Checkliste für angehende Tierhalter

Wer sich überlegt, ein oder mehrere Tiere als Mitbewohner und Begleiter aufzunehmen, sollte sich zuvor einige Fragen stellen. Eine Checkliste hilft, den eigenen Tierwunsch zu überdenken und gewissenhaft anzugehen.

Checkliste für angehende Tierhalter

Bildlegende: Checkliste für angehende Tierhalter SRF

Soll ein Tier angeschafft werden, so ist es sinnvoll, dieses Thema im Familienrat zu diskutieren. Alle Familienmitglieder – allen voran die Kinder – müssen sich mit ihrem Tierwunsch genau auseinandersetzen und eine genaue Vorstellung von den Anforderungen einer Tierhaltung bekommen.

Die Zoologin Eva Waiblinger von der Fachstelle Heimtiere des Schweizer Tierschutzes hat für eine solche Familiendiskussion einen Fragenkatalog zusammengestellt:

Frage 1: Warum will ich/wollen wir überhaupt ein Tier? Was steckt hinter dem Tierwunsch?

Gerade bei Tierwünschen von Kindern müssen sich Eltern oft fragen, ob dahinter nicht einfach der Wunsch steckt, Tiere zu haben, weil Klassenkameraden ebenfalls welche besitzen. Oder ob ein echter Wunsch dahinter steckt, die Verantwortung für ein anderes Lebewesen und die Pflege eines Tieres zu übernehmen.

Eltern müssen sich aber auch vor Augen halten, dass sie – egal auf welche Tierart schlussendlich die Wahl fällt – die Hauptverantwortung für die Tierhaltung und den Umgang mit den Tieren tragen, und zwar während der ganzen Lebenszeit der Tiere.

Auch bei Erwachsenen können, vor allem bei Hunden, durchaus Prestigevorstellungen oder der Wunsch nach persönlichen Schutz zum Kauf eines Tieres führen. Die Frage ist, ob dann das Tier nicht einfach instrumentalisiert wird. Nur wer bereit ist, sein Leben mit einem Tier zu teilen, es während seiner ganzen Lebenszeit zu pflegen und ihm optimale Lebensbedingungen zu bieten, sollte eines (oder mehrere) aufnehmen.

Frage 2: Was erwarten wir von den Tieren? Können die Tiere dies auch bieten?

Häufiger Abgabegrund von Tieren in Tierheimen ist, dass die Tierhalter enttäuscht sind, weil das Tier nicht das «bringt», was sie sich erhofft haben. Grund dafür sind meistens falsche Vorstellungen davon, wie ein Tier zu «funktionieren» hat. Wer sich jedoch vor der Tieranschaffung intensiv mit den Eigenschaften und dem Verhalten der Wunschtierart auseinandersetzt, allenfalls sogar einmal bei einem Tierhalter für eine Weile die Pflege dieser Tierart übernimmt, kann seine eigenen Vorstellungen viel besser mit der Realität abgleichen. So sind Meerschweinchen zum Beispiel gerade eben nicht das Streicheltier par excellence, die man kaufen und gleich knuddeln kann, sondern sehr schreckhafte Fluchttiere, die besser beobachtet denn berührt werden sollten. Sie handzahm zu machen, so dass sie sich angst- und stressfrei berühren lassen, ist mit grossem Aufwand und täglichem Training verbunden, kann aber genauso reizvoll sein, wie ihnen ein grosszügiges Gehege mit vielen Unterschlüpfen einzurichten. Damit falsche Vorstellungen ausgeräumt werden können, ist es notwendig, dass sich angehende TierhalterInnen ausgehend informieren und beraten lassen.

Die folgenden Stellen bieten Informationen:

  • Kostenlose Merkblätter, Ratgeber und persönliche Beratung durch die Fachstelle Heimtiere oder Fachstelle Hunde des Schweizer Tierschutz STS (Tel 061 365 99 99, sts@tierschutz.com, www.tierschutz.com)
  • Informationen und Ratgeber des Bundesamtes für Veterinärwesen unter www.tiererichtighalten.ch, für Kinder speziell unter www.neutierig.ch (mit Online-Quiz «Welches Tier passt zu mir?»)
  • Tierheime der STS-Sektionen, Adressen unter www.tierschutz.com/sektionen 
  • Gute Fachbücher
  • Seriöse Zoofachgeschäfte
  • Seriöse Zuchtverbände und Schweizer Züchter

Nicht zu unterschätzen sind ausserdem die individuellen Unterschiede zwischen Tieren der gleichen Art, ja selbst innerhalb der gleichen Rasse, wohlbekannt bei Katzen, aber auch bei allen anderen gängigen Heimtierarten. Daher sind mehrere Besuche beim Tierheim oder beim Züchter notwendig, bis sich menschliche und tierische Partner gefunden haben, die auch wesensmässig zueinander passen.

