«Praktikantinnen werden ausgenutzt»

«Kassensturz» hat gezeigt: Viele Kindertagesstätten weisen Mängel auf. Im Studio erklärte Talin Stoffel vom Verband Kindertagesstätten Schweiz, worauf Eltern achten sollten. Einträge im «Kassensturz»-Forum bestätigen zudem: Die Betreuerinnen sind oft überfordert.

Bild mit Bienen auf Fenster

Bildlegende: Einen Ort zu finden, wo die Kinder gut aufgehoben sind, ist kein Kinderspiel. SRF

Auch Talin Stoffel vom Verband Kindertagesstätten Schweiz KiTaS weiss, wie schwierig es ist, einen Hort zu finden, wo man die Kinder mit guten Gewissen zurücklassen kann.

So findet man die richtige Tagesstätte

Im «Kassensturz»-Studiogespräch rät sie daher Eltern, sich viel Zeit zu lassen und sich verschiedene Tagesstätten genau anzusehen. Was man laut Stoffel unbedingt beachten sollte:

  • Studieren Sie die Homepages der Krippen.
  • Sprechen Sie mit der Krippenleiterin oder dem Krippenleiter.
  • Erkundigen Sie sich nach dem pädagogischen Konzept.
  • Fragen Sie nach, wer in der jeweiligen Krippe arbeitet, also wer die Kinder betreut.
  • Schauen Sie sich die Räume genau an und fragen Sie sich, ob Ihr Kind sich darin wohl fühlt und ob es sich entfalten kann.
  • Beobachten Sie, wie die Betreuerinnen und Betreuer mit den Kindern umgehen. Denn das wichtigste an einer Tagesstätte ist die Beziehung zwischen Betreuer und Kindern.
  • Stellen Sie unbedingt konkrete Fragen. Zum Beispiel: Was tun Sie, wenn mein Kind nicht essen will? Oder wenn es nicht schlafen will?
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Talin Stoffel von der Kitas

6:31 min, aus Kassensturz vom 15.5.2012

Was die amtlichen Kontrollen betrifft, so ist Stoffel der Meinung, dass Handlungsbedarf besteht: «Leider sind die meisten kantonalen Behörden am Anschlag, denn den letzten Jahren sind sehr viele neue Plätze aufgegangen. Auf jeden Fall muss man die Kontrollen ernster nehmen. Das haben die Beispiele aus dem Beitrag gezeigt.»

« «Das Budget vieler Kitas ist knapp berechnet und deshalb greift man oft auf günstigere Arbeitskräfte zurück.» »

Viele Missstände sind auf das Fehlen von qualifiziertem Personal zurückzuführen, das weiss auch Talin Stoffel: «Das Budget vieler Kitas ist knapp berechnet und deshalb greift man oft auf günstigere Arbeitskräfte zurück, wie zum Beispiel Praktikanten.» Sie verspricht sich aber Besserung, da in den Kindertagesstätten ihres Verbandes sehr viele Lehrlinge ausgebildet würden.

Das hat allerdings im «Kassensturz»-Forum für Aufregung gesorgt. Armanda K. findet es «schon fast eine Frechheit», zu sagen, es gäbe genügend Lehrstellen. Alleine im Kanton Graubünden gäbe es ganze drei Lehrstellen, eine davon für eine männliche Person ab 18 Jahren. «Und dann wundert man sich, dass es kein gut ausgebildetes Fachpersonal gibt.»

Mehrere Teilnehmer berichten auch, dass Praktikanten oft vertröstet werden. Für die Lehre ist vorab ein einjähriges Praktikum notwendig. Oft hiesse es dann aber, man solle noch ein zweites oder sogar drittes Praktikum anhängen. Viele Forumsteilnehmer vermuten, dass Tagesstätten lieber günstige Praktikanten anstellen, die im Gegensatz zum Lehrling immer anwesend sind. So zum Beispiel B. Bürgin: «Praktikanten werden ausgenutzt, um Geld zu sparen, meine Tochter nunmehr seit drei Jahren. Die Krippenleiterin macht auch keinen Hehl daraus, dass ihr Hort nur so finanziell einigermassen überleben kann.»

« «Praktikanten werden ausgenutzt, um Geld zu sparen, meine Tochter nunmehr seit drei Jahren.» »

Mehrjährige Praktika machen viele, weil sie sich dadurch eine Lehrstelle erhoffen. Das sagen mehrere Forumsteilnehmer. So auch eine junge Frau: «Bei mir sagte man nach dem ersten Jahr, ich könne nach einem zweiten Praktikum die Lehre beginnen. Später hiess es, ich solle noch ein drittes Jahr anhängen.»

Auch die ungenügenden Kontrollen sorgten im Forum für reichlich Diskussionsstoff. Es sei ein Witz, dass die Kontrolleure ihre Besuche anmelden. So könnten sich die Tagesstätten in aller Ruhe auf eine schöne Präsentation vorbereiten. Ein Forumsteilnehmer schlägt deshalb vor, dass es eine zentrale, unabhängige Meldestelle für Eltern geben sollte.

« «Macht unangemeldete Krippenbesuche! Nur eine Krippe, die rund um die Betreuungszeiten jederzeit besucht werden kann, hat nichts zu verbergen und gibt den Eltern Sicherheit.» »

Eine Forumsteilnehmerin rät, das Blatt selbst in die Hand zu nehmen und schlägt beunruhigten Eltern vor: «Macht unangemeldete Krippenbesuche! Nur eine Krippe, die rund um die Betreuungszeiten jederzeit besucht werden kann, hat nichts zu verbergen und gibt den Eltern Sicherheit.»