Singles mit Kind: Achtung vor überteuerten Reisen

Wer alleine mit seinen Kindern in die Badeferien will, muss tief in die Tasche greifen. Die besonders günstigen Kinder-Festpreise gelten meist nur, wenn zwei vollzahlende Erwachsene mitreisen. Ausserdem sind viele Spezialangebote für Alleinreisende pro Person teurer als jene für Familien.

Kind im Flugzeug

Bildlegende: Viele Kinder reisen gern. Doch das kann schnell sehr teuer werden. PD

Die «Espresso»-Hörerin Andrea Freuler reist normalerweise mit ihrem Mann und den drei Kindern. In diesen Herbstferien muss ihr Mann jedoch arbeiten. Deshalb entschied sie sich, zusammen mit einer befreundeten Familie eine Woche nach Kreta zu fliegen.

Als sie die Kuoni-Reise im Internet buchen wollte, traute sie ihren Augen nicht: Über 8000 Franken müsste sie insgesamt für die Reise bezahlen. Pro Kind müsste sie den gleichen Preis bezahlen wie für sich selbst.

Kuoni: Kinder zahlen wie Erwachsene

Die befreundete Familie dagegen konnte von einem Rabatt profitieren und bezahlte, ebenfalls für 4 Personen, nur 6000 Franken. Für Andrea Freuler ist das eine Zumutung: «Ich war frustriert. Es kann ja nicht sein, dass eine Alleinreisende mit Kindern für das haargenau gleiche Angebot so viel mehr bezahlen muss!»

Kuoni spricht von einem Fehler im Online-Buchungssystem. Sprecher Peter Brun: «Das Hotel bietet nur Kinder-Festpreise an bei zwei vollzahlenden Erwachsenen. Das System hat dies nicht erkannt und fälschlicherweise den Preis von vier Erwachsenen berechnet.»

Selbstverständlich müsse Andrea Freuler nicht für jedes Kind gleich viel bezahlen wie für einen Erwachsenen. Das interne Controlling-System hätte den Fehler bei einer Buchung aber schon erkannt, so Peter Brun weiter. Andrea Freuler muss aber trotzdem tief in die Tasche greifen.

Um vom Kinder-Festpreis profitieren zu können, muss Andrea Freuler für eines ihrer Kinder (alle unter 8 Jahre) gleich viel wie für einen Erwachsenen bezahlen. Nur dann ist das «All-inclusive»-Angebot für die beiden anderen Kinder günstiger. Eine Frechheit, findet sie, denn ein Kind unter 8 Jahre esse mit grösster Wahrscheinlichkeit nicht so viel wie ein Erwachsener.

Unterdessen ist «Espresso»-Hörerin Andrea Freuler die Lust am Reisen vergangen. Die überteuerte Reise hat sie nicht gebucht. Kuoni betont hingegen, bei der Mehrzahl der Badeferien-Angebote gebe es auch Kinder-Festpreise für Alleinreisende. Laut dem Reiseveranstalter hätte Andrea Freuler einfach ein anderes Hotel buchen sollen.

Hotelplan: Spezialangebote für mit Tücken

Auch andere Reiseveranstalter berücksichtigen Alleinreisende kaum. Hotelplan (u.a Denner-Reisen und Migros-Ferien) bietet zwar sogenannte Kinder-Festpreise an. Diese gelten aber praktisch nur, wenn zwei vollzahlende Erwachsene mitreisen.

Das Unternehmen hat aber wegen steigender Nachfrage seit April im Internet eine spezielle Rubrik für Alleinerziehende. «Espresso» macht die Stichprobe und stellt fest: Bei einer Woche Ferien in Griechenland bezahlt ein Erwachsener mit Kind insgesamt mehr, als zwei Erwachsene.

Gemäss Priska Huguenin, Sprecherin von Hotelplan, handelt es sich hierbei aber um einen Fehler im System. Diesen habe man nun behoben.

Ein weiterer Nachteil: Für Alleinreisende mit Kindern werden automatisch nur Direktflüge ausgesucht. Diese sind teurer. Klar ist es bequemer, wenn man ohne Zwischenstopp fliegen kann. Im Idealfall sollte aber der Konsument wählen können, welches für ihn die beste Lösung ist.

TUI: Schnäppchen hauptsächlich in der Nebensaison

Bei Tui Suisse gibt es ebenfalls Angebote für Alleinreisende mit Kind. Diese werden aber gemäss Sprecher Roland Schmid hauptsächlich ausserhalb der Schulferien angeboten.

Diese limitierten Angebote müssten möglichst früh im Voraus gebucht werden, so Schmid weiter. Die Beratung im Reisebüro sei dabei umso wichtiger.

Was haben Sie für Erfahrungen gemacht als Alleinreisende/r mit Kind? Mailen Sie uns: espresso@srf.ch

Tipps

  1. Angebot akribisch genau vergleichen. Aufgepasst im Internet: Es gibt immer wieder Fehler. Bei Unklarheiten den Reiseanbieter kontaktieren.
  2. Früh buchen. Meist ist nur ein limitiertes Kontingent an Hotelzimmern für Alleinreisende verfügbar.
  3. Bei besonders bescheidenem Budget: Ausweichen auf andere Reiseanbieter. (Reka, Caritas, Pro Juventute)