Frage 3: Welchen Tierarten können wir die besten Lebensbedingungen bieten?

Die Entscheidung für eine Tierart hängt stark von der Lebens-, Wohn- und Berufssituation der angehenden TierhalterInnen ab. Wichtige Fragen sind dabei diejenige nach der Zeit, die für die Tiere zur Verfügung steht, nach dem vorhandenen Raum (in der Wohnung, im Garten, allenfalls Vorhandensein eines Autos und die Art der Wohngegend, insbesondere viele Grünflächen und keine gefährliche Strassen bei der Katzenhaltung), allfälligen Einschränkungen (Mietvertrag, der Tierhaltung beschränkt oder verbietet) und den finanziellen Möglichkeiten der Tierhalter.

Frage 4: Haben wir genügend Zeit für die Tiere?

Es ist sinnlos und nicht tiergerecht, einen Hund anzuschaffen, wenn man Vollzeit arbeitet, selbst wenn man sich einen vierbeinigen Freund und Sozialpartner wünscht. Nur an Abenden und Wochenenden Zeit für einen Hund zu haben ist für das hochsoziale Lebewesen Hund, das dauernd Anschluss an seine Sozialpartner braucht, keinesfalls tiergerecht. Die ebenfalls soziale Katze kann mit einer solchen Situation viel besser umgehen, vorausgesetzt, sie kann jederzeit und selbstbestimmt rein und raus. Andere Tierarten benötigen Zeit, vor allem für die Pflege, wie Käfigputzen, aber auch Interaktionen, zum Beispiel das Handzahmmachen von Nagern, damit diese die Scheu vor ihren Haltern verlieren.

Frage 5: Haben wir genügend Platz für die Haltung der Tiere, so dass sie ihre natürlichen Bedürfnisse erfüllen und ihr artgemässes Verhalten (rennen, fliegen, hüpfen, Haken schlagen, graben, klettern etc.) ausleben können?

Es gibt zwar gesetzliche Mindestvorschriften für die Haltung der meisten Heimtierarten, jedoch hat die Zürcher Kantonstierärztin Regula Vogel im «Kassensturz» vom 18.1.2011 deutlich gesagt, dass man bei Heimtierhaltung eigentlich gar nie in Bereiche von Gehegegrössen kommen sollte, wo von Mindestmassen die Rede sein muss. Die Heimtierhaltung unterliegt ja viel weniger wirtschaftlichen Zwängen als beispielsweise die Nutztierhaltung.

In der Praxis heisst dies, den Heimtieren ein Vielfaches von dem an Platz anzubieten, was das gesetzliche Minimum fordert, denn nur dann kann man von artgemässer Haltung sprechen. Dies heisst zum Beispiel mindestens ein 60x120x60 cm Terrarium für Rennmäuse, statt das gesetzliche Minimum von 50x100x50 cm. Oder mindestens 2 m2 Grundfläche für 2 bis 3 Meerschweinchen bei Innenhaltung oder 4m2 bei Aussenhaltung (mit isoliertem Stall zusätzlich) statt der gesetzlich vorgeschriebenen halben Quadratmeters für 2 Tiere. Eine Voliere von 2 m2 Grundfläche und 2 m Höhe für Wellensittiche oder Kanarienvögel, statt der minimalistischen gesetzlichen Grundfläche von 2400 cm2 , auf der die Vögel bestenfalls von Stange zu Stange hüpfen, aber nicht fliegen können. Auch bei Aquarien lohnt sich klotzen statt kleckern: In grossen Aquarien ab 500 Liter schaffen es Anfänger der Aquaristik viel leichter, stabile Wasserwerte und damit gute Lebensbedingungen für Fische zu schaffen als in kleinen Aquarien, bei denen sich jeder kleine Pflegefehler massiv auswirkt. Nicht umsonst geben 80 Prozent der Personen, die mit Kleinaquarien anfangen, innerhalb von 1 bis 2 Jahren wieder auf – Kleinaquarien sind für Profis, nicht für Anfänger!

Frage 6: Sind alle Familienmitglieder, aber auch die Verwaltung / die Hausbesitzer mit der Tierhaltung einverstanden? Hat niemand Allergien gegen Tiere und/oder Einstreu?

