deluxe» für knapp 900 Franken kauft, ahnt er nicht, welch dramatische Szenen sich kurze Zeit später auf seiner Terrasse abspielen werden. Obwohl der Grill bereits fixfertig montiert war, prüft er bei der Inbetriebnahme die Anschlüsse und riecht, ob irgendwo Gas austritt. Alles scheint bestens.

«Wie ein Flammenwerfer»

Kurz darauf hört Thomas Wohlwend seltsame Geräusche aus der Kammer, in der die Gasflasche steht. Er öffnet die Holztür und kann kaum glauben, was er sieht: Der untere Teil des Grills steht in Flammen.

Geistesgegenwärtig greift er zum Feuerlöscher und versucht, den Brand unter Kontrolle zu bringen. Erfolglos. Thomas Wohlwend, der in einem Holzhaus wohnt, gerät in Panik: Die Gasflasche ist inzwischen gefährlich heiss geworden. Trotz Schock macht er das einzig Richtige: Er kühlt die Flasche mit dem Gartenschlauch und alarmiert die Feuerwehr. Erst mit der Hilfe der Profis gelingt es, den Gasgrill-Brand zu löschen.

Kühlung der Gasflasche verhindert Schlimmeres

Der brandneue Gasgrill der Landi ist zwar komplett ruiniert. Doch es hätte viel schlimmer ausgehen können. Thomas Wohlwend sei nur knapp an einer Katastrophe vorbeigeschrammt, sagt Feuerwehrkommandant Jürg Wohlwend, der damals im Einsatz war. «Herr Wohlwend hat sich vorbildlich verhalten. Ohne Kühlung hätte die Gasflasche explodieren können», betont der Feuerwehrkommandant im Konsumentenmagazin «Espresso» von Radio SRF1.

Landi lehnt jede Haftung ab

Thomas Wohlwend nimmt noch am gleichen Tag mit der Verkaufsstelle in Buchs Kontakt auf. Zuerst zeigt sich Landi kulant – man werde den Schaden ersetzen. Ausser den 900 Franken für den ruinierten Grill sind auch noch Kosten für den Feuerwehreinsatz zu berappen. Doch dann folgt der Rückzieher: Der Kunde habe die Dichtheits-Prüfung nicht gemäss Bedienungsanleitung durchgeführt – nämlich mit Seifenwasser. «Damit lehnen wir jede Haftung ab», so der Bescheid.

Ob diese Haltung rechtlich standhalten würde, ist fraglich. Für die Experten ist die Reaktion von Landi unverständlich. Feuerwehrkommandant Jürg Wohlwend hat den Grill im Anschluss an die Löschaktion geprüft und bestätigt: «Thomas Wohlwend hat aus unserer Sicht alles richtig gemacht.» Auch TCS-Gasfachmann Jürg Reinhard schüttelt den Kopf: «Gerade bei einem fertig montierten Deluxe-Modell darf erwartet werden, dass der Verkäufer eine Funktionskontrolle macht.»

Sind Ausstellungsmodelle gefährlicher?

Die Firma Landi sieht das anders. Urs Moll von Landi Schweiz hält auch gegenüber «Espresso» an der kundenunfreundlichen Haltung fest. Der Kunde hätte den Grill genauso prüfen müssen, wie es in der Betriebsanleitung steht. Dazu komme: «Es handelt sich um ein Ausstellungsmodell. Es hat nie jemand gesagt, dass man diesen Grill einpacken und zu Hause einfach so in Betrieb nehmen kann.» Pikant: Dass es sich um ein Ausstellungsmodell handelt, wusste Thomas Wohlwend beim Kauf des Grills nicht.

Migros, Coop und Jumbo kontrollieren

Auf Anfrage von «Espresso» betonen Migros, Coop und Jumbo, dass ihre Kunden beim Kauf von zusammengesetzten Gasgrills nur noch die Gasflasche richtig anschliessen müssen. Bei Coop übernehme der Hersteller bei Austellungsmodellen die Dichtheitsprüfung. Bei Migros und Jumbo würden die Austellungsmodelle vor der Auslieferung stets einer Endkontrolle unterzogen.

TCS-Kontrollgang bei Landi zeigt weiteren Fall

Für Gasfachmann Jürg Reinhard vom TCS ist klar: Einen Grill technisch zu überprüfen, ist nicht einfach. «Gerade bei teureren Modellen sind die Teile oftmals versteckt und es ist für Laien nur sehr schwer kontrollierbar, ob alles richtig funktioniert. » Besonders stossend: Auf einem Kontrollgang in zwei Landi-Filialen trifft Jürg Reinhard vom TCS auf ein weiteres Ausstellungsmodell, das Mängel aufweist. Konkret fehlte ein Dichtungsring. Für den Konsumenten heisst das: Beim Kauf eines fertig montierten Landi-Grills muss man immer genau prüfen, ob wirklich alles stimmt.

Die wichtigsten Tipps zum sorglosen Grillen:

  • Grill immer im Freien, nie in geschlossenen Räumen anzünden
  • Haube beim Anzünden immer geöffnet halten, auch bei einem Grill mit externer Zündung
  • Gasflasche nie direkt unter den Grill stellen
  • Die Gasflamme muss immer blau sein. Wenn sie gelb ist, stimmt die Gaszufuhr nicht. Dann den Anschluss nochmals prüfen oder mit der Verkaufsstelle Kontakt aufnehmen.