Tierhaltung ist immer ein Familienprojekt, daher müssen alle Beteiligten mitziehen. Es lohnt sich, zuvor abzuklären, ob jemand in der Familie Allergien gegen Tiere, Tierhaare oder Einstreusorten hat, zum Beispiel indem entsprechende Tiere, die Bekannten gehören, während einer gewissen Zeit gehütet und gepflegt werden. Tiere aus Tierheimen können auch mal für ein Probewochenende nach Hause genommen werden. Allergie ist mit 32 Prozent immer noch der häufigste Abgabegrund von Katzen im Tierheim, bei Hunden liegt die Quote immerhin noch bei 17 Prozent. Darum ist hier eine sorgfältige Vorabklärung sehr anzuraten. Ebenfalls sehr zu empfehlen ist ein Mietanhang für HeimtierhalterInnen, der vom Mieter und vom Vermieter unterschrieben wird und die Rechte und Pflichten des Tierhalters festlegt. Damit es später zu keinen Härtefällen kommt, sollen Vermieter, Verwaltung oder Hausbesitzer, Genossenschaften oder benachbarte Stockwerkeigentümer immer vor Tieranschaffung informiert und um schriftliches Einverständnis gebeten werden.

Frage 7: Haben wir genügend finanzielle Mittel für die Anschaffung und die Pflege der Tiere?

Tierhaltung ist nicht billig. Das Tier selber ist, mit Ausnahme vielleicht von Rassehunden und -katzen, noch das billigste an der Tierhaltung! Ins Gewicht fallen bei der Neuanschaffung insbesondere grosse, artgemässe Gehege, Volieren, Terrarien oder Aquarien und deren Einrichtung, die tierärztliche «Erstversorgung» wie Kastration, Impfungen, Chippen, notwendige Wohnungseinrichtungen (z.B. Katzenbaum, Katzenklappe – mit Einbau in Scheibe schnell einmal über 500 Franken!) und Kurse (obligatorische Sachkundenachweiskurse für Hundehalter, weitere Kurse wie Welpenprägungsstunden, Junghundekurse, Erziehungskurse).

Ein artgemässes Gartengehege oder einen Teich für Schildkröten anzulegen kann durchaus über 10'000 Franken kosten, eine grosse Freiflugvoliere für Vögel ebenfalls. Nicht vergessen darf man die Kosten für die Unterbringung der Tiere in den Ferien.

Jährlich muss man bei Hunden, natürlich abhängig von der Grösse, 1000 bis 2000 Franken Unterhaltskosten (Futter, reguläre Tierarztkosten, Kurse, Hundesteuer) rechnen, bei Katzen 1000 Franken, bei Kleinnagern, Vögeln, Schildkröten, Fischen zwischen 500 und 1000 Franken. Für unvorhersehbare Tierarztkosten (Krankheit, Unfall), die schnell einmal mehrere hundert bis tausend Franken betragen können, sollte man entweder einen «Notbatzen» zur Seite legen oder eine Tierversicherung abschliessen.

Ein paar Beispiele: Ein Schäferhund, der 14 Jahre alt wird, kann in seinem Leben durchaus 40'000 Franken kosten, eine Katze, die 20 Jahre alt wird, kommt etwa auf 25‘000 bis 30'000 Franken. Zwei Meerschweinchen in einem grossen Gehege kosten in ihrem 8-jährigen Leben ungefähr 10'000 Franken.

Frage 8: Können wir den Tieren genügend Sozialkontakte zu Artgenossen bieten?

Die schweizerische Tierschutzgesetzgebung sieht mit Artikel 13 der Tierschutzverordnung vor, dass Tiere soziallebender Arten angemessene Sozialkontakte mit Artgenossen haben müssen. Die einfachste Lösung dazu ist die Gruppenhaltung verträglicher Tiere, d.h. man darf nicht nur ein Tier einer sozialen Art anschaffen, sondern muss gleich eine ganze Gruppe halten. Die Ausnahme bilden lediglich die Hunde, Katzen und Goldhamster, letztere, weil sie klar Einzelgänger sind. Hunde müssen auf täglichen Spaziergängen genügend Kontakt zu anderen Hunden und Menschen haben, bei Katzen ist Gruppenhaltung nicht vorgeschrieben, wohl aber genügend Sozialkontakt zum Menschen bei Wohnungskatzen. Freilaufkatzen können sich ihre Sozialkontakte selber aussuchen, bei Wohnungskatzen empfiehlt es sich nur, sehr gut verträgliche und sozialisierte Tiere zusammen zu halten, da sonst mit Verhaltensproblemen (Urinmarkieren, Aggression unter Katzen) zu rechnen ist.

Frage 9: Haben wir einen guten Platz oder eine andere Betreuungsvariante für die Tiere während der Ferien?

Je nach Tierart sind unterschiedliche Lösungen denkbar: Hunde kann man an hundefreundliche Destinationen gut mitnehmen, Katzen bleiben am besten zuhause und werden von einem Catsitter (Bekannte, Nachbarn, Verwandte, professionelle Tiersitter) betreut. Das gleiche gilt für viele Kleintiere in artgemässen und daher grossen und nicht transportfähigen Gehegen.

Je nachdem kann auch der Aufenthalt als Pensionstier in einem Tierheim angezeigt sein. Dies sollte man aber zuvor einmal ausprobieren, denn nicht alle Tiere bewältigen einen solchen Aufenthalt gleich gut. Wichtig: im Budget sind die Kosten für solche Ferienbetreuungen und Ferienaufenthalte zu berücksichtigen. Diese Betreuung kann für einen Hund zwischen 30 und 50 Franken pro Tag betragen, für Katzen 15 bis 25 Franken (bei Betreuung zu Hause mit Anfahrtsweg des Catsitters auch 35 bis 40 Franken). Für Kleintiere muss mit Kosten von 5 bis 10 Franken pro Tag gerechnet werden.

Frage 10: Welche Formen der Geburtenregelung werden angewendet?

Heimtiere sollen und dürfen sich nicht unkontrolliert vermehren – die Tierheime sind schon voll genug mit solchen «Unfällen». Es sind daher die für die gewählte Tierart optimalen Methoden der Geburtenkontrolle bzw. -verhinderung anzuwenden. Bei Katzen ist klar die Kastration von Männchen wie Weibchen sinnvoll, bei Hunden ist dies mit dem Tierarzt abzusprechen. Es gibt Vor- und Nachteile einer Kastration. Bei Rennmäusen und Guppy-Fischen empfiehlt sich beispielsweise die Haltung gleichgeschlechtlicher Gruppen, bei anderen Kleinnagern wie Meerschweinchen, aber auch bei Kaninchen oder Ratten, ist die Kastration der Männchen zu empfehlen.

Frage 11: Woher sollen die Tiere kommen?

In Tierheimen warten viele gesunde, lebensfrohe Tiere verschiedenster Arten auf einen Lebensplatz. Verantwortungsvolle TierhalterInnen geben einem solchen Tier ein neues Zuhause. Nicht immer ist es einfach, ein passendes Tier zu finden, zum Beispiel sind reine Wohnungskatzen eher rar. Wer sich aber die Zeit nimmt, hat bei einem Tier aus dem Tierheim viele Vorteile: Er kann ausprobieren, ob Mensch und Tier zueinander passen, kann das Tier zur Probe spazieren führen und bekommt eine Beratung. Die meisten abgegebenen Tiere sind kastriert, geimpft, vom Tierarzt gecheckt und gechippt, die Ferienbetreuung ist im Tierheim möglich, eine allfällige Rückgabe ist ebenfalls möglich.

Des weiteren bieten seriöse Zoohandlungen und Schweizer Züchter Tiere an. Dabei sollte man auf Qualitätssiegel (VZFS Codex bei Zoohandlungen, Züchterlabels wie Certodog bei Hunden) achten und sich informieren, welche Bedingungen diese stellen. Mehrfache Besuche sind gerade bei Züchtern sinnvoll, ausführliche Beratung und Abgabe von Informationsmaterial sind Merkmale einer guten Kundenbetreuung, sowohl bei Zoohandlung als auch bei Züchtern. Gute Züchter stehen ebenfalls während des ganzen Lebens der von ihnen gezüchteten Tiere mit Beratung zur Verfügung.

Absolut vermeiden sollte man den Kauf von Tieren über Gratis-Inserateplattformen auf dem Internet. Zu gross die Gefahr, Betrügern zum Opfer zu fallen oder dem skrupellosen Tierhandel Hand zu bieten. Kann der Züchter und die Zuchtstätte nicht vor Ort mehrfach besichtigt werden, sollte man auf den Kauf verzichten.

Keinesfalls darf man ein Tier von Inserenten kaufen, der mit automatisch übersetzten, sprachlich schlechten Inseraten wirbt, dauernd eine ganze Palette von Tierarten und Rassen anbietet, die Tiere schickt oder entgegenbringt und irgendwo an der Strasse oder an der Grenze übergibt oder der Rassetiere mit «Gesundheitsgarantie» und zu geringeren als den marktüblichen Preisen von Rassetieren verkauft.

Aus Tierschutzsicht problematisch sind ebenfalls aus südlichen Ländern massenweise importierte Tiere, vor allem Hunde. Das Internet sollte nur genutzt werden, um Kontakt zu Tierheimen und Züchtern aus der Schweiz aufzunehmen und sich Informationen über Zoohandlungen und Zuchtverbände zu verschaffen.